Frühverstorbene Schönheit: Volvo P179

Frühverstorbene Schönheit: Volvo P179


Schlau werden mit Carsablanca

Der junge Volvo-Chefdesigner Jan Wilsgaard zeigte 1952 zum ersten Mal sein wahres Format. Die Aufgabe: einen Nachfolger für den PV444 "Buckel" zu finden. Der Lösung darf man bis heute nachtrauern.

Um Werkzeugkosten zu sparen, verlangte die Volvo-Leitung, dass Buckels Dachpartie übernommen werden solle – keine leichte Voraussetzung, zumal der Chef Assar Gabrielsson auf der überkommenen geteilten Frontscheibe bestand.

Wilsgaard setzte das Dach eine Handbreit tiefer und unterfütterte es mit einem harmonischen Korpus. Die Proportionen dieses Typs P179 gleichen denen des fabelhaften Bentley R-Type Continental, insgesamt wirkt der Volvo sogar noch eleganter (der Bentley entstand zeitgleich, Wilsgaard hat also nicht abgeguckt). Gänzlich eigenwillig ist die Front mit ihrem eigenartigen Arrangement von Scheinwerfern, die einen großen, eingefassten Kühlergrill flankieren. Es ist das Haifischmaul, das Jan Wilsgaard hier zum ersten Mal zeichnete und das ihn lange begleiten würde.

Schon zur Produktion freigegeben, dann doch gekippt

Aus dem Entwurf entstand ein einzelner Prototyp, angetrieben vom B4B-Motor des PV444, und mit einem moderneren Fahrwerk versehen. Das Auto gefiel dem Volvo- Vorstand (obwohl Wilsgaard sich über die Anweisung zur Frontscheibe hinweggesetzt hatte), es wurde für 1954 zur Produktion freigegeben.

Doch in letzter Minute holte Volvo-Chef Gabrielsson noch eine Beurteilung eines Externen ein, ein Designer namens Helmer Petterson – und der brachte P179 zu Fall. Viel zu schwer für den Motor, argumentierte der Mann und versicherte, dass er selbst einen Entwurf für einen überarbeiteten Buckel liefern könne. Damit starb der schöne P179. In wahrstem Sinne – der Prototyp musste zur Fahrerprobung herhalten (der Amazon sollte sein Fahrwerk bekommen), wobei er eines Tages von der Straße abkam, sich zweimal überschlug und auf dem Schrott endete.