Männerfreundschaft – Maserati 5000 GT

Männerfreundschaft – Maserati 5000 GT


Marktbeobachtung

Es war so etwas wie Not auf höchstem Niveau, die zu einem der aufregendsten und kraftvollsten GT's in Form des Maserati 5000 führte. Wie schön, dass besagte Not so erfinderisch macht.

Es ist das Jahr 1958, in dem sich Maserati aus dem doch recht kostspieliegen Motorsport offiziell zurückzieht. Dies, so das Kalkül von Maserati, sollte zum einen eine spürbare Reduzierung der Ausgaben bewirken, zum anderen jedoch vor allem personelle, finanzielle und kreative Ressourcen für den nicht minder prestigeträchtigen (und lukrativen) Bau von Straßensportwagen ermöglichen. So weit, so gut. Wären da bloß nicht die letzten, nicht mehr zum Einsatz gekommenen Fünfliter-V8-Rennmotoren gewesen. Die waren ja nun übrig. Man könnte ja die wenigen Motoren in eine attraktive Verpackung integrieren und ein paar Einzelstücke verkaufen. So weit, so gut. Nur die Kunden hatte man bei Maserati wohl bei dieser Rechnung außen vor gelassen. Die wollten nämlich mehr – mehr Maserati 5000 GT's.

Letztlich entstanden wesentlich mehr Exemplare dieses aufregend gestylten Touring-Coupés, als geplant. Dennoch blieb die Anzahl mit 34 Fahrzeugen, die im Laufe von sechs Jahren entstanden, überschaubar. Damit war der Maserati 5000 GT eines der wenigen Nachkriegsfahrzeuge, die nicht nur auf besonderen Kundenwunsch gebaut wurden, sondern bei denen es auf Kosten nicht ankam – das war beste Vorkriegstradition, die selten geworden war. Dazu passte, dass die 5000 GT's von unterschiedlichen Carossiers eingekleidet wurden: Frua, Bertone, Pinin Farina, Ghia und Allemano zeichneten für die verschiedenen Versionen verantwortlich, in den offiziellen Herstellerkatalog schaffte es jedoch nur Allemano, der – die genaue Zahl ist nicht bekannt, auch, wenn der Anbieter des heutigen Netzfangs die Zahl 22 nennt – rund zwei Drittel der 5000 GT's baute.

Aufträge für den 5000 GT nahm Maserati nur gegen eine substanzielle Anzahlung entgegen – von Kunden wie Fiat-Chef (!) Agnelli, Aga Khan oder dem Schah von Persien. Nur drei Fahrzeuge besaßen eine Maschine mit zahnradgetriebenen Nockenwellen (es waren vier an der Zahl), dann ging man bei Maserati auf den geräuschärmeren Kettenantrieb über. Im Laufe der Zeit wichen die vier Weber-Vergaser eine Benzineinspritzung von Lucas, der Hubraum wurde leicht erhöht und auch die hinteren Räder verzögerten ab 1961 per Scheibenbremsen. Die Höchstgeschwindigkeit betrug mindestens 246 KM/H – Autojournalist Hans Tanner, der den 5000 GT gemeinsam mit dem leitenden Testfahrer von Maserati über italienische Autostradas trieb, dokumentierte sogar sagenhafte 274 KM/H.

Abseits dieser Zahlen beeindruckte die pure Gestalt des 5000 GT. Die gleich hohen vorderen und hinteren Radausschnitte ließen die Karosse mit der hohen Gürtellinie über den Radbogen optisch fast zerreißen, darüber schwebte ein filigran gezeichnetes Fahrerhaus mit relativ steil stehender Frontscheibe, einem leicht gebuckelten Dach und einer charakteristisch abfließenden Panorama-Heckscheibe. Innen ließen große, klassisch chromumrandete Instrumente das Feinmechaniker-Herz höher schlagen, der Innenspiegel schien  dem Armaturenbrett organisch zu entwachsen, das hochwertige Leder knatschte vielversprechend und über all dem thronte eines der schönsten und anmutigsten Sportlenkräder, die Nardi je entworfen hatte.

Der heutige Netzfang ist einer dieser 34 gebauten und einer von rund 20 von Allemano karossierten Maserati 5000 GT. Er ist komplett restauriert, das Angebot spricht vom Concours-Zustand, was die Bilder dokumentieren. So erhielte der Käufer mit diesem Wagen wohl eines der schnellsten und anmutigsten italienischen Hochleistungscoupés der frühen Sechziger Jahre – nur schade, dass höchstwahrscheinlich weder Fahrer noch Fahrzeug dies je wieder erleben werden. Denn wer peitscht schon eine seltene automobile Schönheit im Topzustand über anregende Landstraßen? Darin besteht der Fluch von Restaurierungen. Man kann ihn jedoch bannen – durch das alte Maserati-Hausrezept: Alle Kultiviertheit in der Garage zurück lassen. Und Gas geben.

Das Angebot finden Sie hier.

Die in dieser Rubrik enthaltenen Angebote sind aufgrund ihres Marktcharakters nur temporär aktuell. Die Beiträge bleiben wegen ihres allgemeinen Informationsgehalts jedoch dauerhaft abrufbar. Carsablanca übernimmt trotz sorgfältiger Prüfung keine Haftung für die Inhalte externer Links. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um eine Kaufempfehlung bzw. eine Zertifizierung.