Ford 17m Hardtop Coupé

Ford 17m Hardtop Coupé


Marktbeobachtung

Zum Fiasko mit Pauken und Trompeten geriet die Vorstellung der neuen großen Ford-Modelle in der Bonner Beethovenhalle im Jahr 1967. Die Veranstaltung war wahrlich kein Wunschkonzert für Ford-Generaldirektor Max Ueber, der sich so manchen Misston aus Journalistenmund anhören musste. Heute sind wir ganz dankbar für den schlechten Geschmack der Ford-Bosse, ohne den es den P7a nie gegeben hätte.

Max Ueber war, dies sei zu seiner Rechtfertigung gesagt, ferngesteuert aus Detroit. Dort, in der Ford-Konzernzentrale, wusste man, dass die Kunden lieber Autos mit wenig Technik und viel Chromnippes wünschten. Dieses etwas schale Erfolgsrezept setzten die Chefköche aus Amerika auch der Kölner Mannschaft vor. So wurde binnen kurzer Zeit aus der gelobten "Linie der Vernunft" die barocke Formensprache der großen Ford-P7a-Modelle. Niemand wollte sie haben.

Gewürzt hatten die US-Konzernchefs ihre verordnete Linie mit der Erlaubnis, dass Fahrzeuge aus Kölner Produktion erstmals nach dem 2. Weltkrieg wieder den Ford-Schriftzug tragen dürften. Das schmeckte zwar den Marketingexperten am Rhein, ansonsten aber mussten die "Fordianer" an den Produktionsbändern bald fürchten, vor leeren Tellern zu sitzen. Die neuen großen Ford-M-Modelle gingen innerhalb der allgemeinen Zulassungszahlen unter wie Vitamine in einem Cheeseburger. Ford musste reagieren, und dies schnell. Bereits zum Modelljahr 1968 präsentierten sich 17m bis 26m als Baureihe P7b in einem geglätteten Blechkleid, das formal wieder an den beliebten Vorgänger P5 erinnerte. 

So kommt es, dass Fahrzeuge wie der von uns im Netz aufgespürte und zum Verkauf stehende Wagen extrem selten sind: Nicht nur, dass es sich um den "Hüftschwung"-P7a handelt: Es ist sogar ein Hardtop-Coupe, wenn auch in der Brot-und-Butter-Variante, nämlich als Vierzylinder. Quasi der Ford Fairlane für Fliesenleger. Oder der Dodge Charger für Buchhalter. Wir jedenfalls freuen uns sehr über dies rare Fundstück. Denn insgeheim mochten wir schon immer formal verschwurbelte Karosserien, die ein wenig nach Wyoming ausschauten – auch, wenn es dann doch wieder nur nach Wanne-Eickel ging.

Hätten die Herren aus Detroit nicht so fundamental daneben gelegen, wir wären nie in den Genuss des beschwingten Kantenhaubers aus Köln gekommen. Der aus Alu gepresste Kühlergrill simuliert Chrompracht, die Hardtop-Flanken lassen sich dank der voll versenkbaren Seitenfenster zur Sonnenbank umbauen und hinten schaut Dich der P7a aus verengten Katzenaugen an. Unter der Haube werkelt der unzerstörbare Ford-V4, der bis zu fünf Passagiere bequem zu jedem Ziel zwischen Hamburg und Haiti bringt. Nur schnell ist der 17m nicht, und das ist auch gut so: Stärkeren Motoren und draufgängerischen Fahrmanövern zeigte das vorsintflutliche Starrachs- und Blattfederkonzept schnell seine Grenzen auf. Sie verliefen meist quer zum Straßengraben.

Die für den Ford aufgerufenen 9.800 Euro entsprechen fast 20.000 D-Mark, was in etwa dem doppelten Neupreis des 17m Hardtop Coupés entspricht. Wer jedoch einen Narren an dem Kölner gefressen hat, sollte sich das Angebot ernsthaft betrachten. Der auf den Fotos dokumentierte Zustand dürfte seinesgleichen suchen, und die raren Extras Schiebedach und Automatic verstärken die Lust, mit gemächlichen 80 Sachen durch die frühlingshafte Eifel zu reisen. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick könnte solch ein Vorhaben in kurzer Zeit Realität werden. Über die erwähnten Qualitäten des Coupés hinaus scheint sich die Blechsubstanz des angebotenen 17m nicht in Richtung Blätterteig zu bewegen. Auch sonst scheint der Ford komplett zu sein, es fehlen weder Zierteile noch ist die Innenausstattung verschlissen.

P7a-Modelle zählen zu den heute extrem seltenen automobilen Erscheinungen auf unseren Straßen. Sie sind stark unterrepräsentiert durch ihre kurze Bauzeit, ihren damaligen "Verbrauchswagen-Charakter", durch Rost und – durch Jugendsünden: Auch ich erinnere mich an die letzte Fahrt in meinem offenen Hardtop-17m. Beim Stoppelfeldrennen 1988.