Jaguar E-Type "Lightweight" & "Low Drag"

Jaguar E-Type "Lightweight" & "Low Drag"

Die "Lightweight" & "Low Drag" Varianten des Jaguar E-Type waren speziell für die Rennstrecke konzipiert. Bedenkt man, dass es sich bei den Rennversionen nur um mehr oder weniger stark getunte Serienmodelle handelt, waren seine Erfolge zweifellos mehr als beachtlich.

Der Jaguar E-Type war ursprünglich als komfortabler GT Wagen konzipiert und kein reinrassiger Rennwagen. Mit den Lightweight-Modellen mit Aluminium-Chassis und den aerodynamisch verfeinerten „Low Drag“-Coupés sorgte Jaguar dafür, dass der E-Type auch im Rennsport konkurrenzfähig blieb. Die stärksten Modelle leisteten am Ende 344 PS und kratzten 1964 in Le Mans an der 280-km/h-Marke. Neben Graham Hill steuerten weitere prominente Formel-1-Fahrer wie Bruce McLaren, Roy Salvadori und Jackie Stewart erfolgreich E-Types. 

Alles begann in der Saison 1963 mit dem Bestreben den E-Type durch Modifikationen wettbewerbsfähiger zu machen. Im Vergleich zur  reinrassigen V12 Rennwagen-Konkurrenz aus Italien konnte der E-Type im nicht mehr vollends überzeugen. Im Fokus stand dabei vor allem die Gewichtsreduzierung. Als Vorreiter taten sich das Team von John Coombs und der als unermüdlicher Testfahrer tätige Graham Hill hervor. Weil der nach einem Unfall am Ostermontag 1962 in Goodwood zerstörte „BUY1“-E-Type ohnehin neu aufgebaut werden musste, nutzte Coombs die Gunst der Stunde für eine Leichtbau-Version. Das Werk unterstützte das Vorhaben zumindest im Stillen. Dank Aluminium-Haube, dünneren Stahlblechen und Scheiben aus Plexiglas sank das Gewicht um 140 Kilogramm. Der Motor dieses Urahns aller Lightweights wurde mit drei Weber Doppelvergasern vom Typ 45 DCOE bestückt, der „Weitwinkel“-Zylinderkopf kam direkt aus dem D-Type, dazu gab es stärkere Bremsscheiben.

Jaguar E-Type Lightweight im Silverstone (1962) Jaguar E-Type Lightweight in Silverstone (1962) Foto: (c) Jaguar

Noch 1962 holte der Semi-Werkswagen mit Hill am Steuer zweite Plätze bei GT-Rennen in Oulton Park und Mallory Park sowie Platz drei bei der International Trophy in Silverstone. 1963 startete der schnauzbärtige Hill, der 1962 auf BRM erstmals Formel-1-Weltmeister geworden war, mit Siegen in Snetterton, Silverstone, Mallory Park und Goodwood dann richtig durch. In Silverstone kam es sogar zu einem dreifachen Sieg: mit Hill vor Salvadori und Dick Protheroe.

Mit elf weiteren und ab 1963 ausgelieferten „Lightweight“-Modellen bekannte sich das Werk noch einmal deutlich zur Rolle des Jaguar E als Sportgerät für engagierte Privatiers. Es waren ausschlißelich rechtsgelenkte Roadster, die in zehnmonatiger Arbeit entstanden. Ihr Monocoque, alle äußeren Karosserieteile und die Hardtops wurden aus Aluminium gefertigt, nur der vordere Hilfsrahmen zur Aufnahme des Motors und der Aufhängung noch aus Stahl. Dank rund 230 Kilo Gewichtsersparnis war der E-Type mit 920 Kilogramm nun 45 Kilo leichter als ein Ferrari.

Zwar blieb der Hubraum von 3781 Kubikzentimetern erhalten, doch durch die auf 9,5:1 angehobenen Verdichtung, mechanischer Lucas-Einspritzung, sechs große Ansaugtrompeten und ebenso vielen Drosselklappen entwickeln die komplett aus Aluminium gegossenen Motoren an die 320 PS. Geschaltet wird über ein Vierganggetriebe oder eine Fünfstufen-Automatik-Box von ZF. Ein Sportfahrwerk mit auf fünf Zentimeter reduzierten Federwegen, nochmals standfestere Bremsen und der hintere Hilfsrahmen des Jaguar Mark X sind neben Leichtmetallfelgen mit Zentralverschlüssen im Stil des D-Type weitere Lightweight Spezialitäten. Allein drei Lightweights erwarb Cunningham, während das fünfte Modell an den deutschen Jaguar-Importeur und Rennfahrer Peter Lindner ausgeliefert wurde.

Jaguar E-Type Lightweight beim Rennen in Silverstone 1963

Der erste Einsatz der Alu-Autos war 1963 bei den 12 Stunden von Sebring. Er endete mit einem siebten und achten Platz. In Le Mans sprang ein neunter Platz für die Crew Cunningham/Grossmann heraus – trotz eines Totalausfalls der Bremsen am Ende der langen Geraden, der eine Generalüberholung des Autos an der Box nötig machte.

Was ein E-Type Lightweight wirklich leisten konnte, demonstrierte Peter Lindner beim 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring. Von Position acht aus gestartet, führte der Wiesbadener eine Runde lang das gesamte Feld an – ehe die schnelleren Prototypen das Regiment übernehmen. Richard von Frankenberg schrieb in „Auto, Motor und Sport“: „Was Lindner im ersten Drittel des Rennens mit dem Jaguar anstellte, war eine ganz große Leistung. Die Startrunde legte er bereits in 10:04 Minuten zurück. Danach fuhr er laufend unter 10 Minuten, lag vor den 3,0 Liter-Ferrari-GTO und führte lange Zeit das GT-Feld an. Auch sein Copilot Peter Nöcker fuhr nachher den Wagen schnell und sauber – bis der E-Type nach 25 Runden mit fallendem Öldruck aufgab.“ Zum Trost gewann Peter Nöcker dafür auf der Berliner Avus das Rennen der GT-Klasse.

Weniger am Nürburgring, aber zuvor in Le Mans war die noch immer mangelnde Höchstgeschwindigkeit des E-Type zu Tage getreten: 235,9 km/h gegenüber 264,9 km/h des Ferrari bedeuteten auf schnellen Strecken weiterhin ein großes Handikap. Jaguar reagierte erneut, diesmal in Gestalt des Chefdesigners und Aerodynamikspezialisten Malcolm Sayer, auf die Situation: Anders als bei den übrigen Lightweights war der bald von der Fachpresse zum „Low Drag“ ernannte E-Type als Coupé mit voll integriertem Dach konzipiert, wobei der Übergang zwischen Rückfenster und Kofferraumdeckel absolut fließend ist. Mit dem ersten Low Drag (Kennzeichen CUT 7) zeigte Dick Protheroe schon 1963 bei einem Rennen auf dem ultraschnellen Kurs von Reims, was machbar ist: Sieg in der GT-Klasse und Platz zwei im Gesamtklassement hinter einem Ferrari Testa Rossa.

Jaguar E-Type E2A-Prototype

Auch Peter Lindner ließ seinen Lightweight mit Chassisnummer S850662 im Werk zu einem „Low-Drag“-Modell umbauen. Mit verbreiterten hinteren Radhäusern, gut sichtbaren Nieten an den Nahtstellen und Falzen der Karosserie sowie den Felgen mit klassischen Zentralverschlüssen gilt dieses Auto mit Kennzeichen 4868 WK bis heute einer der schönsten Rennwagen aller Zeiten. Es ist Coventrys letzte Antwort auf Maranello, noch einmal hoffte man, die Dominanz der Italiener wenn nicht zu brechen, so doch zu mindern.

Doch Linder/Nöcker sahen weder beim 1000-km-Rennen am Nürburgring noch in Le Mans die Zielflagge. Der 10,1:1 verdichtete Motor bringt es zwar auf die höchste je für einen E-Type-Motor gemessene Leistung – 344 PS – doch hapert es an Standfestigkeit. Beim 24-Stunden-Rennen lagen Linder/Nöcker dank Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 273 km/h lange im Spitzenfeld, ehe in der 16. Rennstunde die Zylinderkopfdichtung durchbrannte.

Ein weiterer Lightweight, der während seiner Karriere zum Low Drag-Modell modifiziert wurde, ist das sechste Exemplar aus der Zwölfer-Reihe. Nach einem Unfall 1963 am Nürburgring hatten die Besitzer Peter Sargent und Peter Lumsden die Chance genutzt, den Wagen mit einer von Samir Klar (Imperial College London) gestalteten Low Drag-Karosserie zu versehen. Hervorstechendstes Merkmal dieses bis zu 280 km/h schnellen E-Types ist die verlängerte Schnauze. Aber auch er fiel in Le Mans mit Getriebeschaden aus.

Der spätere dreifache Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart, der schon 1962 in einem Vorführwagen aus dem familiären Händlerbetrieb auf sich aufmerksam gemacht hatte, siegte 1964 in Crystal Palace im Lightweight von John Coombs. Im Rahmenprogramm zum englischen Grand Prix in Brands Hatch führte Stewart vor vollem Haus das GT-Rennen an, ehe er sich nur dem übermächtigen AC Cobra von Jack Sears beugen musste. Der tragische Unfalltod Peter Linders beim 1000-km-Rennen von Paris im Oktober 1964 brachte dann alle Rennsportaktivitäten rund um den E-Type zum Erliegen.

Bei Club- und Bergrennen blieb der E-Type noch bis in die frühen 1970er Jahre beliebtes Einsatzgerät für Privat- und Hobbyfahrer.

Jaguar E-Type im Renneinsatz

Fotos/Quellen: Jaguar, Auto-Medienportal