Jaguar XJ 220: Blitzschnelle Raubkatze

Jaguar XJ 220: Blitzschnelle Raubkatze

Der Jaguar XJ 220 ist ein Kind aus der Ära der Supersportwagen von Ende der 1980er Jahre. Die blitzschnelle Raubkatze mit einer Spitze von annähernd 350 km/h war der schnellste Seriensportwagen seiner Zeit.

Der Jaguar XJ 220 war bis mitte der 90er-Jahre das schnellste Serienauto der Welt. Ende der 80er Jahre erlebte Europa die Blütezeit der Hochleistungs-Sportwagen. Porsche baute den 959, Ferrari den F40 und in Italien entstand sogar ein neuer Bugatti. Da wollte auch Jaguar nicht zurückstecken und entwickelte unter Leitung des damaligen Chefingenieurs Jim Randle den XJ220. Nach dem Vorbild früherer Projekte aus Coventry war die Ziffer im Typennamen Programm: "220" stand für die angestrebte Höchstgeschwindigkeit von 220 Meilen pro Stunde, was rund 350 km/h entspricht.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von rund 350 km/h trat der Jaguar XJ220 gegen Konkurrenten vom Kaliber eines Porsche 959 oder Ferrari F40 an. Die Raubkatze wurde ursprünglich als Konzernstudie auf der British Motor Show 1988 vorgestellt. Der 500 PS starke V12-Saugmotor mit Allradantrieb wurde im 1992 anlaufenden Serienmodell durch einen 542 PS starken V6 Bi-Turbo ersetzt.

Die fließenden Formen des XJ220 hoben sich deutlich von den weitaus aggressiver gestalteten Konkurrenten ab.  Zwar entsprach das Chassis des Jaguar XJ220 mit seiner Aluminium-Lamellen-Bauweise dem Anspruch an einen Hochleistungs-Sportwagen, doch dazu ließen feine Ledersitze, hochflorige Teppiche und ein hochwertiges Soundsystem im Innenraum keinen Zweifel darüber aufkommen, dass man in einem Jaguar fährt. Eine echte Besonderheit des Cockpits waren auch in die Türverkleidungen integrierte Zusatzanzeigen.

Jaguar XJ 220 Prototype von 1988

Elton John und der Sultan von Brunei gehörten zu den Erstkunden

Als Jaguar bekannt gab, maximal 350 Einheiten bauen zu wollen, gingen in wenigen Tagen 1.200 Bestellungen ein. Viele davon stammten von Spekulanten, die sich vom Kauf einen schnellen Profit erhofften. Die Endmontage lief Anfang 1992 an, erste Auslieferungen folgten im Juli. Zu den Erstkunden gehörten Popstar Elton John und der Sultan von Brunei, der 1995 in Eigenregie einen XJ220 bei Pininfarina modifizieren ließ.

Bis 1994 verließen 281 Exemplare des Jaguar XJ220 das Werk - bei dem anfänglichen Preis von einer Million Mark nicht völlig überraschend. Dass die offiziell avisierten 350 Einheiten nicht zustande kamen, lag hauptsächlich an zwei Faktoren: Zum einen bot Jaguar ab 1991 in nur 30 Exemplaren den von einem 6,0-Liter großen V12-Motor angetriebenen XJR-15 an - im Gegensatz zum komfortableren XJ220 ein Rennwagen mit nur sehr begrenztem Alltagsnutzen. Zum anderen war der Supersportwagen-Boom wie eine Seifenblase zerplatzt und die Nachfrage im Markt ist dementsprechend gesunken. Folge: Die künstlich hoch getriebenen Preise kollabierten, zahlreiche Spekulanten traten von ihren Kaufverträgen zurück oder kauften sich aus ihnen heraus. Umso begehrter ist dieser einst schnellste Straßensportwagen der Welt heute bei passionierten Sammlern.

Fotos/Quelle: Jaguar