Great Wheels of Fire – De Soto Firesweep

Marktbeobachtung

Hernando De Soto war ein typischer Entdecker: übereifrig, machtbesessen, kompromisslos. Am Mississippi, den er als erster Europäer entdeckte, raffte ihn 1542 schließlich eine Fieberkrankheit dahin. Auch die nur knapp 400 Jahre später nach ihm benannte Automarke machte es nicht lange.

Dabei hätte es alles so anders kommen können, sowohl im Falle des Eroberers als auch für die zur Eroberung der Mittelklasse ansetzenden Automarke. Doch Expansionsdrang aus einer eigentlich komfortablen Ausgangssituation heraus war in beiden Fällen der Grundstein des Scheiterns.

Hernando De Soto hätte nichts verloren, wäre er 1538 einfach zu Hause geblieben – vor allem nicht sein Leben. Nach einigen Expeditionen, die ihn mit 100.000 Golddukaten und besten politischen und gesellschaftlichen Verbindungen belohnt hatten, war De Soto nach seiner Rückkehr in Spanien ein gemachter Mann: Finanziell unabhängig, in bester gesellschaftlicher Position, glücklich (oder zumindest doch strategisch) verheiratet, in einer geräumigen Villa residierend. Da wurde ihm schnell langweilig und er wollte wieder spielen gehen. Mit dem Leben anderer und seinem eigenen.

Walter P. Chrysler hingegen kann man Langeweile nicht unterstellen. Eher Ungeduld. Um die Stellung seines Unternehmens gegenüber General Motors zu stärken, lanciert er 1928 kurzerhand eine eigene neue Automarke, die unterhalb der feinen Chrysler-Wagen die Mittelklasse ins eigene Unternehmen spülen soll. Es gilt also, neue Kunden zu erobern, und was passt da besser, als dieser neuen Marke den Stempel eines Entdeckers aufzudrücken? De Soto wird ein zweites Mal geboren – wiederum in blecherner Rüstung, im charakteristischen Waterfall-Kühlergrill (1941 bis 1955) stolz das Abbild des Hernando führend.

Der Lebenszyklus der Automarke sollte jedoch noch kürzer ausfallen als der ihres Namensgebers. 42 Jahre alt wurde der Spanier, Chrysler's automobiles Ziehkind dagegen schaffte nur 32 Jahre. Im Zuge einer Stabilsierungspolitik war Chrysler über sein eigentliches Ziel hinaus geschossen – denn nur kurze Zeit nach der Geburt der Marke De Soto erwarb er auch Dodge und hatte damit zwei gegeneinander antretende Mittelklassespieler im eigenen Feld. Das ging so lange glimpflich ab, wie er De Soto preislich und vom Image her exakt zwischen Dodge und Chrysler positionieren konnte. Später hat Walter P. Chrysler in vertrauter Runde zugegeben, dass es De Soto bei einem früheren Kauf von Dodge nie gegeben hätte. Ambitioniertheit ist eine lobenswerte Eigenschaft – nur wohldosiert sollte sie sein.

Ausgerüstet mit Sechs- und Achtzylindermotoren aus der Chrysler-Konfektion und auch optische an die "großen Brüder" angelehnt, schaffte es die Marke De Soto bis in die späten 50er Jahre hinein, wirtschaftlich erfolgreich zu sein – trotz der Tatsache, dass unter dem Chrysler-Stern nunmehr mit Plymouth die dritte Mittelklasse-Marke residierte. Virgil Exner verpasste der De Soto-Familie sein Forward-Design mit spitz emporstrebender Heckflosse und drei getupften Heckleuchten an deren Firmament, und die Leute kauften De Sotos wie nie zuvor. Dann erwischte die Rezession 1958 auch De Soto kalt, zudem ließ die Pflege der Marke durch Chrysler nach, und so mutierten die kraftvollen Modelle mit den klangvollen Namen Firesweep, Firedome und Fireflite zunehmend vor sich hin. Als 1960 die 61er Modelle präsentiert wurden, stand das Ende der Marke bereits fest. Exakt 47 Tage nach Verkaufsstart des aktuellen Modelljahrgangs stoppte die De Soto-Produktion.

Viele der wenigen Exemplare des 1961er Modelljahrgangs  sind längst in Sammlerhänden, tauchen jedoch wie ihre Vorgänger immer mal wieder im Netz auf. Im Falle unseres heutigen Fangs handelt es sich um ein äußerst seltenes 1959er De Soto Firesweep Cabriolet, das (leider?) eine Frame-Off-Restaurierung hinter sich hat. So ist zwar alles neu, duftend und strahlend, die patinierte und in Motoröl eingelegte Seele dieses Pastellcruisers dürfte jedoch dahin sein. Zudem sticht der geforderte Preis dieses einstigen Mittelklasse-Autos in Dimensionen vor, die es sich niemals hätte träumen lassen. 

Mit seinen klassischen Tab-Toes (gemeint sind die verchromten Wahltasten des Automatikgetriebes), dem wunderschön spacigen Cockpit-Layout und dem verrotzt unter der Haube näselnden und rasselnden V8 ist ein De Soto der späten Fünfziger Jahre ein ebenso klassischer Vertreter des American Way of Drive wie Plymouth Fury und Chervrolet Bel Air. Und ein Angehöriger einer vergessene Marke, derer man sich wieder erinnern sollte.

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