Mercedes-Benz 280 SE W126

Mercedes-Benz 280 SE W126


Marktbeobachtung

Viele Köche verderben den Brei, den sie uns im TV täglich vorsetzen. Das war vor 28 Jahren noch anders. Es gab nur drei Programme und nur einen Fernsehkoch. Letzterer heißt Max Inzinger, der nicht nur in der Küche, sondern auch auf der Straße eine ganz klare Linie fuhr. Letzteres in Gestalt seines Mercedes-Benz 280 SE W 126. Ein Automobil wie sein Besitzer, welches gehobene Ansprüche mit Bodenständigkeit kombiniert. Und mit einem Stern garniert ist. Wie es sich für einen Koch geziemt.

Wenn es jemanden gibt, der das gutbürgerliche Kochen vor laufender Kamera begründete, dann Max Inzinger. Vor über 30 Jahren startete er seine Auftritte in der Nachmittagssendung des ZDF, der "drehscheibe". Selbst die Oberfläche eines Schokoladenpuddings wies mehr Spannung auf als das Mainzer TV-Format zum Mitschlafen – was nicht an dem stets bayrisch-gewitzt daherparlierenden Inzinger lag. Denn während Daimler's S-Klasse längst in aller Munde war, sollte die TV-Brutzelei noch ein wenig schmoren: Erst 20 Jahre nach Inzinger begann das deutsche Fernsehen, Köche mit Starruhm zu verrühren. Mit teils fragwürdigem Nachgeschmack.

Eine deutlich längere Mindeshaltbarkeitsdauer als der ein oder andere Stern am Kerner-Firmament besitzt die S-Klasse W126. Noch heute fährt man mit ihr standesgemäß vor, nie schien sie wirklich zum bestenfalls geduldeten Gebrauchtwagen vor dem Opernhaus verkommen zu sein. Der W126 ist der am konstantesten strahlende Stern der S-Galaxie. 

Nun hat man Max Inzinger nie einen Stern für seine Kochkünste verliehen. Dieses Manko, so er es denn überhaupt als eines empfindet, umfuhr er formvollendet mit dem Kauf seines Mercedes 280 SE. Über viele Jahre, das zeigt der Fraftfahrzeugbrief, leistete er Inzinger treue Dienste, bevor er innerhalb der Familie umgeschrieben wurde. Seitdem ist nur ein weiterer Halter im Fahrzeugbrief eingetragen worden, der jetzige Besitzer. Und dieser möchte ihn nunmehr wieder veräußern.

Mehrere Belege dokumentieren die stete Pflege des einstigen Inzinger-Daimlers, allerdings existiert das Scheckheft nicht mehr. Alles in allem steht der 280er gut da. Laut des jetzigen Halters besitzt die S-Klasse lediglich eine leichte Beschädigung an der Frontschürze durch unsachgemäßes Auffahren auf einen Bordstein. Der Schaden liege jedoch fast im nicht sichtbaren Bereich. Die klassisch-graue Innenaussttatung ist bis auf ein kleines Loch im Bezug des Fahrersitzes intakt und gepflegt, die Reifen wurden erneuert und auf die zeitgenössischen Fuchsfelgen aufgezogen. Automatikgetriebe ist in Kombination mit dem schnurrenden Reihensechser obligatorisch, das ausladende Webasto-Schiebedach einladend.

Authentisch ist auch der Antrieb der Karosse: Motor vorn, Antrieb hinten, dazwischen 2800 Kubikzentimeter Hubraum ohne Kat. Das macht über 700 Euro Kraftfahrzeugsteuern im Jahr, allerdings nur noch 24 Monate lang. Dann ist der Mercedes 30 Jahre alt und wird angesichts seines Zustands mühelos ein H-Kennzeichen erhalten. Versichert ist der 280 SE bereits über einen günstigen Youngtimer-Tarif, der bei rund 170 Euro im Jahr liegt.

Vor diesem Zeithorizont erscheint eine Kat-Nachrüstung finanziell nicht lohnend. Unser Rezept zum Glücklichsein sieht so aus:

1 Sahnestück Mercedes 280 SE, 2 Jahre saure Steuer-Äpfel, 6 Zylinder. Zubereitung: Den 280 SE bei mittlerer Temperatur 24 Monate immer wieder wenden. Ab und zu mit 14-16 Liter Saft begießen. Danach am Stück genießen. Guten Appetit.