Heißblütige Unschuld – Innocenti Mini Cooper

Heißblütige Unschuld – Innocenti Mini Cooper


Marktbeobachtung

An Mini denken bedeutet: Kostenlose Straffung des eigenen Bindegewebes dank Gummifederung. Schwarz geränderte Fingernägel vom Schrauben, die entweder schweißnass oder halb erfroren waren – je nachdem, bei welchem Wetter man seinen Mini schieben musste. Unvergleichliches Gokart-Feeling, zu dem selbst die ungeplanten Fehlzündungen so gut passten. Und diese unverbrüchliche Sympathie, die man diesem Auto zwangsweise entgegen brachte, weil die Freundin mit einem Schluss gemacht hatte.

Dabei handelten besagte Damen schlicht und einfach unangemessen. Wo hätte das hinführen sollen, wenn alle Ehefrauen von Mini-Besitzern sich derart verhalten hätten? Zu über fünf Millionen gescheiterten Beziehungen? Abgesehen davon war der Mini stets der Liebling der jungen Damenwelt, erinnerte er doch so sehr ans eigene Handtäschchen.

Der Mini, der irgendwie ein Familienmitglied war, dass zufällig in der Garage wohnte, verhielt sich entgegengesetzt zu Kindern. Bei denen gilt der Sinnspruch: Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen. Der Mini blieb immer gleich klein oder gleich groß. Die Malaisen mit ihm immer konstant auf hohem Niveau.

Aber schmeißen Sie ihre Kinder raus, weil diese zu viel rauchen? Weil das zu ihrer Zufriedenheit nötige Taschengeld stets eine Lücke in Ihre Portemonnaie reißt, durch die ein Mini problemlos hindurchfahren könnte? Weil sie morgens nicht aus dem Haus wollen und sich muckelig unter den Carport verziehen? Sehen Sie. Das sind doch keine Gründe. Da müsste schon mehr passieren. Zum Beispiel die Kombination von englischstämmiger Technik im Verbund mit italienischem Karosseriebau. Das hieß dann etwas irreführend Innocenti Mini Cooper. Und stellte bereits angesichts der bloßen Namensgebung eine Irreführung dar: Ein Mini in der scharfen Cooper-Variante war alles, nur nicht unschuldig. Gott sei Dank. Sonst hätte man gleich einen Toyota Starlet kaufen und was mit der gleichermaßen espritgeladenen Steuerfachgehilfin von nebanan anbändeln können.

Spaß beiseite: Der Innocenti war besser als der Ruf des Originals. Den Umstand, dass British Leyland im Jahre 1971 die Zusammenarbeit mit John Cooper beendete, nutzte das italienische Leyland- (Innocenti-) Montagewerk geistesgegenwärtig aus. Es vereinbarte eine Lizenzfertigung des knubbligen Renners, verfeinerte jedoch nicht nur die Mechanik (der überarbeitete Motor brachte nunmehr 71 PS und eine Spitze von 160 Sachen) sondern auch die Ausstattung. Beim Innocenti Mini Cooper bedeutete dies 4,5 Zoll-Sportfelgen, Lederlenkrad, sechs Messuhren, Dreiecksfenster in den vorderen Türen, Holzeinfassung des zentralen Drehzahlmessers. Die Scheinwerfer schauten aus deutlich akzentuierteren Chromeinfassungen als das Original, der Grill wirkte imposanter, das Auto insgesamt knackiger. Es gab sogar ein zweistufiges (!) Gebläse sowie einen Zigarettenanzünder. Pico bello.

1974 erschien ein von Bertone komplett neu gestalteter Innocenti Mini, der, mehrmals seicht geliftet, bis 1993 produziert wurde. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Der heutige Netzfang ist wohl eines der dankbarsten Objekte im Orbit des Begehrens der Mini-Gemeinde: Nicht nur, dass es sich um eine der attraktiven Italo-Cooper-Variationen des Mini handelt, nein: Der Verkäufer besitzt das Auto seit 15 Jahren und hat so ziemlich alles optimiert, was sich als anfällig erweisen könnte – und der personifizierten automobilen Unschuld ziemlich viele böse Sachen implantiert (Aufzählung siehe die ausführliche Beschreibung im Inserat). Das Classic-Data-Gutachten hat dem Innocenti die Zustandsnote "2" verliehen.

So mögen sich Interessenten beruhigt in die nierenquetschenden Sportsitze zwängen, das Inferno des Auspuffs genießen und die schweißnassen Hände, ja, die dürften bei diesem Mini ausschließlich dem Erlebnis geschuldet sein, wenn die Maschine die Rückenpolster-Riffelung in den Rücken einbrennt. Und sollte Ihre Freundin anrufen: Behaupten Sie einfach, Sie hätten eine Andere. Das mit dem Auto würde Sie Ihnen sowieso nicht glauben.

Das Angebot finden Sie hier.