Restaurationsbericht: Adenauer Mercedes W189 (1957 - 1963) Teil 1

Restaurationsbericht: Adenauer Mercedes W189 (1957 - 1963) Teil 1

Erworben habe ich den Wagen als Scheunenfund. Und glaubt mir, der Name Scheunenfund war Programm!! Die technische Seite bedurfte liebevoller Hände, auch der Lack lechzte nach Pflege…

... aber was viel wichtiger als alle Technik war. Er war vollständig!!! Sämtliche Chromteile waren vorhanden. Das hört sich nicht weiter erwähnenswert an, ist aber ein Hauptaugenmerk bei vielen Restaurationen. Wenn man sich nur einmal den für einen originalen Wischer in Chrom auf der Zunge zergehen lässt, (mancher lebt davon einen vollen Monat in Saus und Braus) weiß man wie wichtig das vorhandene Sein aller Chromteile ist.

Nach mehrjähriger hingebungsvoller Klein- und Grobarbeit, diversen Wutausbrüchen und Bestellungen großer Mengen von Spreng- und Brandmitteln (welche Gott sei Dank nicht zum Einsatz kamen; es war aber manchmal extrem knapp davor) erstrahlte das gute Stück in altem (neuem) Glanz.

Wir wollen hier gar nicht erwähnen wie häufig der Bankberater sich sorgenvoll an mich gewand hat. Ich vermute er befindet sich noch immer in ärztlicher Behandlung oder lässt sich hartnäckig verleugnen wenn ich anrufe. Er fürchtet sicher, die Bank kann doch noch in den Ruin gestürzt werden…. Nonnenmacher war nicht alleine Schuld…(grins) Dabei wollte ich doch nur kund tun, es ist vollbracht!!! „Es“ wurde wieder zu „dem Adenauer“.

Seit der Wiederbelebung durfte ich als Dankeschön auch sehr schöne Fahrten und Geschichten rund um den Oldtimer erleben. Ich möchte hier natürlich niemanden damit langweilen, deswegen beschränke ich mich auf die außergewöhnlichsten 375 davon. Ich hoffe ihr habt noch ein wenig Zeit.
Wer oder was war zu erst da? Der Käufer oder der Oldie…

Das ich des Öfteren einmal versuche Ideen zu entwickeln, welche mich vor meinen Mitbürgern erfolgreich da stehen lassen, ließ in mir den Gedanken reifen einen geilen, eleganten, Fett dastehenden, erotischen und für Ladys erregenden Oldie zu erstehen. (boooaaah wat für´n Satz)

Ich muß gestehen, vieles in meinem Leben ist durch, mit und für das schöne
Geschlecht (diese anmutenden, unergründlichen und nebulösen Wesen) motiviert.

Als in mir der Gedanke heranreifte, natürliche durch eines dieser Wesen initiiert, meinen Mitbürgern einen edlen Dienst zur Verfügung zu stellen, war der „Adenauer“ wie von Geisterhand in meine Träume geschlichen. Was lag also näher, als das immer allgegenwärtigere Internet zu befragen. (für die  Unwissenden unter uns, so eine Art modernes Orakel) Und siehe da….. die Kleinstadt Bonn hatte Erbarmen mit mir. War jemand von euch schon einmal dort? Es gibt wirklich nur wenige Städte, die sooo…. Ich hatte eine gute Kinderstube, deswegen verschlucke ich mich jetzt mal eben.

Aber nichts desto Trotz, es muß (außer dem alten Konrad, seines Zeichens Kanzler) noch ein Wesen mit Geschmack für Formen gegeben haben.

Selbiger Erdenbürger wollte sich trotz seines sehr edlen Geschmackes, von dem Adenauer trennen. Nach monatelanger Recherche stieß ich dann auf die zukünftige Realisierung meines Genius, oder wie das merkwürdige Denken sonst so benannt wird.

Ich erwarb in Bonn (immer noch diese merkwürdige Stadt, jaja ich halte mich schon zurück) einen Schwarz/ silbernen 3ood /w189. Mal unter uns, Sex wird eindeutig und auch auf den zweiten Blick völlig überbewertet, denn wenn man solch ein Automobile (schon der Begriff A U T O M O B I L strahlt pure Erotik aus) erwirbt, kann höchstens noch Mutti (bei den Ladys mit Sinn für das Anmutige natürlich Daddy) als Inbegriff der Überfrau, mit solche einem Erlebnis / Mobil mithalten. (boah, nicht wundern, ich musste den Satz auch noch 2x lesen)

Und nüüüüh folgen ein paar Eckdaten zu dem Restaurationsobjekt. (wie er/es war)

Baujahr 1960, ursprünglicher Besitzer auf Grund eines Sperrvermerkes nicht zu ermitteln. 1979 erwarb ein Bonner Bauunternehmer das Schmuckstück. Selbiger fuhr das edle Gefährt nur ganze vier Jahre (müsste nachträglich dafür bestraft werden, Frevler!!!). Danach mottete er (ich finde ihn noch und würge ihn) den Wagen für 15 Jahre in einer Scheune ein. Diese besagte Scheune ging mit dem Unterstellen auch nicht so ganz konform und überlegte sich: Ich stürze einfach mal ein…. AAAAAHHHH

Dieser Besitzer verstarb (war wohl der letzte Funke Ehrgefühl) dann und hinterließ den Wagen einer Erbengemeinschaft. Deren Uneinigkeit war mein Glück. Sie verkauften den Wagen 1996 an einen Bonner MG Liebhaber. Weil selbiger der irrigen Meinung war, er könnte von MG´s auf Mercedes wechseln, musste der Adenauer einige recht unfachmännische Reparaturen über sich ergehen lassen. Schuster bleib bei deinen MG´s…

Nach zähen Verhandlungen mit einem Möchtegern Oldiefan (MG´s kommen von der Insel!!!) erwarb ich den Adenauer im Jahre 2000. Seither teilen wir Hof und Bett, oder war das doch die Garage? Egal….

Im Jahre 2000 begann dann die Buddhistische Wiedererweckung der automobilen Schönheit durch meinen noch üppigen Tatendrang.


Eine Ausfahrt in den Bergen

Das Automobil wurde in seine Elementarteile zerlegt und jede Schraube erhielt einen Vornamen…

Im nächsten Schritt wurden alle Metallteile (Kotflügel, Türen und Karosserie) Glasperlgestrahlt und geschweißt sowie in perfekten Zustand versetzt. Im weiteren Verlauf  folgten dann (siehe oben: der kauf erlesener Handgranaten) Motor komplett Revision, Überarbeitung aller Holzelemente und der Innenausstattung. Hier waren dann reichlich Momente von Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Wut (mentale Raserei) und einfach nur Resignation… Jeder, der sich an einer Restauration versucht hat, kennt das!!!

Mit den Kleinigkeiten, welche zwischendurch noch anfielen, möchte ich hier niemanden langweilen. Es waren aber reichlich…

Die ersten Ausfahrten entschädigten dann für alle schlaflosen Nächte, den Verlust von 3 bis 812 Ex-Freundinnen sowie derer in spe und den Kontakt zu meinem Bankberater. Ich bin Derzeit zwar wieder Single, aber der „Oldie“ hält mir weiterhin die Treue. Wahre Liebe gibt es eben doch nur zwischen echten Kerlen oder aber mit „Schätzchen“ wie dem Adenauer. Alleine die Konturen der Kotflügel und der Haube, die geschmeidige Oberfläche der Velours-Federkernpolster, der Glanz des Holzes sowie die schwungvollen Chromelemente (welche weibliche Rundung kann da mithalten, außer natürlich die von Mutti…wessen auch immer).

Adenauer Mercedes: "Der Besondere" Teil 2