Sa Majesté – Citroën SM

Sa Majesté – Citroën SM


Marktbeobachtung

Er war ähnlich lukrativ wie die "France" und die "Concorde" und passte damit phantastisch zur technikgläubigen Weltgesellschaft von 1970 im Allgemeinen und zur Grande Nation Frankreich im Besonderen: Der Citroën SM. Doch wie viele großartige und schöne Projekte wären nie realisiert worden, hätte man sie ausschließlich mit Vernunft betrieben.

Was für Mythen und Märchen ranken sich um ihn, den wohl flamboyantesten aller extrovertierten wahren Citroëns: Der Sechszylinder eigentlich ein verkrüppelter Achtzylinder (Quatsch), das Coupé ein echter Sportwagen (... mit Soße), die Modellbezeichnung unergründbar (ebenso). Räumen wir also mal ein wenig auf im SM-Rennstall.

Bereits seit den frühen 60er Jahren forschte man bei Citroën an hauseigenen V6- und V8-Maschinen, die jedoch nie zum Einsatz kamen. Einerseits wohl, weil man die daraus zweifelsohne weitreichenden Konsequenzen (völlige Neuausrichtung des Markenimages, Bestehen gegen etablierte Konkurrenz in diesem Segment, teure Modifikationen an den D-Modellen) fürchtete, anderseits wurden die Karten mit Citroëns Engagement bei Maserati auch neu gemischt. Giulio Alfieri bekam das Zepter der Entwicklung in seine begnadeten Konstrukteurshände überreicht und konzipierte das neue Triebwerk von Beginn an für das neue Tourencoupé.

Dessen Maße orientierten sich an den D-Modellen, was Alfieri bei den Ausmaßen des Motors berücksichtigte – wohl das einzige Mal, dass er die Existenz der Tatsache, dass um den Motor herum auch ein Auto gebaut werden sollte, anerkannte. Ansonsten war der resultierende, rauh laufende V6 mit seinen vier Nockenwellen eher das Diadem in der Krone von Mechaniker-Alpträumen. Musste zum Beispiel die anfällige Steuerkette mit ihrem unterdimensionerten und damit verschleißträchtigen Kettenspanner gewechselt werden, die neben den Nockenwellen noch Klimakompressor, Lichtmaschine und Hydraulikpumpe antrieb, war ein kompletter Motorausbau vonnöten. Und der Tausch der Frontscheibe, in der wohl nicht nur ein entnervt geworfener Monteurshebel gelandet sein dürfte ...

Der 220 km/h schnelle SM, der eher eine leistungsfähiges Luxuscoupé denn eine Spurtmaschine war, hinkte von Beginn seiner Marktvorstellung den an ihn gestellten Erwartungen hinterher. Nicht nur, dass der Maserati-Motor komplex und anfällig war, die traditionellen Citroën-Werkstätten waren mit dem mechanischen Herzen des "Fliegenden Sofas" SM komplett überfordert. So blieb das von Robert Opron signifikant gezeichnete Coupé der Serie Maserati (daher SM) ein Traumschiff in den Köpfen der Marketingstrategen. Als Peugeot schließlich Citroën übernahm, fiel das von seinen Liebhabern auch respekt- und ehrfurchtsvoll "Sa Majesté" ("Ihre Majestät") getaufte Coupé dem Rotstift zum Opfer. Das ging soweit, das die verbliebenen SM-Rohkarossen geshreddert wurden.

Wer einen SM besitzt, wird ihn gerade wegen seiner Einzigartigkeit nicht ohne Weiteres veräußern. Noch heute, fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen, ist der SM einfach unglaublich. Abgesehen vom nostalgisch-spacigen Interieur bot er mit seinen schwenkbaren Scheinwerfern, der Hydropneumatik, seinem Styling und dem dennoch prestigeträchtigen V6 eine einzigartige Kombination, die den innovativen und experimentierfreudigen Ruf Citroën's kurz vor der Götterdämmerung noch einmal manifestierte. 1975 lief der letzte SM vom Band. Da waren es nur noch knapp sieben Jahre bis zur Einführung des BX. Bonjour Tristesse.

Autor: Knut Simon

Das Angebot finden Sie hier.