Salon d'Automobil – Peugeot 604 SL V6

Salon d'Automobil – Peugeot 604 SL V6


Marktbeobachtung

Den Peugeot 604 als Verkaufsrenner der 70er und 80er zu bezeichnen wäre ungefähr das Gleiche, als verdächtigte man Louis de Funes des tierischen Ernsts. Knapp 150.000 Exemplare konnte Peugeot zwischen 1975 und 1986 von seinem  ersten Sechszylinder nach dem Zweiten Weltkrieg absetzen, 15.000 davon fuhren in Deutschland. Und 15 Stück sind noch beim Kraftfahrtbundesamt gemeldet. Lachhaft.

Langsam ziehen sie an, die Peugeot-604-Preise. Und endlich scheint die stattliche Sänfte aus Sochaux um ihrer selbst willen gemocht zu werden. Das war nicht immer so, denn noch bis vor kurzer Zeit diente der 604 vor allem als Organspender für die schicken (und mittlerweile inflationären) 504 Coupé und Cabriolet. Die große Zeit der großen Limousine scheint jedoch bevor zu stehen.

Da wäre es doch nicht schlecht, zu den Trendsettern zu gehören. Für 3.950 Euro ist dieser Einstand in die etwas andere Luxusklasse möglich. Serviert wird ein frühes Exemplar in der berüchtigten Vergaserversion SL V6. "SL" stand mit Recht sowohl für die offizielle (Super Luxe) als auch für die inoffizielle ("säuft legendär") Übersetzung des Modellkürzels, bot der 604 doch Komfort und Kraft in eben diesem Überfluss, in dem seine durstigen Zenith-Vergaser Sprit der besten Jahrgänge nur so inhalierten.

Zehn Liter Super brauchen die 2.7 Liter Hubraum des V6-Motors – im Gleitbetrieb bei 120 km/h auf der Autobahn und bei guter Vergasereinstellung. Normal sind Werte um 16 Liter, 20 werden vom SL V6 jedoch ebenfalls mühelos erreicht. Das Vierganggetriebe und ein beherzter Gasfuß machen es möglich.

Und besagter Gasfuß zuckt im 604 fast schon automatisch. Trotz seines Sänften-Charakters animiert der 136 PS-starke große Peugeot zu souveränem Reisetempo. "Sie sind im 604 schnell, wenn es sein muss, sogar sehr schnell unterwegs", schrieben einst die Peugeot-Werber ihrem Flaggschiff in den Prospekt, den sie mit einer hineinmontierten Concorde garnierten. Etliche Kilo schallschluckenden Materials und der kernig-rauhe Sound des Sechszylinders machen aktives Fahren im 604 genau so angenehm wie lange, entspannt in den gewaltigen Plüschsesseln des Fonds genossene Touren . Fensterheber und Schiebedach elektrisch betätigt, Servolenkung, Tempomat und Zentralverriegelung waren serienmäßig im 604 verbaut und machten das Reisen zum Ausdruck französischer Lebensart.

Das aktuelle Angebot zeigt die Insignien der frühen Serie: weiße Blinkergläser, einseitige Auspuffanordung, Stahlfelgen, Chromspiegel. Die gibt es in Deutschland so gut wie gar nicht mehr, sind doch die meisten der hierzulande chauffierten SL V6 einst in den Salzwüsten der bundesdeutschen Straßenmeistereien verendet oder bei frühzeitigem Erblühen flugs nach Marokko exportiert worden. Ein gut erhaltener SL V6 ist also die Seltenheit unter den schon äußerst raren 604-Exemplaren. Und dieser hier wurde im Juni 1976 zudem mit der originalen Lederausstattung ausgeliefert.

Wer die wirkliche Limousine mit eingebautem Understatement sucht, liegt beim 604 goldrichtig. Ersatzteile sind ausreichend verfügbar, wenn auch nicht ganz billig. So veranschlagte Peugeot bereits vor zehn Jahren rund 600 Euro für einen grundierten Kotflügel ...

Funes ist ihn übrigens nie gefahren. Aber Delon. Und leider meistens zu Schrott. Zum Glück dreht er keine Filme mehr.

Autor: Knut Simon