Ein Bulle im Smoking – Jensen CV8

Ein Bulle im Smoking – Jensen CV8


Portrait

Schon als Kind erlag Carsablanca-Mitglied Jens Jansen dem Reiz des Jensen: geballte Ami-V8-Power, in feinem, englischen Zwirn gekleidet. Mit seinem Jensen CV 8 hat er sich einen Traum erfüllt

Der Traum vom tollen Auto entstand, wo Jungenträume eben entstehen, zwischen Lego-Männchen und Carrera-Bahn. Im Kinderzimmer, da, wo Jens Jansen (jj) und seine Kumpels häufig zusammensaßen, jeder mit einem Stapel Quartett-Karten vor sich und voller Spannung auf die beste Karte der nächsten Runde. „Mit dem Jensen Interceptor hatte man eigentlich immer gewonnen: Der 7,2 Liter-Motor machte das Auto in PS, Hubraum und Geschwindigkeit gegenüber allen anderen Wagen im Spiel einfach unschlagbar“, sagt Jansen. „Damals stand für mich fest: Den musste ich unbedingt irgendwann einmal haben.“ Doch als der Interceptor zwischen 1966 und 1976 knapp 7000 Mal verkauft wurde, durfte der 1963 geborene Münchener gerade mal ein Fahrrad lenken.

Seltenheit übertrumpft Spurtstärke

Inzwischen sind mehr als 30 Jahre vergangen, und Jansen fährt den Wagen immer noch nicht. Er will ihn auch gar nicht mehr. Denn das, was jetzt in seiner Garage steht, kann selbst der Interceptor nicht trumpfen: Statt des mächtigen Serienwagens fährt Jens Jansen jetzt ein noch älteres Modell. Einen Jensen C-V8. Und der ist vor allem eine Rarität, was für den 45-jährigen heute viel mehr zählt als die Leistungswerte des Interceptors vor 35 Jahren. „Vom C-V8 Wagen wurden zwischen 1962 und 1966 nur 499 Stück gebaut. Mittlerweile fahren in Deutschland noch zwölf oder 13 davon herum“, sagt er. Sein Modell MK III, die letzte von drei Baureihen, fuhr nur in 181 Exemplaren aus der britischen Manufaktur.

Und auch der Wagen gleich nebenan in Jansens Fuhrpark ist kein Vehikel von Wald und Wiese. Und das liegt nicht nur daran, dass der Jensen 541 S von 1961 als das erste in Serie produzierte Auto mit Vier-Scheiben-Bremsen gilt (noch bevor Jaguar seine Modelle mit der neuen Technik ausstattete, gönnte Jensen seinen Fahrzeugen diese Technik). Nein, völlig abgesehen von solchen technischen Spitzfindigkeiten ist auch auch dieses Fahrzeug einfach ein seltener Vogel. Gerade 540 Exemplare bauten die Brüder Alan und Richard Jensen in Grundversion, 541 Delux-, der 541 R- und 541 S-Variante zwischen 1955 und 1962. Das lag schon damals vor allem am Preis: Jensen waren teuer, fuhren in einer Klasse mit Aston Martin oder Bristol und richteten sich an eine kleine, aber zahlungskräftige Käuferschicht. Der MG-B, das dritte Auto in Jansens Oldie-Reihe, ist da schon bürgerlicher. Mit mehr als 500.000 Exemplaren gilt er noch heute als der meistverkaufte britische Roadster. „Der MG ist solide und das perfekte Auto, um in die Oldtimerei einzusteigen“, sagt er.

Genial oder grausig – es gibt keine Mitte beim C-V8

Jansen hat diese Erfahrung gemacht. Kurz nach dem Studium kaufte er 1989 einen den schnittigen Briten Baujahr 1976, der dank Gummi-Stoßfänger für den amerikanischen Markt seit 1974 mit dem Spitznamen „Gummiboot“ über die Straßen fuhr. Ein Auto, das sich damals noch nicht Oldtimer nennen durfte, aber für das es genug Teile gab und das für einen jungen Mann nach der Uni erschwinglich war. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Kindheitstraum vom Jensen Interceptor eigentlich schon wieder vergessen“, sagt Jansen. Doch vor ein paar Jahren dann tauchte der Wagen in einer Fernsehsendung auf. Und Jansen erinnerte sich wieder an die Quartett-Siege im Kinderzimmer. 

„Weil ich mich dann auf einmal wieder für Jensen interessierte, stieß ich vor ungefähr drei Jahren auf den Jensen C-V8“, sagt er. Ein Auto, dass man sofort liebt oder hasst, wie der Münchener meint. Das entweder grinst oder bedrohlich guckt, eine Sache der Interpretation und ganz davon abhängig, was man von ihm hält. Zwei Scheinwerfer auf jeder Seite, eingebaut in das bucklige Design einer Kunststoff-Karosseerie. „Als ich ein Bild von dem Wagen gesehen habe, hat er mir auf Anhieb wahnsinnig gefallen“, sagt Jansen. Was ihn überzeugte, das waren nicht nur das Design und das mächtige Chrysler V8-6,3 Liter-Aggregat unter der Haube.

Schwierige Suche nach dem schnellen Gentleman 

Auch die für damalige Zeiten hochmoderne Sicherheitsausstattung weckte seine Begeisterung für den soliden Briten: Bei 330 PS und einer eingetragenen Spitze von 212 Stundenkilometern machen Sicherheitsgurte Scheiben-Bremsen  rundum durchaus Sinn – sind aber in fast keinem anderen Fahrzeug von 1966 zu finden. „Nachdem ich mich mit dem Wagen beschäftigt hatte, habe ich gezielt nach ihm gesucht – ein wesentlich schwierigereres Unterfangen als es die Suche nach einem Interceptor gewesen wäre.

In Holland grub der Münchener schließlich zwei Modelle aus, eines davon fiel sofort durch. Der zweite Wagen begeisterte ihn. Schon deshalb, weil er einer von nur zwei C-V8 war, die noch im englischen Werk von Rechts- auf Linkssteuer umgebaut worden waren. Der Wagen war gut in Schuss, Jansen schlug zu. „Es mussten ein paar Kleinigkeiten gemacht werden: Der Vorbesitzer hatte die  Bremsschläuche erneuert, sie aber mit Knick eingebaut und auch die Benzinleitungen mussten neu her.“ Ansonsten genügte ein gelassener Druck auf das Gaspedal, und dieDreigang-Torqueflight-Automatik schob das mit rund 1500 Kilogramm leichte Kunststoff-Gefährt erhaben über den Asphalt der Straße. 

Fahren, das ist eh so eine Sache für sich im Jensen C-V8. Drehmoment ohne Ende ermöglicht souveräne Beschleunigung und Entspanntes Cruisen bei 140, und das in einem Auto, das schon optisch klarmacht: Hier kommt Gentlemen's Car. Jens Jansen freut sich darüber, dass sein Auto so ist. Er freute sich darüber, als der Wagen mit Blumen geschmückt vor ihm stand und genau die richtige Karosse für die Hochzeit mit seiner Frau Caroline abgab. Er freut sich morgens, wenn er für die Fahrt in die Softwarefirma den C-V8 nimmt, den gemütlichen unter seinen drei historischen Daily Drivern. Wenn er irgendwo ankommt und die Leute ihn anlachen, noch bevor er den Motor abgestellt hat. Wenn sie neugierig gucken, den Wagen erst für einen Jaguar und dann vielleicht für einen Aston Martin halten, wenn er ihnen aber schließlich von einer Marke erzählen kann, die in Deutschland kaum einer kennt.

10000 Kilometer pro Jahr im Jensen 

Wenn er sie mit seiner Begeisterung für dieses besondere Auto ein bisschen ansteckt, dann freut sich Jens Jansen umso mehr. Denn er findet: „Es kommt nicht darauf an, dass es ein  teurer Wagen war, der mit einem großen Motor fährt, sondern darauf, dass man Spaß an diesem alten Schätzchen hat.“ Spaß, das habe er schließlich auch nach wie vor an seinem „Gummiboot“, dem einzigen seiner  Autos, das er „definitiv nicht verkaufen“ würde. An jenem Wagen, der so gut wie nichts Besonderes sei, so wenig besonders, dass er damit bei manchen Oldtimer-Rallyes gar nicht erst mitfahren dürfe. Baujahr '76 hin oder her.

Mit dem Jensen indes ist das gar kein Problem. Der Wagen, eben eine Rarität, ist besser als jedes Empfehlungsschreiben, sagt der 45-Jährige, und Gelegenheiten, diese Erfahrung zu machen, hatte er schon genug: 9000 bis 10000 Kilometer macht er mit seinem C-V8 im Jahr,  vor allem bei organisierten Fahrten zwischen Themse und Alpenland. Die Mangfall Classics und Rossfeld Historic in Bayern oder ein paar Runden auf dem Nürburgring sind für Jansen purer Genuss. Mit dem schönen Wagen durch schöne Landschaft, nette Menschen, die ihrerseits Spaß an ihren historischen Schätzen haben. Und: „Ganz wundervoll“  sei auch, bei Oldtimer-Rallyes zügig in britischer Gelassenheit an all jenen vorbei zu ziehen, die am Berg mutig den Kampf von PS gegen Steigung bestreiten. Im vergangenen Jahr gewann Jansen so in der Doppelkategorie Autofahrt/Segeln die Rallye des Uhrenherstellers Chronoswiss.

Ein Jensen-Treffen mit eigenem Jensen-Sekt 

Trotzdem, sagt er, zählen nicht die Siege. Wie auch, wenn es eher Glück sei, ob man ankomme oder nicht, ob man am Straßenrand etwas schrauben müsse, oder ob die alten Teile halten. „Werkzeug muss man immer dabei haben, und viele Dinge kann ich selbst reparieren“, sagt der 45-Jährige. Letztens, als der Motor komplett überholt wurde, da musste dann doch ein Fachmann ran. „Zumindest gibt es Motorteile problemlos, weil die amerikanische Großserie sind.“ Nur bei den Karosserieteilen wird es schwierig, weil Jensen selbst längst nicht mehr liefert: Die Firma scheiterte in den 70er Jahren ausgerechnet an ihrem Flaggschiff: Der Interceptor mit seinem 7,2-Liter-Motor war in Zeiten der Ölkrise nicht gerade das gefragteste Auto. Und die technisch unausgereifte Kooperation zwischen Jensen und dem Autoingenieur Donald Mitchell Healey für ein 2-Liter-Wagen gab der kleinen britischen Manufaktur den Rest. „Zum Glück gibt es die originalen Gussformen für Karosserieteile noch“, sagt Jansen. „Die liegen beim Jensen Owners Club in England, bei dem ich auch Mitglied bin.“

Gleichgesinnte, die selbst alte Autos fahren, mit denen tauscht er sich aus, auf Treffen, auf seinem Rallye-Blog, per Telefon und im Jensen Owners Club. Als der Beginn der C-V8-Produktion im vergangenen Jahr 45 Jahre vergangen war, machte Jansen daraus ein Jubiläum und lud C-V8-Fahrer zu einem eigenen Treffen in Saarburg bei Trier ein. 30 Fahrer kamen, viele aus England, es gab eine Rundfahrt und einen eigenen Jensen-Sekt. „Es war ein tolles Wochenende.“ Bald geht es wieder los. Erst die Rallye Saar-Lor-Lux in Saarlouis, dann auf die Fähre nach England zum Jensen International Meeting, danach zur die Rallye Württembergische Classic in Warnemünde und schließlich zurück nach München. 5000 Kilometer, schätzt Jansen. „Das wird toll“, sagt er. „Zwei Wochen lang meine Frau, das Auto und ich.“

Diese Heldengeschichte über seinen Jensen C-V8 Mk III entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds jj.  Infos und Rallye-Blog unter www.jensjansen.com