Marcos Mantis 2+2

Marcos Mantis 2+2


Marktbeobachtung

Ach, was jammern die Leut' über die Autos von heut': Nur noch formaler Einheitsbrei, garantiert geschmacksneutral zusammengerührte Formen, dazu die ewig disfunktionale Elektronik und dann – dieses Plastik! Überall! Doch man muss eine GFK-Matte für diesen Werkstoff brechen, für den das alte Beton-Motto gilt: Es kommt drauf an, was man draus macht. Einen Marcos Mantis zum Beispiel.

Die englische Vokabel "swoopy" ist eigentlich gar keine. Diese Eingenschaft teilt sie sich mit vielen anderen Wortschwestern, die jedoch dem angelsächsischen Sprachgut erst seine unverwechselbare Plastizität verleihen. Swoopy-Doopy wäre demnach mit "schwuppdiwupp" am direktesten übersetzt, korrekt wäre auch "auf und ab". Beides trifft auf die heute im Netz gefundene Marke und eines ihrer herausragenden Erzeugnisse zu: Marcos Mantis. Ein Name, zwei Autos. 

Zwei? Yes, my dear: Jem Marsh und Frank Costin bauten bereits seit zehn Jahren erfolgreich Kit Cars, als sie sich 1968 zum Spachteln des Mantis entschlossen. Zunächst entstand ein gleichnamiger Mittelmotor-Einsitzer-Flitzer, der zornige V8- Runden auf dem Kurs von Spa drehte, bis Regen die Elektrik killte und den Mantis Sportsracer für immer aus dem Verkehr zog. Das Unikat wurde in die USA verkauft, wo es noch heute existiert.

Marcos, aus den Anfangssilben der Nachnamen von Marsh und Costin kreiert, nutzte die Chance und den aufsehenerregenden Namen für einen Straßensporwagen, der zweierlei Neuland betrat: Erstens war der Mantis ein offizieller Viersitzer (2+2), zweitens wurde er ausschließlich komplett montiert geliefert. Und das Auf und Ab seiner Form, die ebenso gewöhnungsbedürftig ist wie viel Essig und Öl mit etwas Fish & Chips darunter, wurde zum Synonym für das Schicksal der Marke. Eben swoopy: auf und ab. Dieses arme Auto. Alles wurde auf seiner mehrfach unkontrolliert geschwungenen Silhouette ausgetragen, deren Mittelteil wirkt, als hielte man permanent ein Vergrößerungsglas davor.

Der Mantis 2+2 hätte Marcos eigentlich in höhere Kundenkreise katapultieren sollen. Doch noch bevor die Glasfieberflunder mit Sperrholzchassis fertig war, ging Designer Dennis Adams von Bord. Deshalb ist der Eindruck, der Mantis-Designer sei irgendwie nicht richtig fertig geworden, gar nicht mal falsch: Adams hatte lediglich das (traumhaft schöne) Armaturenbrett sowie die Front gezeichnet, den Rest besorgte – mindestens – ein anderer Gestalter. Heraus kam ein Hängebauchschwein à la Bedfordshire, dessen Proportionen ein wiederum schlanker V6 aus dem Triumph TR6 nicht unflott bewegte. Marcos und sein Geschoss landeten jedoch unsanft und weit ab vom Ziel: 1971 hatten eine veränderte US-Importsteuer und die firmeneigene Fehlentscheidung, den Mantis in den USA ausschließlich mit Automatik anzubieten, Wirkung gezeigt: Nach 32 Exemplaren mussten Marsh und Costin auf die Bremse treten und Konkurs anmelden. Das wars. Bis 1976. Dann erwarb Marsh die Namensrechte zurück, baute von 1981 bis zur erneuten Pleite 2001 munter weiter, Investoren retteten den Laden und fuhren ihn 2007 wohl endgültig gegen die Wand. Abwarten und Tee trinken: Totgesagte leben länger. Und manchmal feiern sie munter Wiederauferstehung. Marcos ist so ein Kandidat.

Die scheinbar mit dem eben aus dem Honigtopf gezogenen Löffel modellierten Linien des angebotenen Mantis 2+2 sind passend im Triumph-Farbton Honeysuckle lackiert, unter der Plastehülle lauert verborgener Luxus in Form von Wurzelholz, der V6 bollert und schon fühlte man den Kies unter den durchdrehenden Antriebsrädern gegen die GFK-Flanken spritzen, wenn, ja wenn der Mantis nicht akut vom Aussterben bedroht wäre: Ganze zehn Exemplare sollen weltweit noch existieren. Da drückt das schlechte Gewissen den Gasfuß wieder nach oben und mit einem tiefen Seufzer legen wir die knochig zu schaltenden Gänge mit Bedacht ein. Bezahlbar ist der Mantis trotzdem, und dies sogar noch in einer richtigen Währung: Britische Pfund, 8.500 an der Zahl. Buy-buy!