Notstand in England: Pedalantrieb statt Motor!

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Schlau werden mit Carsablanca

Ein Tretauto mit Fahrgestellnummer und eigenem Club – Die Geschichte des Austin J 40 Pedal Car

1949 hatte der Chef der britischen Austin Motor Company Limited eine soziale Idee. Er veranlasste den staatlich subventionierten Bau einer Fabrik in Bargoed, South Wales. Das besondere: dort sollten fast ausschließlich an Staublunge erkrankte Bergleute und Kriegsinvaliden arbeiten. In dieser Fabrik, die auf Non-Profit Basis arbeitete wurden von den Invaliden ab 1949 ausschließlich Tretautos für Kinder hergestellt. Der Austin J40 war eine Miniaturausgabe des Austin A40, aus Metall gefertigt, 43 kg schwer.

Chrompolieren von Kindesbeinen an

Ein Kinderauto mit funktionierenden Scheinwerfern und elektrischer Hupe. Die kam vom gefürchteten Elektrik-Zulieferer Lucas (auf der Insel auch als "The Prince Of Darkness" bekannt) . Die Räder mit luftgefüllten Dunlop Reifen konnten abgeschraubt werden, es gab verchromte Radkappen und Stoßstangen, ein richtiges Armaturenbrett, eine Handbremse und einen zu öffnenden Kofferraum. Das beste: unter der Motorhaube befand sich eine Motorattrappe mit  abschraubbarem Ventildeckel und vier echten Zündkerzen samt Zündkabeln. Beworben wurde das Autochen mit einem eigenen Verkaufsprospekt: "What a thrill for "Junior" to drive a car just like father's, to polish it even better than he does, to take the wheels off or pump up the tyres, to lift up the bonnet and examine the engines, and best of all to show it off to admiring friends and relatives."

Der Preis dieses Kindertraums war hoch: 33 Pfund, das entsprach damals gut 3 Wochenlöhnen eines Arbeiters. Dennoch wurden zwischen 1949 und 1971 exakt 32.098 Austin J 40 gefertigt, jeder einzelne trägt im Kofferraum eine fortlaufende Fahrgestellnummer.  Ein komplettes Buch über seine Geschichte ist auch schon erschienen. In England gibt es einen eigenen Club für dieses kleine große Auto- mit jährlichem Fahrzeugtreffen und eine Ersatzteilnachfertigung ist auch schon längst angelaufen. 

Autor: Alexander Köhnlechner