Lloyd Alexander – Wilma und ihr „Heinrich“

Lloyd Alexander – Wilma und ihr „Heinrich“


Wir sind Helden

Die 80-jährige Wilma ist mittlerweile eine kleine Berühmtheit bei den Freunden von Lloyd. Kein Wunder, denn die rüstige Rentnerin fährt einen „Heinrich“ genannten Lloyd Alexander, der auch schon gute 50 Jahre auf dem Buckel hat.

Eine Dame von über 80 Jahren, die noch ihr eigenes Auto fährt – nun, das gibt es inzwischen öfter, selbst meine Mutter gehört zu dieser Gruppe. Wenn das betreffende Fahrzeug dann allerdings auch schon ein halbes Jahrhundert auf dem runden Buckel hat, ist das durchaus eine Reportage wert.
Die Dame heißt Wilma, ist Jahrgang 1925 („Das können Sie ruhig schreiben, junger Mann!“) und hatte schon immer ein Faible für kleine, handliche Fahrzeuge. Ihre persönliche Motorisierung nahm in den fünfziger Jahren ihren Anfang mit einer Vespa. „Die habe ich geliebt, das war meine kleine Freiheit auf Rädern damals“, erinnert sich Wilma. Aber dann sah sie in der Zeitung ein Goggomobil. „Das wollte ich gern haben, denn so ein Dach über dem Kopf während der Fahrt, das hatte schon was. Aber leisten hätte ich sie mir nicht können!“ Doch junge Frauen, auch wenn sie erwachsen sind, sind oftmals Papas Liebling. Und so griff Wilmas Vater ihr unter die Arme und finanzierte das Kleinmobil, eine Limousine in federgrau mit roten Polstern. Eine unvermutet langlebige Anschaffung, wie sich erweisen sollte: „Ich bin über 20 Jahre Goggo gefahren, auch später noch, als ich über Bekannte bereits Kontakt zu den Lloyd-Freunden hatte und öfter mit denen unterwegs war. Da war ich dann immer die Goggo-Wilma“, schmunzelt die rüstige Seniorin. Aber nicht zuletzt, weil sie mit ihrem Goggo bei gemeinsamen Ausfahrten immer als Bremsklotz wirkte, entschied sich Wilma dafür, ebenfalls einen Lloyd anzuschaffen. Den alt gedienten Weggefährten aus Dingolfing gab sie an ein Kleinwagenmuseum bei Aachen. „So bin ich an den LP 600 gekommen und kurz drauf auch an einen Faltwohnwagen vom Typ Scholz Brüderchen. Bis dahin habe ich bei Treffen immer im Zelt übernachtet“, berichtet Wilma. Kreuz und quer durch Europa reiste sie mit ihrem Gespann, manchmal allein, aber zumeist mit den Lloyd-Freunden von der gleichnamigen Interessengemeinschaft, die in Wilmas Heimat, im Rheinland, recht zahlreich vertreten ist. Auf einer solchen Fahrt passierte es dann: „An meinem Brüderchen ist auf einer Autobahn in Dänemark ein Reifen geplatzt. Das Gespann geriet ins Schleudern, und ehe ich es verhindern konnte, krachte mein Lloyd in die Leitplanke,“ erinnert sich Wilma an die unangenehmste Erfahrung ihres Autofahrer-Lebens. Zum Glück war ihr selbst nicht viel passiert, aber der blaue Lloyd Alexander, den sie „Hugo“ genannt hatte, war nicht mehr zu retten. Er wurde deshalb zügig ausgeschlachtet und verschrottet. Auch das „Brüderchen“ hatte es bei dem Unfall regelrecht zerrissen.
Doch Wilmas Begeisterung für den Lloyd Alexander und das Campen mit dem Scholz Brüderchen tat dieser Unfall keinen Abbruch. Kaum wieder zu Hause, begann also die Suche nach Ersatz. „Über Freunde aus der Lloyd-IG bin ich dann an den Heinrich gekommen“, berichtet die sympathische Rheinländerin. „Den habe ich aus zweiter Hand gekauft und musste versprechen, dass ich ihn so erhalte, wie er ist. Der hat bis heute seinen ersten Lack!“ Das wiederum verdankt der Kleinwagen aus Bremen der Tatsache, dass seine Karosserieteile fast ausschließlich geschraubt sind, denn eine gründliche Überholung hat „Heinrich“ durchaus hinter sich. „Als er im Herbst 2001 zum TÜV musste, brachte ich ihn zu der Schrauberhalle der Interessengemeinschaft. Dort meinten einige der Lloyd-Freunde, nun müsse wohl etwas mehr dran getan werden. Also habe ich mit geholfen, ihn vorsichtig auf die Seite zu legen und den alten Unterbodenschutz zu entfernen.“ Als Wilma Goertz nach ein paar Wochen immer noch nichts über die fortschreitende Genesung ihres LP 600 gehört hatte, wollte sie selbst vor Ort nach dem Rechten sehen. Was sie zu sehen bekam, versetzte der Seniorin einen Schock: „Da war mein Heinrich komplett auseinander genommen, ohne Dach, Kotflügel und Türen stand er auf einer Palette – selbst der Motor fehlte. Ich hätte am Liebsten los geheult!“ Kaum vermochte sie den Freunden aus der Lloyd-IG Glauben zu schenken, dass aus dem Haufen Teile wieder ihr alt bekannter „Heinrich“ werden würde. „Daraufhin habe ich mich nicht mehr hin getraut“, bekennt Wilma. Die große Überraschung für Wilma kam im Dezember, an ihrem 76. Geburtstag: Ihr alter Freund Herbert Neuhaus, selbst bekennender Lloyd-Fan, überreichte der Seniorin eine Mappe mit Fotos, welche die de facto komplette Restauration ihres roten LP 600 zeigten. „Heinrich“ selbst wartete – um die Ecke außer Sicht platziert – auf seine Besitzerin. Bis wenige Stunden vor der Übergabe hatten Neuhaus und seine Truppe geschraubt, um ihrer alten Freundin Wilma diese Überraschung bereiten zu können. Seitdem versieht „Heinrich“ wieder klaglos seinen Dienst – aber warum heißt ein Lloyd Alexander TS eigentlich ausgerechnet Heinrich? „Den Namen hat ihm schon seine Erstbesitzerin gegeben“, erklärt Wilma. „Also behält er ihn auch!“ Wie auch sonst, nach 50 Jahren?
„Für die Lloyd-IG bin ich so eine Art Maskottchen – und möchte es auch noch eine Weile bleiben!“

Autor: Michael Grote

Diese Heldengeschichte über den Lloyd Alexander entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds wilma.

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