Renault R 7 – Der R 5 mit Rucksack

Renault R 7 – Der R 5 mit Rucksack

Ein richtiges Auto braucht einen richtigen Kofferraum, denkt man in Südeuropa. So lief der R 5 in Spanien als R 7 mit Stufenheck vom Band. Sabine Krause-Holtermann hat sich einen der Rucksack-Renaults nach Deutschland geholt

Sabine Krause-Holtermann (Celta37) wusste schon immer, was sie wollte – und zumeist auch, wie sie es bekommen konnte. Von ihrem Ehemann mit dem Renault-Fan-Virus infiziert, haben es ihr die Exoten der Marke angetan. Ein Renault 6 war das erste Auto ihrer kleinen Sammlung, vor Jahren auf eigener Achse aus dem Elsass geholt. Es folgte ein Renault 5 Cabrio – und irgendwann sollte es dann ein Renault 7 sein. Äh – ein was bitte?
Der Renault 7 ist für den R 5 das, was der VW Santana für den Passat ist: die viertürige Stufenheckvariante eben. Aber während ein Santana hierzulande den meisten Durchschnittsautomobilisten ein Begriff ist, kennen den R 7 allenfalls ein paar Spanienurlauber, die ihn mal ein paar Tage als Mietwagen gefahren haben. Denn in der Tat ist dieses Modell, obwohl Anfang der 70er Jahre parallel zum Renault 5 entwickelt, in Europa nur bei der spanischen Renault-Tochter FASA vom Band gelaufen. Denn in Südeuropa und speziell in Spanien war die Nachfrage nach Stufenheckmodellen besonders groß: Für einen Iberer gehörte an ein Auto eben ein „richtiger“ Kofferraum. So wurde in Spanien ab 1974 der Renault Siete (R 7) gebaut – neun Jahre lang, ohne direkten Nachfolger. Aus dem Spanienurlaub kannte auch Sabine Krause-Holtermann den seltenen Renault. Ein solches Fahrzeug zu besitzen, wurde bei ihr zur Obsession. Doch in Deutschland hat es den Kompakten mit Stufe nie gegeben. Also blieb nur ein Import aus dem Ursprungsland. Schließlich fand sie – dem Internet sei Dank – ein interessantes Exemplar in der Nähe von Barcelona, weiß lackiert und aus dem ersten Produktionsjahr. Die Verständigung mit dem Verkäufer klappte auf Anhieb erstaunlich gut: Der Mann war Reiseleiter für Extremtouren und kam ursprünglich aus dem Heidelberger Raum. „Das war ein ganz Cooler“, erinnert sich die Frau aus Gelsenkirchen lachend. „Als ich ihm erklärte, dass Fotos nun einmal nur eine begrenzte Aussagekraft haben, und ich schlecht nur für eine Fahrzeugbesichtigung nach Spanien reisen könne, meinte er, dass sei kein Problem!“ Stattdessen machte ihr der Mann einen unwiderstehlichen Vorschlag: „Er bot mir an, den Wagen per Transport nach Deutschland zu schicken. Sollte mir das Auto nicht gefallen, könnte ich es problemlos zurück verfrachten lassen.“ Diese Gelegenheit wollte sich der Renault-Fan aus dem Ruhrgebiet nicht entgehen lassen, obwohl: „So richtig dran geglaubt habe ich erst, als ein paar Tage drauf, morgens um sechs Uhr, der Autotransporter vor der Türe stand.“ Entgegen aller Befürchtungen hatte der Landsmann auf der iberischen Halbinsel sein Fahrzeug nicht durch die rosarote Brille betrachtet, als er ihn beschrieb. Der weiße Renault Siete, wie er in Spanien ursprünglich hieß, war rostfrei, mit frischem spanischem TÜV versehen und – bis auf eine Macke in der hinteren rechten Tür – makellos. Sabine Krause-Holtermann überwies umgehend den geforderten Kaufpreis nach Spanien. „Dieses Auto hatte ich mir seit Jahren gewünscht“, gesteht die 42 jährige, die dem Bundesverband der Renault- und Alpine-Clubs vorsitzt. Aufpolieren, die in Deutschland vorschriftsmäßige Warnblinkanlage nachrüsten, und schon konnte sie ihre Neuerwerbung dem deutschen TÜV vorführen, um das in Deutschland einmalige Exemplar des Renault 7 anschließend auf ihre 07er Nummer eintragen zu lassen. Seitdem ist sie mit dem 1110er, der 50 PS leistet und gut 130 km/h Spitze läuft, mehr als 2.000 problemlose Kilometer gefahren, fast ausschließlich zu Markentreffen. Dort ist dem kleinen Viertürer stets die Aufmerksamkeit sicher: „Selbst Händler staunen, wenn sie ihn sehen“, weiß Sabine Krause-Holtermann zu berichten. „Von vorn fallen in erster Linie die Chromstoßstangen auf, denn der Renault 5 hatte von Anfang an Kunststoff-Prallschilde. Doch spätestens, wenn sie ihn zum ersten Mal von der Seite sehen, fallen den so genannten Fachleuten in schöner Regelmäßigkeit die Kinnladen runter!“ Trennen wird sich die Gelsenkirchenerin, die sich ihren Lebensunterhalt mit einem eigenen Büroservice verdient, von dem seltenen Stück nicht freiwillig: „Auf der Heckscheibe gibt es einen Aufkleber: ‚Ich träume nicht mein Leben, ich lebe meinen Traum.’ Genau so ist es – ich habe mir mit dem Kauf dieses Renault Siete einen Traum erfüllt. Und Träume sind nun mal nicht verkäuflich!“ Da kann man nur allzeit unfallfreie Fahrt wünschen, denn vor allem ein Heckschaden wäre gewiss fatal…

Diese Heldengeschichte über den Renault R 7 entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Celta37.