Rosengart LR 539 Supertraction Cabriolet

Rosengart LR 539 Supertraction Cabriolet


Marktbeobachtung

Marlene Dietrich, Lil Dagover, Greta Garbo, Ava Gardner: Sie alle hätte man in herzerweichende Schluchz-Pose versetzen können im Augenblick der Wahrheit. Nämlich in dem Moment, in dem man(n), mit lässig in die Stirn gezogener Hutkrempe und filterloser Zigarette im Mundwinkel, ihnen mitteilte, dass der nächste Firmenwagen doch wieder ein grobschlächtiger Mercedes oder ein klotziger Cadillac würde – und eben doch kein elegantes Rosengart LR 539 Supertraction Cabriolet. Mesdames, trösten Sie sich: Die meisten von uns haben heute, knapp 70 Jahre danach, auch noch keinen. Quel dommage.

Er war einer der Letzten, der seine Autos unter eigenem Namen baute und der Erste, der einen frontangetriebenen Wagen in Frankreich anbot. Lucien Rosengart, der "König der Kleinwagen", wie ihn seinerzeit viele voller Respekt nannten, war jedoch vor allem ein erfahrener Geschäftsmann. Nachdem er nacheinander Citroën und Peugeot in den 1920er Jahren vor dem Kunkurs gerettet hatte, ließ er kurzerhand sein Branchenwissen in eine eigene Firma münden, die das baute, was die französischen Massenhersteller noch nicht anboten: erschwingliche Kleinwagen.

So kam es, dass Rosengart erst Austin-Modelle in Lizenz baute, die sich prächtig verkauften. Preis und Qualität stimmten. Doch Rosengart wollte mehr. Anfang der 1930er Jahre schließlich gelang es ihm, mit den deutschen Adler-Werken zu kooperieren. Rosengart baute ab 1934 den Adler Trumpf Junior in Lizenz – und düpiert damit Citroën, die ihren eigenen 11 CV Traction Avant erst kurze Zeit später lancierten. Somit gebührt Lucien Rosengart die Ehre, den ersten frontgetriebenen Wagen Frankreichs gebaut zu haben – wenn auch nur in Lizenz aus Deutschland ...

Rosengart's "Supertraction" getauften Modelle hoben sich bald ab vom automobilen Einerlei. So erhielt der Supertraction eine immer elegantere Karosse, die im Jahr 1939 Zweifarblackierung und in die Karosserie einbezogene Scheinwerfer aufwies. Unter der langen Haube residierte mittlerweile die 54-PS-Maschine des einst unterlegenen 11 CV, deren zwei Liter Hubraum das 4,97 Meter lange Cabriolet in 21 Sekunden auf 100 KM/H beschleunigte – kein übler Wert damals.

Übel hingegen erging es Rosengart und seinem Unternehmen nur kurze Zeit, nachdem der heute im Netz gefangene LR 539 entstanden war: Während des Einmarsches der Deutschen Wehrmacht in Frankreich wurden die Rosengart-Werke komplett zerstört, der Firmengründer selbst emigrierte in die USA, von wo er nach dem Krieg heimkehrte. Doch während des Versuchs, erneut mit dem bewährten Kleinwagen-Patentrezept wirtschaftlichen Boden unter die Füße zu bekommen, wurde sein Unternehmen wiederum überrollt – dieses Mal von der Konkurrenz der heimischen Massenhersteller, allen voran Panhard, Citroën und Peugeot.

Wie so viele Heroen der automobilen Nachkriegszeit versuchte auch Rosengart den Befreiungsschlag durch ein größeres und wieder luxuriöses Automobil, in seinem Fall der Rosengart TraHuit, angetrieben von einem kräftigen Mercury-V8. Doch der TraHuit kam, ebenso wie ein ambitioniertes Kleinwagenkonzept namens Sagaie, nicht mehr über das Prototypenstadium heraus. 1955 schlossen sich die Tore des Unternehmens Rosengart für immer, mittlerweile fahren wieder Autos über diesen traditionsreichen Grund und Boden: Das ehemalige Rosengart-Werksgelände ist heute Teil des Pariser Stadtrings. Lucien Rosengart starb 1976 in Frankreich.

Kenner schätzen, dass weltweit noch etwa 20 Exemplare des Rosengart LR 539 Supertraction Cabriolet existieren. Eines davon wird für Gebote ab 65.000 Euro auf dem Markt offeriert. Das ist einerseits ein niedriger Kurs für solch ein elegantes und seltenes Fahrzeug, andererseits liegt es in der Natur von automobilen Geheimtips, dass deren potenzielle Kundschaft überschaubar bleibt. Damals wie heute gilt: Wer das Feine und Besondere schätzt, dabei jedoch nicht auf erprobte und zuverlässige Großserientechnik verzichten möchte, der ist mit dem wunderschön leicht gezeichneten Rosengart Supertraction Cabriolet bestens bedient. Ein Auto für Kenner. Bonne Route!

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