Pintosaurus Rex – Ford Mercury Grand Monarch

Pintosaurus Rex – Ford Mercury Grand Monarch


Marktbeobachtung

Wenn schon einen Caddy, dann auch einen richtigen – auch, wenn Ford drauf steht. Oder Mercury. Oder Grand Monarch. Oder alles zusammen, was nicht zusammen gehört. Findet jedenfalls Carsablanca-Gebrauchtwagenschänder Knut Simon.

Soeben stieß ich auf den riesigsten Einkaufswagen der Welt: Wenn Sie jetzt meinen, das sei aber ein umfangreicher Link, so darf ich Ihnen versichern: Dieser Link ist lang, aber bei weitem nicht so lang wie der hierzu gehörende Ford Mercury Grand Monarch Stretch Kombi XXL. Ein Auto, das dabei wahrscheinlich auch nur deshalb fast so breit wie lang ist, damit der eben zitierte Schriftzug auf die Schottwand des hinteren Laderaums passt. Wer denkt bei diesem strahlend weißen Sneaker noch an den sogenannten „Volks-Caddy“, diesen vergleichsweise automobilen Lauf-Lern-Schuh für Familien-Anfänger? Wenn schon Caddy, dann doch bitte ein richtiger! Auch, wenn „Ford“ drauf steht. Oder Mercury. Oder Grand Monarch. Oder Stretch Limo XXL. Oder aber, wie gesagt, all dies.

Stretch Limos waren schon immer total abgründig. Meist in Windeseile mit Trennjäger, Poppnietzange und Feinspachtel hingerichtete Monstren, die auch geschmacksmäßig arg an halbroh-angebranntes Mammutfleisch erinnern und Fahrwerksqualitäten wie ein Pintosaurus Rex in einem vorzeitlichen Vulkankrater aufweisen. Immerhin: Dafür, dass sie frühzeitig aussterben, sorgt ihre – ähem – Qualität.

Alle oben genannten Modell-Bezeichnungen übereinander gestapelt und übergossen mit einer zähen Mélange aus flüssigem blauen Vinyl, Kunstleder, Plastikholz und feiner koreanischer Unterhaltungselektronik ergeben diesen automobilen Monster-Burger, dessen Süßbrötchenhälften in der Mitte noch auseinander gezogen wurden. Es ist wie bei einem richtigen Burger: Fasziniert starrt man auf die absonderlich komponierten Zutaten, die da als lukullischer Sondermüll serviert werden, und muss trotzdem davon kosten. Danach ist einem speiübel. Und man schwört sich: „Nie wieder!“ Beim hier präsentierten FordMercuryGrandMonarchStationWagonXXL ist das gottseidank anders. Hier wird einem sofort schlecht. Und man kann sich vielleicht noch mit letzter Kraft über den sorgsam geharkten Kies des Premiumhändlers nach draußen schleppen.

Dabei, und dass muss man dieser längsten Schweißnaht der Welt lassen, nimmt sie wie kein anderes Automobil die Tradition der wahren US-Station Wagon von einst wieder auf. Die nämlich standen im noch untermotorisierten Amerika an der Bahnstation parat, um Gäste und ihr Gepäck in die zuvor gebuchten Hotels zu befördern. In ihrem schneeweißen Kleid würde sich unsere XXL-Création doch bestens an den Bahnhöfen nobler Destinationen wie St.Moritz oder Davos machen.

Uups. 

Güterbahnhöfen. Pardon.

Autor: Knut Simon