Löwensänft – Peugeot 504 TI Automatique

Löwensänft – Peugeot 504 TI Automatique


Marktbeobachtung

Vier Türen, Sicherheitsgurte vorn, heizbare Heckscheibe, Zigarettenanzünder – das waren sie, die Extras der Siebuiger Jahre. Peugeot hatte sie alle, zumindest im 504, und dazu gab's sogar noch ein Schiebedach obendrauf – von dem böse Zungen behaupten, dieses hätte man bei der Rostgeschwindigkeit der Löwensänfte getrost permanent geöffnet lassen können.

Hineinproduziert wurde der 504 in eine Zeit, in der ein Speiseeis namens "Brauner Bär" sich höchster Beliebtheit erfreute. Nicht zu ignorieren ist hierbei die erstaunliche Parallele zwischen 504 und besagter Leckerei. Kaum hatte man sich drei Sommer lang an Schokomantel und Karamelkern gelabt, hatte sich der Zustand des Autos dem Namen der Köstlichkeit beängstigend genähert. Nur dass Proben mit dem Schraubenzieher eher nach Waffel als nach Eis klangen.

Sei es drum: Bei den beeindruckend hohen Stückzahlen, die Peugeot von seiner klassischen Limousine mit dem charakteristischen Knick im Heck absetzte, fiel der braune Tod zunächst nicht ins Gewicht. Ein 504 war der Inbegriff französischen Automobilbaus: Kultiviert in Form, Styling, Komfort und Innenraum, vermochte er binnen kürzester Zeit, zu begeistern. Peugeot war es gelungen, einen modernen Nachfolger des 404 zu lancieren, der jedoch mit seiner konventionellen Bauweise – Motor vorn, Antrieb hinten – weniger polarisierte als die zeitgenössischen Produkte aus dem Hause Citroën

Die Krönung der Modellfamilie war, bis zum Erscheinen des 604, der 504 Ti Automatique. "Hundertmal halten – und niemals schalten" lautete der Werbeslogan auf ganzseitigen Zeitschriftenanzeigen, die einen smarten Delon-Verschnitt mit Anzug und Sonnenbrille im kupferfarbenen 504 zeigte. Der stand inmitten einer feierabendlichen Autobahn-Blechlawine. Nun: Der abgebildete Fahrer nahm es wie Delon persönlich: extrem gelassen. Nur Kollege Belmondo durfte ein 504 nicht in die Quere kommen – das sah dann so aus.

Angenagte wie gut erhaltene 504 gelten nach wie vor als Exportschlager für den afrikanischen Markt. Allerdings sind die weniger guten Exemplare heute kaum mehr vertreten, und die guten längst in export-unfreundliche Preisregionen durchgestartet.

Als die Produktion des im Jahr 1967 aufgelegten 504 für den europäischen Markt nach 16 (!) Jahren endete, verlagerte Peugeot die entsprechenden Fertigungseinrichtungen nach Argentinien, wo der 504 leicht geliftet bis 1998 seine zweite Karriere erlebte. Dort schmolz er immerhin nicht so, wie ein "Brauner Bär" es unter Sonneneinwirkung tat. Alles hat eben zwei Seiten.

Autor: Knut Simon