Jaguar E-Type im Renneinsatz

Jaguar E-Type im Renneinsatz

Die Motorsportkarriere des Jaguar E-Type begann schon kurz nach seiner Weltpremiere auf dem Genfer Automobil Salon im Frühjahr 1961. Graham Hill fuhr beim ersten Renneinsatz mit dem damals neuen und Aufsehen erregenden Jaguar gleich als Sieger durchs Ziel.

Am 15. April 1961 traten zwei nahezu serienmäßige E-Type Roadster mit Graham Hill (Equipe Endeavour) und Roy Salvadori (John Coombs) zu einem GT-Rennen im britischen Oulton Park an. Die beiden Fahrzeuge waren gerade frisch vom Band in Browns Lane gerollt; den Fahrern bleiben gerade einmal zwei Stunden Zeit zum Training. Während Hill nach 25 Runden gegen die Konkurrenz von Aston Martin und Ferrari siegte, fiel der anfangs führende Salvadori im Wagen mit dem Nummernschild BUY 1 („Kauf einen!“) wegen nachlassender Bremsen in der Schlussphase auf Platz drei zurück.

Schon im Mai hielt sich Salvadori dafür in Crystal Palace schadlos – und siegte vor Jack Sears, der das erfolgreiche Hill-Auto von Oulton Park steuerte. Ein weiteres Highlight der Saison war die im Juli abgehaltene British Empire Trophy in Silverstone: Dort kam der spätere Formel-1-Star und -Konstrukteur Bruce McLaren knapp hinter Stirling Moss (Ferrari 250 GT SWB) auf Platz zwei. In Spa wurde Mike Parkes hinter einem Ferrari ebenfalls Zweiter.

1960 E-Type Prototype E2A 1960 E-Type Prototype E2A Foto: (c) Jaguar

Doch trotz einer hoffnungsfrohen ersten Saison wurde schnell klar, dass der als schneller, aber komfortabler Gran Turismo konzipierte Wagen gegen die als reinrassige Rennwagen ausgelegte V12-Konkurrenz aus Italien im Nachteil war. Mit den zwölf ab 1963 an Privatteams ausgelieferten Lightweight-Modellen mit Aluminium-Chassis und den aerodynamisch verfeinerten „Low Drag“-Coupés sorgte Jaguar jedoch dafür, dass der E-Type konkurrenzfähig blieb. Die stärksten Modelle leisteten am Ende 344 PS und kratzten 1964 in Le Mans an der 280-km/h-Marke. Neben Graham Hill steuerten weitere prominente Formel-1-Fahrer wie Bruce McLaren, Roy Salvadori und Jackie Stewart erfolgreich E-Types. 

Der E-Type schien auf dem besten Weg, legitimer Erbe des zwischen 1955 und 1957 dreimal in Le Mans siegreichen D-Types zu werden. Viele konstruktive Merkmale verbinden beide Autos, doch ist der Jaguar E ist eben ein GT und kein lupenreiner Rennsportwagen wie beispielsweise der Ferrari GT/GTO. Die etwas zu schmale Spur, die innen liegenden hinteren Scheibenbremsen - sie bereiten anfangs Kühlprobleme - und der Sechszylinder-Reihenmotor statt eines V12 setzten von vornherein gewisse Grenzen. Und da ist auch noch das Gewicht: Mit 1118 Kilogramm waren die frühen E-Type einem 980 Kilogramm leichten und schon in der Straßenversion 240 PS starken V12-Ferrari eindeutig unterlegen. „Der E-Type war eigentlich kein Renn-, sondern ein Straßenwagen. Nur eben ein verdammt schneller“, stellte der britische Tourenwagen- und GT-Fahrer Jack Sears fest.

1976 Huffaker Engineering V12 E-Type Lee Mueller 1976 Huffaker Engineering V12 E-Type Lee Mueller Foto: (c) Jaguar

Einen Vorteil hatte der Jaguar jedoch, wie Roy Salvadori betonte: „Den E-Type zu fahren war ein Vergnügen. Alles ging so gemütlich und zivilisiert zu. Man musste nicht ständig schalten oder auf höchster Drehzahl bleiben. Bis auf 3200 Touren konnte man heruntergehen und dann voll auf 6000 beschleunigen, ohne Loch oder Buckel. Der Aston Martin war ja auch nicht schlecht, aber das brachte er nicht. Erst recht nicht ein Maserati, dessen Drehzahlband höchstens 1400 Touren betrug. Es war das gewaltige Drehmoment, das den E-Type so interessant machte.“ „Der E-Type war das gutmütigste Auto, das ich je gefahren bin. Man konnte alles mit ihm machen, was man wollte“, sagte auch der dreifache Formel-1-Weltmeister Jackie Stewart einmal. Für den Schotten, der ab 1962 mit einem Vorführwagen aus dem familiären Händlerbetrieb auf sich aufmerksam machte, war der Jaguar das Sprungbrett für seine große Karriere. Bei Club- und Bergrennen blieb der E-Type noch bis in die frühen 1970er Jahre beliebtes Einsatzgerät für Privat- und Hobbyfahrer. Auch heute noch ist der Jaguar E-Type häufig bei Oldtimer Rallyes und Rennen im Einsatz. 

Fotos/Quellen: Jaguar, Auto-Medienportal