Mercedes-Benz 770 "Grosser Mercedes"

Mercedes-Benz 770 "Grosser Mercedes"

Ende der 20er Jahre erscheint ein neuer Stern am Himmel der Königsklasse. Der Mercedes-Benz 770 offiziell auch "Grosser Mercedes" genannt. 

Mit erscheinen des "Grossen Mercedes" ist gegen Ende der 1920er-Jahre für Mercedes-Benz die Zeit reif geworden einen neuen Markstein im Segment der Spitzenautomobile zu setzen. Der Typ 630 ist nicht mehr zeitgemäß, und Daimler-Benz droht angesichts des Ende 1929 vom Konkurrenten Maybach herausgebrachten Typ Maybach 12 mit V12-Motor (7 Liter Hubraum, 150 PS/110 kW) und des ein Jahr später auf dem Pariser Salon präsentierten Typ Zeppelin (8 Liter Hubraum, 200 PS/147 kW) den Anschluss in der Klasse der Spitzenautomobile zu verlieren. Allerdings geht Daimler-Benz angesichts des Rufs der Marke und der jüngeren Erfahrungen im eigenen Haus vorsichtig mit technischen Neuerungen um.

Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt Mercedes-Benz auch beim 770'er auf "altbewährte" 8-Zylinder-Technik. Der intern W 07 genannte "Große Mercedes" ist aus technischer Sicht also kein großer Sprung. Trotzdem kann die Limousine besonders durch die hervorragenden Fahreigenschaften überzeugen. So schreibt "Motor und Sport" Im Gegensatz zu bekannt gewordenen Ausführungen der Konkurrenz ist das Verhalten des Grossen Mercedes bei allen Geschwindigkeiten unantastbar.

"Grosser Mercedes"

Bemerkenswert während der Produktionszeit dieses „Großen Mercedes“ ist der Karosserie-Stilwandel, der sich innerhalb der fast achtjährigen Produktionszeit vollzieht. Sind es am Anfang noch sehr kantige Aufbauten mit senkrecht stehenden Windschutzscheiben und Hecks ohne Kofferräume, so entwickeln sich mit der Zeit rundere Formen, schräger stehende Windschutzscheiben und zunächst angesetzte Kofferräume, bis diese zuletzt in die Gesamtform integriert sind. Das Karosserieangebot besteht laut Katalog des Jahres 1931 aus Pullman-Limousine, Cabriolet D, Cabriolet F und Offener Tourenwagen. Interessant ist auch, dass die Höchstgeschwindigkeit bei den letzten Modellen von 150 km/h auf 160 km/h angehoben wird, und das ohne Erhöhung der Motorleistung – ein bescheidener Erfolg runderer Karosserien.

Je nach Karosserieaufbau kostete der Grosse Mercedes zwischen 41.000 und 47.000 Reichsmark.  Die Preisangaben sind Katalogangaben und waren damals gewissermaßen als Orientierungswerte zu verstehen, denn kaum ein gefertigtes Fahrzeug gleichte dem anderen. Und auch Cabriolet-F-Karosserien mit Kofferraum oder das im Katalog nicht verzeichnete Cabriolet C wurden geliefert.

Noch eine Bemerkung: Einen Typ 770 K, wie er in der Literatur immer wieder mal auftaucht, hat es nie gegeben. Die Typenbezeichnung lautet immer: Mercedes-Benz Typ 770 „Großer Mercedes“. Dies gilt auch für den Nachfolger, die 1938 präsentierte Baureihe W 150.

Fotos/Quelle: Daimler AG