James Bond´s Aston Martin DB5

James Bond´s Aston Martin DB5

Er war der heimliche Star der frühen James Bond-Filme: Der Aston Martin DB5. Wir beleuchten die Geschichte, die hinter dem Dienstwagen des Agenten seiner Majestät steckt.

Das wahre Traumpaar des Films ist jedem geläufig: James Bond & Aston Martin. Den Grundstein dieser legendären Beziehung legten Produktionsdesigner Ken Adam und John Stears,  der damals für die Spezialeffekte verantwortliche Mitarbeiter. Sie gaben Bond einen Aston Martin DB 5 als adäquaten Dienstwagen an die Hand. Ursprünglich hatte Bond-Erfinder und Buchautor Fleming in seinen Büchern einen Aston Martin DB III vorgesehen. Aston Martin argumentierte jedoch, dass der DB 4 das aktuelle Modell sei und der DB 5 in Kürze erscheinen würde und überzeugte die Filmproduzenten einen DB 5 zu nehmen – den es allerdings noch gar nicht gab. Der technische Direktor von Aston Martin ließ einen roten DB4, der bereits einem DB5 Prototypenmotor rausgerüstet war, optisch auf DB5 umbauen und in silber lackieren.

Die Wahl eines Aston Martin erwies sich für den Sportwagenhersteller aus Newport Pagnell segensreicher als alle Rennsiege der Marke zusammen. Dabei war Aston Martin anfangs gar nicht begeistert, denn die gewünschten Sonderausstattungen überstiegen alles bisher verlangte und deren Konstruktion und Anfertigung war überaus zeitintensiv:

  • Per Schalter wechselbare Kennzeichen
  • Maschinengewehre vorn
  • Ausfahrbare, kugelsichere Panzerplatte am Heck
  • Nebelerzeuger
  • Ausfahrbare Rammböcke
  • Navigations-/Verfolgungssystem
  • Ausfahrbare Reifenschlitzer
  • und natürlich ein Schleudersitz

Ganz so, wie es der Phantasie des Autors entsprungen war, ließ sich die Sonderausstattung allerdings nicht in der Realität umsetzen:
Die Maschinengewehre waren einfache Stahlrohre, das Mündungsfeuer wurde mittels entzündeter Gastropfen dargestellt. Die dazu gehörige Akustik stammte allerdings tatsächlich von einer Maschinenpistole. Die kugelsichere Panzerplatte wäre im Ernstfall aus Gewichtsgründen nicht sehr kugelsicher gewesen und das Radarverfolgungssystem wurde durch ein Glühbirnchen, das unter eine Landkarte gelegt wurde, dargestellt. Auch die Reifenschlitzer waren simpel: Eine Welle wurde auf einen Zentralverschluss der Speichenfelge aufgeschweißt, auf das andere Ende der Welle wurde ein weiterer Zentralverschluss aufgeschweißt und das ganze dann für die entsprechende Szene am Rad montiert. Was wirklich funktionierte, war der Nebelwanderzeuger und der Schleudersitz. Bei der britischen Armee hatte man sich Rauchgaskanister besorgt und diese im Bereich der Auspuffanlage montiert. Der Schleudersitz stammte aus der Luftfahrt, wurde modifiziert und eingebaut. Allerdings nur für die eine Szene, in der James Bond tatsächlich in die Luft ging. Denn die Größe des Sitzes samt Antrieb nahm im Innenraum zu viel Platz ein. Multifunktionale Blinker: Bei James Bond konnten sie sogar schießen.

 
Der Auftritt des Aston Martin im Film gelang so überzeugend, dass der amerikanische Geheimdienst CIA mehrere, solcher Art ausgerüstete Fahrzeuge bestellen wollte. Als das nicht möglich war, experimentierte die CIA einige Zeit ernsthaft an einem solchen Radar-Verfolgungssystem, das aber wegen technischer Probleme nicht zuverlässig funktionierte.


Aston Martin lieferte am 1. Mai 1963 den Aston Martin DB 5 mit der Chassis-Nr.  DP/216/1 und der Motornummer 400/P/4 zugelassen auf das Kennzeichen BMT 216A an die Eon Productions Ltd. aus. Das offizielle Kennzeichen BMT 216A wurde auch im Film neben den fiktiven Schweizer Kennzeichen LU-6789 und der französischen Nummerntafel 4711-EA-62 verwendet. (Ver-)brauchte man für die Realisierung der Verfolgungsjagd in Quantum of Solace bereits ein halbes Dutzend Aston´s, so genügten für Goldfinger noch zwei: Aufmerksamen Goldfinger-Filmbeobachtern fällt auf, dass der Aston Martin, der für die Aufnahme in den Schweizer Bergen verwendet wurde, keinen Ausschnitt für den Schleudersitz hatte. Hier wurde ein gänzlich serienmäßiger DB 5 eingesetzt. Denn bei den Fahrszenen auf Auric Goldfingers Firmengelände, die auf dem verwinkelten Studiogelände der Pinewood Studios gedreht wurden, erhielt der DB5 deutliche Kampfspuren und konnte so nicht in der Schweiz eingesetzt werden. 

Nachdem der Film abgedreht war, wurde ein gewisser Mr. Mike Ashley mit der Durchführung einer Promotion-Tour durch Europa beauftragt. Er benutzte dazu den wiederhergestellten DB5 mit der reichhaltigen Sonderaustattung. Die Fahrt geriet zum Triumphzug. In der  Züricher Bahnhofstraße betätigte Ashley den Nebelwanderzeuger und erregte damit große Aufmerksamkeit bei der Bevölkerung- und der örtlichen Polizei, was sich in entsprechenden Pressemeldungen niederschlug. In Düsseldorf steuerte Gerd Fröbe den Aston durch abgesperrte Straßen an winkenden Menschenmengen vorbei und in St. Moritz entschied sich der eine oder andere wohlhabende Wintersportler dafür, sich auch so einen publicityträchtigen Sportwagen zuzulegen.  Wie praktisch James Bonds Dienstwagen im Alltagsbetrieb sein konnte, berichtete Mike Ashley in „Cars for the Connoisseur“: 

„Auf dem Weg nach Paris durchfuhr ich mit etwa 120 Meilen (192 km/h) eine Ortschaft(!), in der die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Meilen begrenzt war. Leider sah ich die Mitglieder der Gendarmerie viel zu spät. Die Herren gaben ihren Kollegen per Funk bescheid, dass ein Sportwagen mit viel zu hoher Geschwindigkeit unterwegs sei. Ungefähr 20 Kilometer später sperrten zwei Streifenwagen und ein Polizeimotorrad die Strasse. Kurz bevor ich bei der Sperre eintraf, nutzte ich ein weiteres Extra des 007 DB5 – das „Wechselnummernschild“. Ich änderte das englische Kennzeichen per Knopfdruck in ein schweizerisches Kennzeichen. Im langsamen Vorbeifahren hörte ich den einen Polizisten sagen: „Lass ihn durch, wir suchen ein Englisches Auto.“ Und ich setzte meine Fahrt unbehelligt fort... Aston Martin DB5 in "Goldfinger"


Die Promotion Tour wurde in den USA fortgesetzt, wo der DB5 auf der New York Motor Show ausgestellt wurde und auf der Rennstrecke von Laguna Seca als Pace Car gastierte. Keine Frage mit Mike Ashley hatte man einen cleveren PR-Strategen verpflichtet. Da der Aston nicht überall sein konnte, wo man ihn sehen wollte, wurden zwei weitere DB5 mit entsprechenden Bond-Sonderausstattungen auf Promotion Tour geschickt. Damit erweiterte sich die Anzahl der DB5, die dem Film Goldfinger zugeordnet werden können, auf vier.

Nach dem überragenden Erfolg des Films wurde BMT 216A, noch für die Eröffnungssequenz der nächsten Bond Folge „Thunderball“ eingesetzt. Danach ging der DB5 an Aston Martin zurück, wo man die Agentenausstattung  ausbaute und den Wagen 1968 regulär als Gebrauchtwagen mit dem neuen Kennzeichen 6633PP an den Privatmann G.H.N. Geyzar verkaufte. Es ist heute nicht mehr ganz klar, wer den Ausbau der Gimmicks veranlasste, sicher ist aber, dass Geyzar die ganzen Bond-Features später nachfertigen und wieder einbauen ließ. Nach einigen Besitzerwechseln gelangte der Wagen später zu dem Film-Memorabilia Sammler Anthony Pugliese, der bereits Goldfingers Rolls-Royce Phantom III besaß.

Wo sind die Autos heute? Die beiden nachträglich aufgebauten Promotionsfahrzeuge mit den Fahrgestellnummern DB5/2008/R and DB5/2017/R befinden sich in Europa. Eines steht in der niederländischen Louwmann Collection, das andere erwarb 2006 der Schweizer Aston Martin Pabst Beat Roos auf einer RM Auktion in Arizona für $ 2,09 Millionen Dollar im Auftrag eines Kunden. DB5/1486/R, der Wagen aus den Schweizer Bergen gehört einem glücklichen Amerikaner namens Jerry Lee. Und der James Bond Aston Martin DB5 schlechthin? Der eigentlich echte, schwer bewaffnete Dienstwagen mit dem Kennzeichen BMT 216A und der Fahrgestellnummer DP/216/1? Der wurde Anthony Pugliese 1997 gestohlen und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Selbst ein 3 Millionen Dollar Scheck der Versicherung mochte Anthony Pugliese nicht wirklich zu trösten. Bis heute fehlt von dem Wagen jede Spur.


Autor: Alexander Köhnlechner