Lloyd LT(K) 600: Arktis-Grün am Polarkreis

Lloyd LT(K) 600: Arktis-Grün am Polarkreis

Einen Lloyd Kleinbus aus den fünfziger Jahren zu finden, gilt unter Freunden der Marke mittlerweile als Glücksfall. Wenn der dann noch in neuwertigem Zustand sein sollte, kommt das einem Sechser im Lotto gleich. Rainer Kaun-Mikolajewicz hatte das Glück, im April 2008 genau so einem Angebot zu begegnen.

Jenseits von Schweden

Einziger Wermutstropfen: Der Bremer Kleinbus stand nicht um die Ecke, sondern im fernen Finnland. Es handelte sich um einen arktic-grünes Exemplar aus dem Jahr 1959, das ursprünglich als Kastenversion LTK 600 an einen Händler im finnischen Turku ausgeliefert worden war. Dort wurde der auf der 600er Limousine basierende Kleintransporter zum Minibus mit sechs Sitzen umgebaut. „So ein Vorgehen war in Skandinavien damals durchaus üblich“, weiß sein heutiger Eigentümer. Aus steuerlichen Gründen war es seinerzeit billiger, einen Kastenwagen zu importieren als einen Pkw. Zu Letzterem mutierte der „Kasten“ dann erst nach seiner Einfuhr in seinem Bestimmungsland.

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Bremens Handwerkskunst als Vorbild

Beim Neuwagen-Umbau von Rainers Exemplar hielt man sich in Finnland so eng wie möglich an die Vorgaben aus Bremen: „Nur die waagerechte Sicke in der Flanke verrät dem Kenner die ursprüngliche Bestimmung des Wagens“, erläutert Rainer. „Außerdem  sind die Fenstergummis nicht versenkt, sondern tragen leicht nach außen auf, und der Abstand zwischen den Seitenfenstern ist geringfügig größer als bei einem werksseitig gebauten Bus. Das Interieur hingegen entspricht absolut dem Original.“

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Unter Sammlern

Ein Auto, auch wenn die Offerte noch so verlockend klingt, auf eine Distanz von 2.000 Kilometer zu kaufen, birgt natürlich immer gewisse Risiken. Doch für Rainer waren diese überschaubar: „Der Verkäufer war ein Sammler, der seine Prachtstücke auf Grund seines fortgeschrittenen Alters in jüngere Hände geben wollte. Er hatte den Lloyd Bus in vierjähriger Arbeit restauriert und konnte mit einer lückenlosen Historie zu dem Fahrzeug aufwarten: So etwas flößt dann doch Vertrauen ein“. Nach den Angaben des Anbieters war der Kleinbus nach seiner Erstzulassung im Jahr 1961 (also zwei Jahre nach dem Import) nur rund fünf Jahre lang zugelassen, bevor ein Motorschaden ihn bei einem Tachostand von knapp 40.000 Kilometern in die Garage verbannte. Dennoch trennte sich der Erstbesitzer erst Ende der siebziger Jahre von dem Lloyd. Danach ging er durch drei weitere Hände, bevor er im finnischen Lahti 2001 zu jenem Sammler kam, der ihm neues Leben einhauchte – um ihn dann doch in seiner umfangreichen Sammlung abzustellen, ohne ihn häufiger zu bewegen.

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Problemlose Rückführung dank EU

In Kenntnis dieser bemerkenswerten Einzelheiten und nach dem Studium diverser aussagekräftiger Fotos entschied sich der Lloyd-Enthusiast aus dem Bergischen, den seltenen Bus zu erwerben. Zuvor hatte er sich informiert, welche Hürden ein Fahrzeugimport aus Finnland  im Mai 2009 bereit halten könnte. Doch es waren zum Glück nur wenige, denn das lange Zeit neutrale Finnland trat Mitte der neunziger Jahre der europäischen Gemeinschaft bei und führte 2002 den Euro als Währung ein.

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Zurück nach Deutschland auf Fähre und Trailer

Der Erwerb des fast 50 Jahre alten Lloyd Busses verlief dann auch weit weniger abenteuerlich als befürchtet. Als Rainer in Helsinki dem Flieger entstieg, wurde er bereits vom Verkäufer des Wagens und seinem Sohn erwartet. Die beiden begleiteten ihn zum Hafen, wo der knubbelnasige Bremer Kleinbus bereits seines neuen Eigentümers harrte – und der Rückführung in die deutsche Heimat, die Rainer per Fähre durchführen wollte. Nach Abwicklung des Handels rollte Rainer mit seinem Lloyd aus eigener Kraft als erster auf das Schiff nach Deutschland. Am Ende der Überfahrt erwartete ihn sein Freund Frank bereits mit einem Trailergespann, mit dem der grüne Kleinbus seinen neuen Heimatstandort Wermelskirchen erreichte. Denn, so Rainer, „nicht, dass ich ihm die Strecke nicht zugetraut hätte, aber über 500 Kilometer am Stück auf der Autobahn wollte ich einem Wagen, dessen Höchstgeschwindigkeit bei gut 80 km/h liegt, dann doch nicht als Einstand zumuten.“

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Kaum daheim, schon auf ein Treffen

Am Sonntag Morgen gegen 5 Uhr langten der 40 jährige und seine Neuerwerbung daheim an. Nur wenige Stunden später gab der grüne Lloyd Bus sein Debut auf einer Oldtimer-Veranstaltung im Nachbarort, deren sich Rainer gerne erinnert: „Ich weiß nicht, was dort für mehr fragende Blicke sorgte: Der grüne Bus oder sein finnisches Kennzeichen – dass ich wenige Tage später beim Straßenverkehrsamt mit Bedauern abgeben musste, als ich ihn nach erfolgreicher Vollabnahme erstmals in Deutschland zuließ.“

Diese Heldengeschichte über den  Lloyd 600 LT entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds lloydselig 

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Lloyd im Carsablanca Magazin

Lloyd im Carsablanca-Lexikon

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