Rot gesehen: VW T1 Feuerwehr-Kasten

Rot gesehen: VW T1 Feuerwehr-Kasten

Einen rostfreien und ungeschweißten VW Kastenwagen der ersten Serie T1 zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto; also fast unmöglich. Arne Seeger aus Dortmund hatte dieses Glück – weil Andere sehr großes Glück im Unglück hatten…

Die Geschichte seines persönlichen „feuerroten Spielmobils“ beginnt für Arne mit einem Flugzeugabsturz. Am Allerheiligentag 2004, am 1. November, stürzt nahe eines kleinen Sportflugplatzes bei Altena im Sauerland ein Sportflugzeug ab. Die beiden Insassen überleben das Unglück. Ein Freund von Arne dokumentiert die Story fürs Fernsehen und zeigt ihm die Bilder. „Und da traf es mich wie ein Schlag“, erinnert sich der Dortmunder. „Dort stand bei einigen Szenen dieser alte Feuerwehr-Bulli im Hintergrund. Er schien in gutem Zustand zu sein – und er hatte zwei Schiebetüren, eine an jeder Seite. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass es diese Option beim T1 überhaupt gegeben hatte. Da war mir klar: Den muss ich haben!“

Dieses Gefühl verstärkte sich noch, als Arne den Feuerwehr-Kasten noch am selben Tag erstmals leibhaftig sah – allerdings nur durch die Fenster der Halle, in der er abgestellt war, denn auf dem Gelände war am Abend niemand mehr. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Flugplatzes verlief freundlich, aber wenig hilfreich: „Die wollten den Bulli nicht verkaufen. Dabei ging es um den rein praktischen Nutzen, nicht um die Seltenheit des Fahrzeugs. Die war ihnen egal“, erzählt der eingefleischte VW-Fan. Und Sauerländer können stur sein, sagt man. Aber in Altena hatte man nicht mit der Hartnäckigkeit des Interessenten gerechnet. Fast zwei Jahre dauerte es, dann konnte Arne den 1965 gebauten Kastenwagen erwerben. Dabei wussten die Betreiber des Flugplatzes durchaus um den Wert des Oldtimers, so dass der Preis zwar in Ordnung ging, aber sich auf den ersten Blick nicht wie ein Schnäppchen darstellte. Dass er dennoch ein gutes Geschäft gemacht hatte, merkte Arne erst kurz darauf bei einer Bestandsaufnahme: „Zunächst mal war der Wagen absolut komplett und original, vom Blaulicht und den Starktonhörnern bis hin zur Tragkraftspritze. Dass die Blechsubstanz ordentlich war, hatte ich vor dem Kauf gecheckt. Allerdings erstaunte mich der Zustand am Ende dann doch, denn der Bulli hatte keine nachträglichen Schweißstellen. Was ich aber kaum glauben konnte, war, dass es auch keinerlei Rost gab, auch nicht in Ansätzen. Alle Schwachstellen waren gesund, und selbst in den Radkästen offenbarte der Dampfstrahler nur Wachs und roten Lack, nicht einmal eine Schicht Bitumen!“ Selbst die grobstollige Bereifung war noch die originale von 1965, wie sich herausstellte – lediglich die Spikes waren inzwischen entfernt worden.

Das lag nicht nur am niedrigen Tachostand von nur 12.800 Kilometern bei Übernahme, sondern auch an der Art der Behandlung, die ihm die Vorbesitzer angedeihen ließen. „In Dienst gestellt wurde mein Bulli bei der Feuerwehr Iserlohn. Dort diente er, wie ich inzwischen erfahren habe, für den Transport eines Riesenfasses mit Löschpulver – daher auch die Sonderausstattung mit den zwei Schiebetüren. Direkt bei Indienststellung ist er auch hohlraumkonserviert worden. Als die Iserlohner ihn 1982 ausmusterten, kam er zum Flugplatz Hegenscheid bei Altena, wo wir ihn entdeckt haben. Dort brauchte er keine Straßenzulassung mehr, wurde aber dennoch regelmäßig einmal im Jahr vom VW-Händler zum Service abgeholt. Das dürften die weitesten Wege gewesen sein, die er in dieser Zeit zurück gelegt hat.“

Die Bereifung tauschte Arne natürlich aus, außerdem rüstete er eine Warnblinkanlage nach. Für die abgewetzte, rechte Sitzbank fand sich bei einem VW-Treffen ein neuwertiger Ersatz im identischen Design. Ansonsten beschränkte sich der gelernte Maurer auf eine gründliche technische Durchsicht, investierte ein Wochenende Zeit und viel Muskelschmalz in die optische Auffrischung mittels Politur – und brachte den roten Kasten im ersten Anlauf durch die Vollabnahme. Auch das H-Kennzeichen war kein Problem. Es hätte den neuen Eigentümer auch erstaunt, denn, so Arne „originaler geht nun wirklich nicht!“ Das sahen auf dem Treffen anlässlich des Jubiläums „60 Jahre VW-Bus“ auch die Fachleute in Hannover so, beehrten ihn mit einem Preis und einem Platz in dem entsprechenden Jubiläumsbuch. Und der Zustand soll so bleiben, selbst der etwas lethargische Motor mit einer Leistung von 42 niedersächsischen Kaltblütern bleibt unangetastet. Was bei Arne nicht die Regel ist, nennt er doch mehrere heiß gemachte Käfer sein Eigen…

Diese Heldengeschichte über den Volkswagen Bus T1 entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Der_Arne.

Autor: Michael Grote

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