Mehari auf deutsch: Fiberfab Sherpa

Mehari auf deutsch: Fiberfab Sherpa

Weil der Citroen Mehari in Deutschland nicht zugelassen werden durfte, produzierte Fiberfab in Heilbronn ein ganz ähnliches Tretboot auf Rädern. Oliver Zeller besitzt einen der seltenen Sherpas.

Der Sherpa war seinerzeit die deutsche Antwort auf den Méhari, jene viersitzige Plastikwanne, die Citroen in den 70er Jahren auf der Plattform der „Ente“ anbot. Weil diesem skurrilen Vehikel jedoch der Segen der deutschen Zulassung verweigert worden war, konstruierte man in Süddeutschland eines, das noch skurriler daherkam: den Fiberfab Sherpa.
Als „Sherpa“ kennt Wikipedia das bekannte Volk im südlichen Teil von Tibet sowie dessen gleichnamige Sprache. Außerdem steht der Begriff politisch für den Chefunterhändler einer Regierung. Allerdings wurde die Bezeichnung auch für ein offenes Fahrzeug verwendet, das in der zweiten Hälfte der 70er Jahre auf Basis der „Ente“ in Deutschland gebaut und vertrieben wurde.
Oliver Zeller nennt eines der seltenen Exemplare, die seinerzeit im Raum Heilbronn produziert worden waren, sein eigen. Eigentlich suchte er im Frühjahr 2008 nach einem Citroen Mehari, den man – Europa sei Dank – inzwischen auch hier zulassen darf. „Statt dessen bin ich in einem Internet-Inserat auf diese deutsche Version gestoßen“, erinnert sich Oliver Zeller. „Im Nachhinein bin ich froh darüber, denn inzwischen weiß ich, wie selten der Sherpa ist. Es sind nur noch wenige Exemplare erhalten.“ Den orangefarbenen Zweisitzer kaufte der Mann aus dem südbayerischen Obing sozusagen unbesehen. Die Lieferung übernahm ein Service, der seine Dienste ebenfalls im Internet anbot. Aber Oliver Zeller hatte Glück: Der 1978 gebaute Wagen entsprach der Beschreibung und der Dienstleister lieferte ihn zum vorher vereinbarten Preis unbeschadet an Ort Stelle ab. „Wie vorab beschrieben, war der Sherpa technisch und optisch in vernünftigem Zustand“, berichtet Oliver Zeller. „Aber das reichte mir nicht, und so begann ich, ihn aufzuarbeiten.“
Die Karosserie aus GFK erwies sich dabei als recht problemlos. „Sie ist nicht lackiert, sondern eingefärbt. Nachdem es keine größeren Risse oder andere gravierende Schäden gab, reichte es, den Karosseriekörper mit einer Spezialpaste und Politur zu bearbeiten.“ Die Felgen und alle offen liegenden Metallteile ließ der neue Eigentümer glasperlstrahlen und pulverbeschichten. Bei der erneuten „Hochzeit“ von Karosserie und Fahrgestell kamen überall neue Schrauben aus rostfreiem Edelstahl zum Einsatz. Im Innenraum gab es – schon auf Grund der minimalistischen Ausstattung – nicht viel zu erneuern. So begnügte sich Oliver Zeller damit, die Sitze auszutauschen: „Die montierten Schalensitze von König waren optisch ok, aber für mich viel zu unbequem. So bekam mein Sherpa eine originale Sitzbank aus einer Uralt-Ente, die allerdings neu bezogen wurde.“
Auch der Motor machte auf Oliver Zeller keinen schlechten Eindruck. Nach dem Motto: sicher ist sicher“ überholte er den Zweizylinder-Boxer mit 600 Kubikzentimetern Hubraum dennoch. Nun schnattert der Enten-Motor wieder fröhlich und produziert seine werksseitig angegebene Leistung von 29 PS recht mühelos. Die Arbeiten erledigte der 41jährige Vater dreier Söhne im Laufe des Winters, denn als Handwerker im Baugewerbe hatte er die dafür notwendige Zeit. Im Frühjahr 2009 stand der Sherpa dann so da, wie Oliver Zeller ihn haben wollte. „Zum Glück unterstützt meine Familie mein Faible“, freut sich der Sherpa-Fan, der inzwischen ein weiteres dieser seltenen Fahrzeuge besitzt und eingelagert hat. „Auch meine Freunde akzeptieren den Sherpa, auch wenn sie manchmal lächeln über die primitive Lösung mancher Details wie die Türscharniere, die aus dem Sortiment eines Baumarktes stammen könnten. Aber mitfahren will jeder von ihnen mal!“

Die Gelegenheit bietet Oliver Zeller seinem Freundeskreis in der Saison des Öfteren, denn er fährt gern zu Oldtimer- und zu Ententreffen.
Touren mit dem Sherpa sind für den Mann, der sonst schwerer Fahrzeuge bewegt, ein erholsames Kontrastprogramm: „Meine Reisegeschwindigkeit liegt mit dem Sherpa auf der Landstraße bei maximal 90 Stundenkilometern. In einem anderen Auto würde ich am Steuer dabei vermutlich einschlafen, aber in dem offenen Sherpa ist das gar kein Problem, sondern – im Gegenteil - es macht Spaß!“

Diese Heldengeschichte über den Fiberfab Sherpa entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds Oliver Zeller.