Ford Fiesta I

Ford Fiesta I


Marktbeobachtung

Als die neuen Ford Fiesta 1976 in den mit Waschbetonplatten ausgelegten Schauräumen der Ford-Händler geschoben wurden, hätte niemand geglaubt, dass ein solch ford-schrittliches Auto einst Gegenstand einer automobilhistorischen Betrachtung würde. Dass es dazu nicht käme, dafür hatte Ford vorgesorgt: zum Beispiel mit einer lausigen Rostvorsorge.

"Das neue Format" titelte 1976 markig der druckfrische Prospekt des Ford Fiesta. Und tatsächlich war dieses Auto für Ford beinahe revolutionär – für Ford, wohlgemerkt. Denn Frontantrieb und Kompaktmaße bot die Konkurrenz bereits seit Jahren. Fiat 127, Renault 5, Audi 50 /VW Polo hieß die Konkurrenz, der die Kölner endlich Paroli bieten wollten. So entwickelte man seit 1971 das Projekt "Bobcat". Hätte man doch den smarten Entwicklungsnamen beibehalten, der das knuffige Auto so viel treffender charakterisiert hätte. Zumindest im deutschsprachigen Raum wäre vor allem den späteren Generationen dieses Typs die schmähende (und zutreffende) Bezeichnung "Fiieesta" erspart geblieben.

Doch erst einmal hatte Ford richtig Gas gegeben. Der neue Kleine wirkte bereits äußerlich angenehm auf das Wesentliche reduziert: Knackig-kurze Überhänge, klare Frontgestaltung, keck nach hinten aufschwingende Fensterline, schnörkel- und chromlose Flanken. Das, bitteschön, sollte ein Ford der 70er Jahre sein?

Er war es. Angesichts des übrigen, wabbelig-verschwurbelten Designs à la Taunus und Granada I konnte man den neuen Fiesta schon fast als das Rolf-Benz-Sofa inmitten des Kölner Barocks bezeichnen. Innen war der Kleine ebenso sachlich eingerichtet, mit einem Hang zum Blechschwein. "Däng!" machten die Türen, "Knarz!" das Hartplastik und "Dröhn!" die Motörchen zwischen 1,0 und 1,1 Liter Hubraum. Für Freunde der amtlichen Geschwindigkeit hatte man die 1,3-Liter-Maschine in petto. Es gab den Fiesta als spartanisches Grundmodell, als andeutungsweise ausgestatteten "L", plüschig-schaurigen "Ghia" und als Maurer-Lotus "S". Knallgrelle Karomuster gaben dem Interieur einen Hauch von Zielflaggen-Atmosphäre, und tatsächlich sorgte der bereits umschriebene Lärmpegel der Triebwerke zumindest für den akustischen Eindruck, man führe 180 statt 128 Sachen.

So röhrten die Fiesta MK I bis 1983 von den Fließbändern, danach residierte bis 1989 die geliftete Version, der man ihren Ursprung auf den zweiten Blick immer noch ansah. Innen verdrängten alberne und klapprige Drehschalter sowie andere verformungsfreudige Plastikkomponenten den sachlichen Ursprungsentwurf. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nicht die unkaputtbare Mechanik raffte die erste Fiesta-Generation dahin, sondern die braune Pest. Radläufe, Frontschürzen, Schweller, Anbauteile und Dämpferdome wurden zur bevorzugten Leibspeise der Korrosion, der Ford großzügige Portionen an relativ unbehandelten Problemzonen auftischte. Mahlzeit! Ansonsten folgte der kleine Ford dem Volkswagen-Motto: Läuft und läuft und läuft ...

So ist Fords Pionier der Kompaktklasse heute fast vollständig aus dem Straßenbild getilgt. Ihre letzten Alltagsschlachten fochten die Fiesta MK I vor rund zehn Jahren. Wer jetzt, wie aktuell angeboten, einen Serie-!-Fiesta mit niedriger Kilometerleistung und in fast unversehrtem Zustand ergattern kann, sollte nicht lange überlegen. Denn die oftmals noch müde belächelten Kleinwagen der Mittsiebziger etablieren sich langsam. Polo und Audi 50 sind bereits dort angekommen, wo Fiat 127 und der erste Renault 5 sich längst befinden: im anerkannten Youngtimer-Status. Der Fiesta MK I steht, gemeinsam mit dem VW Derby, noch etwas verschüchtert an der Schwelle zum modernen Klassiker. Ihnen und ihren Sympathisanten sei zugerufen: Nur Mut!

Das Angebot finden Sie hier.