Ford Capri 2.3 V6 Ghia

Ford Capri 2.3 V6 Ghia


Marktbeobachtung

Ford Capri. Ein Name wie eine abgewetzte Lederjacke. Heulende V6-Maschinen. Leistungsarm und schadstoffstark. Ein Auto aus der Zeit von Hubraum statt Spoiler. Moment: Es gab ihn sowohl als possierliches Caprichen mit 1.3 Liter-Motor als auch mit 2.0 Liter – und Spoilerlippe. Tja. Damit wäre eigentlich alles gesagt über dieses Coupé. Oder?

"Wenn bei Caaapriii die rooote Sonne im Meer versiiiinkt ...." – Rudi Schuricke, Schmalzbarde der teils unsäglichen 1950er Jahre, stand dem Marketing-Gedanken der Kölner Ford-Werke ausnahmsweise einmal nicht Pate. Jedenfalls nicht bei diesem Auto: dem Capri. Der sollte Ende der 60er mal so richtig die Szene aufmischen und der Konkurrenz beweisen, dass man mit solch einer Coupé-Konstruktion sowohl den langmähnigen Single, den adrett frisierten Ehemann als auch den jugendlich gebliebenen Familienpapa einsacken kann. Ford konnte. Der Capri kam, beschleunigte die Herzen aller genannten Zielgruppen und siegte. 

Drei Generationen umfasst die Historie dieses Urtyps des familientauglichen Coupés, des Maurerporsches vom Rhein, des Konkurrenten des bald lancierten, ewig Zweiten Manta. Im Prinzip wurden in 20 Jahren Capri-Fertigung lediglich die Heckklappe, Frontscheinwerfer, Heckleuchten und Stoßstangen geändert. Irgendwann begann der leistungsmäßige Einstieg nicht mehr bei 1.3, sondern bei 1.6 Litern (wow!) und endete im grimmig-martialischen Capri III 2.8 injection mit Käseloch-Alus und Bicolor-Lackierung. 

24 Jahre ist es her, dass der letzte Capri vom Band lief. Seitdem und seit seinem Image- und preismäßigen Niedergang ist bereits viel Zeit vergegangen. Noch immer findet man zwar im Netz Angebote von 500-Euro-Exemplaren. Unser Tipp jedoch: Finger weg, wenn Sie nicht gerade einen Ersatzteilträger benötigen. Die Sonderangebote stehen meist seit 12 Jahren auf einem windgeschützten Acker, der Hühnermist wurde auch regelmäßig aus dem Innenraum entfernt und beim letzten Startversuch ist er garantiert sofort angesprungen. Ja. 1988 war das, bevor der billig erstandene Dreier-Capri abgemeldet wurde, weil das Azubigehalt nicht zu seinem Weiterbetrieb reichte. Danach kaufte man sich einen Probe, heute fährt man einen familiengerechten Mondeo Turnier, und, achja!, da war ja noch was: der Capri auf der Weide. 

So oder so ähnlich sahen viele Capri-Schicksale aus. Dazwischen ritten tatsächlich Maurergesellen die flotte Flanke aus Köln hernieder, für den statusgerechten Auftritt mit durchdrehenden Rädern vor der Dorfdisco (die man damals tatsächlich  mit "c" schrieb, weil die Ostalgie noch nicht erfunden war) sorgten die GFK-Auswüchse der Fachbetriebe Kamei, Zender und Konsorten. 

Wer Glück und automobilhistorisches Gespür hatte, rettete Ende der 80er Jahre den einen oder anderen Capri von der Schrottwiese des lokalen Ford-Dealers. Für 100 D-Mark gab`s den 90 PS V6 in ausgeblichenem Rot mit 175er Trennscheibenbereifung auf Stahlrädern. Das war das Beste, was einem kultivierten Käufer passieren konnte – siehe oben. Und drei Monate TÜV hatte die Karre auch noch. Top! DEN würde man ewig aufheben!

Zurück im Jahr 2008 finden wir einen Ford Capri III, unverbastelt, nahezu unbeschädigt, mit unverspoilerter Kofferraumkante. Nicht nur, das gute Capris selten sind – einen guten (und preismäßig akzeptablen) Ghia zu finden ist in etwa so verbreitet wie ein Rilke zitierender Caprifahrer der Generation Kamei.

Hier haben wir nun unseren seltenen Fang. Neulack, schwarzes Original-Vinyldach, rotes Velour, Automatic, Stereo-Cassettenradio "Coburg", Stahlschiebedach, Serien-Alus. Das Ganze für einen angemessenen Kurs, man sollte noch den TÜV und die AU aushandeln, und ab Juni dieses Jahres gibt's das H-Kennzeichen. Sicherlich ohne Probleme. Fazit: Ein guterhaltenes Exemplar eines bildschönen Typs mit zeitgenössischen Komfort-Extras und immerhin schon einem V6 unter der langen Haube – wenn auch nur mit 107 PS. Das ist Luxus nach Ford-Manier, das ist Ghia. Nur das fisselige Zweispeichen-Lenkrad darf getrost gegen das Dreispeichen-Sport getauscht werden. Sie wissen schon: das mit den eingeprägten, gekreuzten Rallyeflaggen in der Nabenabdeckung.

Das waren noch Zeiten, als Radios "Blaupunkt Coburg" hießen. Und Rudi Schuricke aus ihnen schrammelte: "Bellabellabellaahmariiiiiie, vergiss' mich niiiiiee ..." Wenn Sie jetzt meinen, dies sei eine grauenhafte Vorstellung, schließe ich Sie schon morgen in den bereits erwähnten Ford Probe ein. Mit David Hasselhoff in Endlosschleife. Und permanent angeschlossenem Batterieladegerät.

Das Angebot finden Sie hier.