Forza Sportiva – Fiat 128 Sport

Forza Sportiva – Fiat 128 Sport

Mit dem Fiat 128 Sport hatten die Turiner Anfang der 70er ein heißes Eisen im Programm. Charles Kortte besaß bereits seinerzeit mehrere der quirligen Sportcoupes und wurde nun wieder rückfällig – den Jugenderinnerungen sei Dank

Der Fiat 128 leitete 1969 bei dem Turiner Autokonzern eine konstruktive Wende ein: Statt Heckantrieb setzte die Italiener nun auch auf Frontantrieb mit quer eingebauten Motoren. Die zwei Jahre nach der Limousine präsentierte Coupé-Version führte dieses Prinzip konsequent fort. Sie gefielen durch Wendigkeit und sehr flotte Leistungsentfaltung.
Genau diese Eigenschaften waren es, die Charles Kortte (schleppy) Anfang 1980 dazu bewogen, sich ein 128 Coupé als erstes eigenes Fahrzeug auszusuchen. „Meine Freunde fuhren fast alle 02 BMW, aber so einen konnte ich mir nicht leisten. Als der Münchner dann feststellte, das der Fiat spritziger war als ein 1602, habe ich mir gedacht, der tut’s allemal!“ Wenn ein Coupé der Rost gefressen hatte, folgte das nächste. „Insgesamt fünf Stück habe ich damals verschlissen, vier davon sind anschließend direkt auf dem Schrott gelandet“, erinnert sich der gebürtige Norddeutsche, den es bereits als Schüler in die bayerische Landeshauptstadt verschlagen hat. Lediglich das letzte Exemplar dieser Reihe verkaufte der gelernte Kfz-Mechaniker weiter, um damit den finanziellen Grundstock für den Kauf eines Mittelmotor-Targa vom Typ Fiat X 1/9 zu legen. „Das war ein Fehler!“ räumt der 46jährige heute ein. „Den Wagen habe ich mir schön hergerichtet, ihn drei Monate gefahren – und dann festgestellt, dass er eigentlich nichts für mich ist.“ Als sich dann auch noch Nachwuchs einstellte, war der Verkauf des Bertone-Keils beschlossene Sache. Künftig fuhr Charles Kortte Familienkutschen vom Schlage eines 123er Benz. Das war 1988. 20 Jahre später waren die Sprösslinge selbst in einem Alter, sich hinter ein Autosteuer zu setzen, und beim Vater setzten mit Macht die Erinnerungen an die eigene Sturm- und Drangzeit ein. Da fiel ihm im Internet das Inserat eines in Deutschland lebenden Italieners auf, der ein Fiat 128 Coupé anbot. Der Mann hatte den Sport-Fiat fünf Jahre zuvor aus einem Heimaturlaub mitgebracht und ihn in Deutschland mit H-Kennzeichen zugelassen, und das trotz einiger Modifikationen. So leistet das 1300er Triebwerk unter anderem dank einer schärferen Nockenwelle einiges mehr als die serienmäßigen 75 PS. Um den Vortrieb zügeln zu können, hatte der Vorbesitzer seinem Zweitürer die vordere Bremsanlage aus einem Uno Turbo installiert.
Für zivile Drehzahlen im Alltagsbetrieb zeichnet das Fünfganggetriebe aus einem Fiat Ritmo verantwortlich, das an die Stelle der serienmäßigen Viergang-Schaltbox gewandert war. Ein höhenverstellbares Fahrwerk sorgt in Verbindung mit 185/60er Reifen für eine bessere Bodenhaftung, Pilotensitze aus einem X 1/9 für den nötigen Seitenhalt und eine ANSA-Vierrohr-Auspuffanlage für standesgemäßen Sound.
Wenn das nicht reicht, verwöhnt eine Musikanlage mit Aktivboxen aus den 80er Jahren im Heck die Ohren der Insassen. Ansonsten musste er nur einigen Verhau in der Elektrik beseitigen, am Blech war nichts zu bemängeln: „Das meiste ist noch originales Blech, im Motorraum zum Beispiel oder an den hinteren Radhäusern, wo sie fast alle gammlig waren. Der Vorbesitzer hat mal die Außenschweller erneuert, aber das ist ordentlich gemacht worden, genau wie der Lack,“ berichtet der Fiat-Fan. Der Einstieg in den 128 Sport L gerät für Charles Kortte, den sie in München und Umgebung nur als „Schlepper-Charly“ kennen, zum Besteigen einer Zeitmaschine: „Damit habe ich mir einen Jugendtraum zurück geholt“, gibt er zu und auch, dass er die Touren mit dem knackigen Coupé zumeist allein genießen muss. Denn seine bessere Hälfte lehnt den Flitzer aus den gemeinsamen Anfangstagen ab – sie mag ihn nicht. Vielleicht hätte Charly Ihr gegenüber die Tour zum Kauf des Fiats vorher erwähnen sollen – und sich nicht ausgerechnet an ihrem Geburtstag Richtung Stuttgart aufmachen sollen, um seine Italienerin abzuholen...

Diese Heldengeschichte über das Fiat 128 Sport Coupé entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds schleppy.