Il Bastardo – De Tomaso Longchamp

Marktbeobachtung

Ausgerechnet Modena. Ausgerechnet Sportwagen. Und dann noch die Unverschämtheit zu besitzen, mehr von diesen zu verkaufen als Ferrari und Lamborghini. Enzo und Ferruccio schäumten vor Weißglut. Alejandro De Tomaso war's zufrieden.

Er war wie ein Berserker, als Rennfahrer und als Autobauer erst recht. Alejandro De Tomaso, in Italien lebend und wirkend, in der Tasche jedoch einen argentinischen Pass, ließ so ziemlich keine Gelegenheit aus, um den etablierten Herstellern Ferrari und Lamborghini die Zylinder um die Ohren zu blasen. Doch das, was die ehrwürdigen Ohrmuscheln von Commendatore und Cavaliere erreichte, klang für sie nicht wie Musik, sondern wie eine Kampfansage. Und die war es auch.

Kaum hatte De Tomase 1965 begonnen, eigene potente Sportwagen zu bauen, ging er auch schon auf Einkaufstour. Er verleibte sich in kürzester Zeit Carozzeria Vignale, Ghia, Maserati, Moto Guzzi und Innocenti ein, um nur die Wichtigsten zu nennen. Aus finanziellen Gründen stieß er bald alle Erwerbungen wieder ab– bis auf Maserati. Der Marke spendierte er den hinreißenden Kyalami, der allerdings nichts anderes war als eine umgefeilte Variation der Keimzelle De Tomaso Longchamp – nur, dass der Longchamp einen Detroiter Big Block unter der Haube à la Mercedes SLC hatte, der Maserati hingegen die angemessene italienische Variante.

Trotzdem der Longchamp in der feinen Automobilgesellschaft etwas naserümpfend aufgenommen wurde (ein Argentinier baut in Italien amerikanische Motoren in seine automobilen Bastarde!), überlebte der klassische 2+2 Sitzer den Kyalami um sechs Jahre. Im Longchamp dominierte Komfort, der sich anhand elektrischer Fensterheber, Sonnenrollos, einer Klimaanlage oder der elektromagnetischen Entriegelung der Beifahrertür manifestierte. Die im Innenraum zur Schau gestellte Sportlichkeit fand ihre Entsprechung in doppelten Dreieckslenkern an der Vorderachse und in hinteren kräftigen Querlenkern mit einstellbaren Längsstreben.

Bald nach der Übernahme von Maserati interessierte sich De Tomaso jedoch nicht mehr wirklich für die Automobile, die er unter eigenem Namen erschaffen hatte, sondern widmete sich fast ausschließlich der italienischen Marke. Als er aus finanziellen Gründen letztlich auch Maserati verkaufen musste, blieb ihm fast nichts. Die vernachlässigte Eigenmarke fasste nie wieder Fuß, zuletzt scheiterte der Versuch der Wiederbelebung in De Tomasos Todesjahr 2003.

Das Angebot, angeblich im Bestzustand, jedoch mit deutlich hängender Frontstoßstange, finden Sie hier.