Gegen Verstopfung – BMW Alpina B7 Turbo 635 CSi

Gegen Verstopfung – BMW Alpina B7 Turbo 635 CSi


Marktbeobachtung

Im Einklang von Mensch und Maschine. BMW, ganz klar. Fast: Burkard Bovensiepen schraubt seit 40 Jahren am Tempo, das der sportlichen BMW-Melodie in Presto mit ALPINA ihr Prestissimo verleiht. Mit anderen Worten: Ein Alpina fährt ungefähr so, wie Karajan dirigierte: ständig unter Strom.

Hat Alpina das Tuning erfunden? Wenn, dann eher unbeabsichtigt. In jedem Fall hat Gründer Burkard Bovensiepen schon als Kind alles an Literatur verschlungen, was mit Fahrzeugen zu tun hat. Da kam ihm der damals neue BMW 1800 gerade recht, frustrierte dieser doch die 1500er-Kunden, die dem formal gleichen Auto in dessen Endrohre schauen mussten. Im Handumdrehen konnte daher Bovensiepen "Nischen-Paule" Hahnemann von BMW überzeugen, die 1500er durch ein Alpina-Vergaserkit besser zu beatmen – und das alles mit BMW-Werksgarantie.

So ließen sich die zivilen Kunden von den seit den frühen 60er Jahren populären Alpina-Rennwagen massenhaft inspirieren und zum Kauf der später so benannten Alpina-Kits animieren. Schnell hatte Bovensiepen ein komplettes Sortiment für mehrere BMW-Modellreihen am Start, die leistungsmäßige arterielle Verstopfungen beseitigten. Von Zubehör wie Sportlederlenkrädern und Schaltknäufen über Bremsen, Felgen und Zylinderköpfen bis hin zu Komplettmotoren reichte das Nirwana für infizierte "Alpinisten". Aber da ging noch mehr. Nach dem frisierten 1800 ti kam der 02 von Alpina, mit 165 PS eine Sekunde schneller auf dem kleinen Kurs von Vallelunga als ein Lamborghini Miura und 5,1 Sekunden flotter als der Porsche 911 S. Zeitgleich betrieb Bovensiepen die erfolgreiche Strategie, zunehmen exklusive Komplettfahrzeuge anzubieten – er ist bis heute ernsthafter Entwickler statt rein äußerlicher "Tuner". Seit 1978 ist Alpina offizieller Autohersteller.

Eine der ansprechendsten Varianten von Kraft und Kultur aus dem Hause BMW mit Alpina-Komponenten stellt unser heutiger Netzfang dar: BMW Alpina B7 Turbo 635 CSI. Wesentlich kürzer als die Modellbezeichnung fallen Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit der 300 PS-Komposition aus, dazu gesellt sich die zeitlose Formsprache des E 24 – die sogar im Alpina-Kampfanzug nur um Nuancen brachialer geriet, als die zurückhaltenden Seriencoupés. 

Ist ein E 24 schon exklusiv, wird er durch den Alpina-Schriftzug (und dem, was sich dahinter verbirgt) erst recht zu etwas ganz Besonderem. Über den optischen Auftritt vieler Alpina-Schöpfungen lässt sich streiten, Erzeugnisse des Hauses Bovensiepen sind nun mal untrennbar mit ambitioniertem Motorsport (Nicki Lauda, Derek Bell und viele andere) verbunden, und dazu passt die Kriegsbemalung allemal. Und auch hier besetzt der B7 Turbo 635 CSI eine Sonderstellung: Im Feld der mit den Kardanwellen scharrenden BMW-Rennsportlern ist er einer der am unaufgeregtesten Auftretenden. M-Modelle können da ganz anders – vor allem aussehen.

Fortissimo!