Knutschkugel forever – Fiat 500

Knutschkugel forever – Fiat 500


Marktbeobachtung

Wer behauptet, italienische Autos seien nur für Italiener und diese wiederum von relativ kleinem Wuchs, hat allein im Falle Bud Spencers doppelt Unrecht. Mehr als doppelt passte auch nicht hinein in diesen putzigen Zwerg namens Fiat 500.

Immerhin war er bequemer und geräumiger als eine Lambretta. Mit der Beschleunigung haperte es dann aber im Falle unseres unwiederstehlich blinzelnden kleinen Fiat 500. Dafür unterbot er den britischen Mini um 7,6 Zentimeter in der Länge und um zwei geschlagene Jahre bei der Markteinführung.

Schnell wurde aus dem kleinen frechen luftgekühlten Blechzwerg die Behausung für romantische Rendezvous, der er den Beinamen "Knutschkugel" verdankt. Nur aufpassen musste man bei der Kombination katholisch – verknallt – Fiat 500-Besitzer: Die Brut passte ab Nummer drei nicht mehr in den 500er hinein. Da musste dann der Giardiniera-Kombi her. Bis dahin konnte man mit und im Fiat 500 viel Spaß haben, vor allem im Falle der bis 1965 gebauten Exemplaren, die über die extrem komfortablen Selbstmördertüren verfügten.

Während im Heck der luftgekühlte Zweizylinder hämmerte, ruhten sich unter der vorderen Haube Reserverädchen, Batterie, Werkzeug und Benzintank aus. Das alles brauchte man irgendwann auch, denn der 500er konnte ziemlich schnell zum Fass ohne Boden mutieren – unerklärlicher Ölverlust, Rost an tragenden Teilen oder wo auch immer, dem 500er war das herzlich egal. Dennoch entstanden zwischen 1957 bis 1977 über vier Millionen dieser Krabbler – solch treuen Augen konnte kaum ein Interessent widerstehen.

Der 500er Fiat fuhr fast 100 Km/h. In ihm hatten fast drei ausgewachsene Personen Platz. Er hatte fast 20 PS. Und er hatte fast die gesamte Welt zum Freund. Auch ich erinnere den 500er Fiat, allerdings mit Rückenschmerzen und Kater am nächsten Morgen: Zu neunt fuhren wir damals im kleinen Fiat zur nächsten Provinz-Disco, bugiserten den 500er durch die Feuerwehrtür in das Etablissement und hievten den Wagen schließlich auf die höher gelegene Tanzfläche, um darauf ein paar Runden zu drehen. Dafür gab's nen amtlichen Fünfziger – und das reichte, um das zu holen, dessentwegen wir damals unterwegs gewesen waren: Gerstenkaltschale für unsere Abi-Feier.

Überhaupt war der 500 ein Sympath. Er soff einem nicht das letzte Hemd vom Leib und auch das Fahren war komplett einfach: Man blieb einfach immer stur auf Vollgas. Und lief dabei nie Gefahr, ein Ticket zu erhalten. Forza Cinquencento!