Junge Klassiker: VW Golf Cabrio

Junge Klassiker: VW Golf Cabrio

1978 wurde mit der Präsentation des VW Golf Cabrio der Wechsel vom offenen Käfer zum Golf Cabrio eingeleitet. Der unscheinbare Klassiker mauserte sich schnell zu einem der meistgebauten Cabrios der Welt.

Im Oktober 1978 begann beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück die Serienfertigung des Cabriolets auf Golf-Basis. Der Wechsel vom offenen Käfer zum Golf Cabrio war damit eingeleitet. 14 Monate lang baute Karmann die beiden Frischluft-Volkswagen noch parallel. Am 15. Januar 1980 endete nach 31 Produktionsjahren und 331.847 Einheiten die Erfolgsgeschichte des Käfer-Cabriolets. Damals war der Käfer das bis dato meistgebaute Cabriolet der Welt. Dann startete der Siegeszug des Golf-Cabriolets. Dank des zum Start angebotenen 1.5 Liter-Motors mit 51 kW / 70 PS Leistung ist der offene Golf trotz 20 Mehr-PS wirtschaftlicher als der Vorgänger: Er benötigt 9,1 Liter Normalbenzin für 100 Kilometer Fahrstrecke – und das sogar bei geöffnetem Verdeck, das der Aerodynamik abträglich ist. Das geringe Gewicht des Autos von 910 Kilogramm trägt ebenfalls zur Sparsamkeit bei. Er ist rund 20 Kilo leichter und in seinen Abmessungen deutlich kompakter als der Käfer: Die Fahrzeughöhe ist um 11 Zentimeter niedriger, und um 30 cm kürzer, lediglich die Fahrzeugbreite ist fast identisch; der Innenraum geriet jedoch deutlich geräumiger.

Golf Cabrio (1984)

Obwohl anfangs von Käfer-Enthusiasten eher misstrauisch beäugt, verkaufte sich das neue Cabriolet von Anfang an sehr gut. So wurden 1979 – im Jahr der Markteinführung – schon 11.795 VW Golf Cabrios produziert, im darauf folgenden Jahr verdoppelte sich die Produktion auf 25 982 Einheiten. Das überstieg sogar die Produktionszahlen des Käfer-Cabrios: In dessen erfolgreichstem Jahr, 1972, entstanden davon exakt 24 317 Stück. Das neue VW-Cabriolet überholte nicht nur die Jahresproduktionszahlen des offenen Käfers, sondern am 24. Juni 1991 sogar die Gesamtproduktionszahl von 331.847 Fahrzeugen.

Zu verdanken war dies vor allem der permanenten Modellpflege bei Volkswagen, die in 14 Jahren Bauzeit zwölf Aktions-Sondermodelle auf dem Markt einführte. Das erste Aktionsmodell war die „Weiße Serie", die im Frühling 1983 mit dem Slogan „Heiß und Weiß!" beworben wurde. Das komplett in Weiß ausgestattete Auto wurde nur in einer Kleinserie von 1400 Einheiten produziert, was ihn heute zum begehrten Klassiker macht.

Golf Cabriolet (1989)

Als weitere Sondermodelle, die ebenfalls in geringer Stückzahl gebaut wurden, folgten die „Sonderfarben" (1984), „Havanna" (1985), „Azur" (1985), das „Christmas Cabriolet" (1985), „Quartett" (1987), „Etienne Aigner" (1988), „Acapulco", „Toscana", „Youngline", „Sportline" oder „Classicline"(1990/91).

Das Modell „Azur" mit Lederausstattung gilt heute in Sammlerkreisen als das begehrteste Cabriolet, weil es nur 500 Mal bei Karmann gefertigt wurde. Besaß der Viersitzer schon in der Serienausstattung das luxuriöse Golf GL-Niveau, so wurde er durch die Vielzahl der Aktions-Sondermodelle für den Kunden noch attraktiver. Die Produktionszahlen für das Jahr 1991, in dem fünf Sondermodelle zu haben waren, stiegen auf 38 953 Stück. Das bedeutete eine Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr 1990, das mit 37 561 gefertigten Cabriolets schon zum zweitbesten Jahr für des offenen Golf gehörte.

Insgesamt fertigte Karmann bis zur Produktionseinstellung im Mai 1993 genau 400.971 Einheiten vom offenen Alltags-Auto, das besonders gern von der weiblichen Kundschaft gekauft wurde. Auch außerhalb Deutschlands war das Modell sehr beliebt: Von 1983, dem Jahr der Markteinführung in die USA, bis zum Produktions-Ende, kauften die US-Amerikaner etwas über 100.000 VW Golf mit Faltdach, also ein Viertel der Gesamtproduktion. In Youngtimer-Kreisen sind Re-Importe aus den USA besonders beliebt: Sie sind besonders gut ausgestattet und verfügen ab dem Baujahr 1986 schon über einen Fahrer-Airbag.

Fotos/Quelle: Volkswagen, Auto-Medienportal