Jaguar Mk II: Eiserne Faust im seidenen Handschuh

Jaguar Mk II: Eiserne Faust im seidenen Handschuh

Der Jaguar MK II gehört neben dem XJ von 1968 zu den absoluten Klassikern der Marke. Im Oktober 1959 wurde der MK II auf der British Motor Show vorgestellt. Schnell entwickelte er sich zu einer der beliebtesten Sportlimousinen der späten 50er und frühen 60er Jahre.

Der Jaguar MK II ist gleichermaßen beliebt bei Familienvätern, Bankern, Rennfahrern oder Autobahnpolizisten. In Amerika wurde es mehrmals zum "Best Imported Car of the Year" gewählt und in Europa mit zahlreichen Designpreisen bedacht. Mit dem legendären XK-Reihensechszylinder - die Top-Version schöpfte aus 3.8 Litern 220 PS - war der Mk II seinen Mitbewerbern kräftemäßig weit überlegen. Zugleich bot er gediegenen Langstreckenkomfort, ein unverwechselbares Design und das berühmte Jaguar-Ambiente im Interieur. Im Motorsport war der Jaguar Mk II Anfang der 60er Jahre das Maß aller Dinge. Seine Dominanz auf den Pisten brachte ihm die respektvolle Beschreibung "Eiserne Faust im seidenen Handschuh" ein.

Vieles was beim Vorgänger des Jaguar Mk II (Mk I) auf Kritik gestoßen war wurde ausgemerzt. Beispiel Design: Durch größere Front- und Heckscheiben soviel schmalere Dachsäulen wirkte die 4,57 Meter lange Limousine nun weniger massig. Vor allem das 18 Zentimeter breitere, acht Zentimeter höhere Panorama-Heckfenster spendete bessere Sicht. Auch die um drei Zentimeter höhere Windschutzscheibe sorgte für ein sportlicheres Aussehen, während der üppigere Einsatz von Chrom an den Fensterrahmen und an der B-Säule den Premium-Charakter verstärkte.

Jaguar MK II

Die Frontpartie mit den vier charakteristischen Rundscheinwerfern und dem schildförmigen Jaguar-Kühlergrill stimmte dagegen weitgehend mit der Graphik des Vorgängers überein. Neu waren lediglich die runden Blinkleuchten und die langgestreckten Ausleger für die Positionslichter auf den Kotflügeln - eine Reminiszenz an Vorkriegs-Jaguar.

Bei den Sechszylinder-Reihenmotoren vom Typ XK bildete der von zwei Solex-Fallstromvergasern gefütterte 2.4 Liter die Basis: Er leistete 120 PS bei 5.750 U/min und hatte gemäß zeitgenössischen Testberichten zunächst Mühe, die 160 km/h-Marke zu erreichen. Damit hatte der 3.4 Liter (auch dank zwei größerer SU-Gemischbatterien) überhaupt kein Problem - er lief locker 190 km/h. Als Krönung kam neu eine 3.8-Liter-Version hinzu. Mit dem aus dem Jaguar Mk IX und dem XK 150 bekannten Motor und 220 PS wurde der Mk II zur damals schnellsten Serienlimousine der Welt. Mit 200 km/h bei 6.000 U/min fuhr der Jaguar einem BMW 502 V8 (168 km/h), einem Alfa 2600 (160 km/h), einem Mercedes 220 Sb (168 km/h) und auch dem neuen Rover 3 Liter (155 km/h) problemlos davon. 

Verzögert wurde die Antriebskraft bei allen Mk II-Varianten über rundum montierte Scheibenbremsen von Dunlop - worauf stolz ein mittig auf der hinteren Stoßstange angebrachtes Emblem mit der Aufschrift "disc brake" hinwies.

Jaguar MK II

Der war zu Preisen von 1.732 Pfund (3.4 Liter) und 1.843 Pfund (3.8 Liter) im Vergleich zu Mercedes 220 Sb (2.524 Pfund), Alfa Romeo 2600 (2.832 Pfund) und BMW 502 V8 (2.956 Pfund) sehr erschwinglich. Zu den beliebtesten Extras zählten eine Servolenkung (ab Ende 1960 serienmäßig installiert), getönte Scheiben, ein Stahlschiebedach, eine Frontscheibe aus Verbundglas, eine Heckscheibenheizung, eine Kindersicherung für die hinteren Türen und - ab Mai 1962 - erstmals kombinierte Schulter-/Beckengurte mit Jaguar-Emblem auf der Schnalle.

Die sportlichen Tugenden des Jaguar waren auch einer anderen Berufsgruppe nicht verborgen geblieben.  Die britische Polizei setzte den Jaguar MK II als "Hochgeschwindigkeits-Police-Car" ein. Dass der Mk II auch bei Gegenspielern der Polizei geschätzt war, zeigte der rot lackierte Mk II aus dem Film Buster (1988) - mit Phil Collins in der Rolle des Posträubers Ronald "Buster" Briggs!

Am Ende seiner langen und erfolgreichen Karriere machte Jaguar aus dem Mk II ab September 1967 den Jaguar 240 und 340; der Daimler 2.5 Liter V8 wurde in 250 V8 umgetauft, die 3.8-Liter-Version gestrichen. Um die Autos preislich attraktiv zu halten, wurde die Ausstattung leicht abgespeckt.

Fotos/Quelle: Jaguar