Frischer Wind – Volkswagen Passat I

Frischer Wind – Volkswagen Passat I


Marktbeobachtung

Wie machte das erste Frontantriebsmodell mit wassergekühltem Motor von VW? Na, in etwa so: "Fiiiiieeeeehh...!" Ein Klassiker. Was, wenn nicht seine pfeifenden Windgeräusche, passte besser zu einem Auto, das nach einem Wind benannt wurde?

Rar sind sie geworden, die Passat der ersten Generation. Um so mehr nehmen sich Liebhaber der aussterbenden Spezies an. Um so verwunderlicher, dass sie noch immer für ganz kleines Geld zu bekommen sind.

Noch bevor der Golf sich anschickte, Volkswagen's Dauerrenner zu werden, debütierte der Passat. Der vom Audi 80 abgeleitete Wagen mit Fließheck war filigran gezeichnet, fast leicht und zierlich, bis zur B-Säule entsprach er seinem Organspender aus Ingolstadt. Dieser Volkswagen bot bemerkenswert viel Platz für seine Außenmaße, er beschleunigte mit vergleichsweisem Nachdruck und fast ohne Nebenwirkungen ("Fiiiieeeeh ...!").

Herrlich abzulesen waren an ihm die zeitgenössischen Modeströmungen: Unser Netzfang in der Kombination gelb/grün ist schlicht ein "Must have" für Enthusiasten, sämtliche originalen Fahrzeugunterlagen sind erhalten geblieben. Man beachte außerdem die Vordersitze mit ihren integrierten Kopfstützen, in den USA gern als "Tombstones", als Grabsteine bezeichnet – das passt wie Wolfs und Burg.

Der Passat brach nicht nur mit den antriebstechnischen Traditionen von VW, er beendete auch das Zeitalter der "Geldschrankautos" vom Mittellandkanal. Nix mehr mit geschraubten Seitenteilen, die sich nach einem Unfall praktisch und kostengünstig tauschen ließen – der Rotstift regierte im Verwaltungshochhaus, das mit seinen 14 Stockwerken ungefähr nur halb so hoch wie der Wolfsburger Schuldenberg von damals war. Als keine Bank in Deutschland VW auch nur einen Pfennig für die Löhne und Gehälter zur Verfügung stellte, brachten Geheimkuriere geliehenes Bargeld kofferweise aus den Vereinigten Staaten nach Niedersachsen. 

Unaufgeregt lief dort der neue Passat vom Band, wer heute eines der seltenen Exemplare ergattern kann, sollte dennoch auf komplette Fahrzeuge achten und im Zweifelsfall lieber gleich ein anständiges Fahrzeug einer "Hütte" mit zweifelhaften Restaurierungserfolgen vorziehen. Merke: Wer billig kauft, kauft doppelt. Und genau das wird beim Passat der ersten Generation langsam schwierig.

Für fast schon lachhafte 2.900 Euro gibt es den heutigen Netzfang – eines der ersten Exemplare des Passat, gerade einmal mit Gummilippe auf den Stoßfängern. Zugreifen!