Fire all Weapons – Chevrolet Corvette

Fire all Weapons – Chevrolet Corvette


Marktbeobachtung

Schrecklich, diese Umweltunglücke, bei denen Öltanker irgendwo in den Wellen zerbersten und ganze Küstenstriche unbefischbar machen. Stachelrochen werden hiervon besonders dezimiert, vor allem die bereiften Exemplare, die aufgrund von Benzinmangel auf dem Boden bleiben müssen.  

So ziemlich jeden Stachel einzeln zog die sogenannte Ölkrise 1973 den Corvette C3 Stingrays. Wer noch kurz zuvor lustvoll im Saft des 7,4-Liter-Big Blocks geschmort hatte, fand sich nunmehr in einem augetrockneten Flussbett wieder – in der erniedrigenden Gestalt der auf 5,4 Liter und 350 CUI eingedampften Small Blocks. Welch Katastrophe. Die Einfädelungsspuren der Autobahnen würden nie wieder schwarz sehen, so lahm und zahm drehten sich fortan die Antriebsräder.

Nun ja. In der Bundesrepublik reichte das noch zum Angeben. Wer seinerzeit mit einer flachbrüstigen Hubraumflunder (Capri 2300) stolz wie Oskar durch die Gegend tuckerte, wurde von den urplötzlich aus dem Nichts wirkenden brachialen Zentrifugalkräften einer überholenden Corvette Stingray schlichtweg planiert wie ein Stück Eisenerz in einer Detroiter Stahlpresse. Dabei verbrauchte der Rochen soviel Treibstoff, mit dem man mühelos den Capri mehrere Tage lang unter Vollast hätte laufen lassen können. Achnaja.

Neben dem völlig überbewerteten Smog gab es ein weiteres, signifikantes Zeitzeichen unangemessener Hysterie: den Sicherheitsgedanken. Ihm fiel ab 1975 das LSD-rauschartige Stingray Cabriolet zum Opfer; zum Glück kamen die Coupés seit jeher mit ihren herausnehmbaren Dachhälften (T-Top) daher. Denn allen Unkenrufen zum Trotz gab es noch immer Frischluft! Woher die bloß kam?

Sie reichte in jedem Fall nicht nur für die Passagiere der Corvette C3, sondern vor allem auch zur Beatmung des noch immer respektablen Motörchens unter ihrer ellenlangen, muskulös geschwungenen Haube, die, weit weit da hinten, ihren GfK-Stachel in die Piste zu treiben schien.

Trotz des politischen Unbills bemühte man sich im GM-Mutterhaus, Contenance zu bewahren und das Kind namens Corvette C3 weiter groß zu ziehen. Immerhin  war die Vette eines der finanziell zugkräftigsten Pferde im Stall. So blieb man immer up to date und experimentierte, ganz im Geist der Zeit, mit Flügeltüren und Wankelmotorisierungen. Beides blieben Spielereien – das Publikum liebte die Corvette C3 ob ihrer Hemdsärmeligkeit.

Bis 1983 hielt sich die Corvette C3 mit ihren Bügelfalten auf den geschwungenen Kotflügeln, dann glättet sich ihr Polyesterkleid. Ihre mechanische Geradlinigkeit hat sie bis heute unverbrüchlich behalten.

Autor: Knut Simon

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