Fiat Topolino  500 C >Belvedere<

Fiat Topolino 500 C >Belvedere<

Es mag merkwürdig klingen, aber alles begann mit einer Idee von Benito Mussolini. 1930 hatte der "Duce" den Senatore Giovanni Agnelli zu sich gerufen, um ihn von der unumgänglichen Notwendigkeit in Kenntnis zu setzen, die Italiener mit einem preiswerten Auto zu motorisieren. Der Preis des Gefährts sollte die Summe von 5.000 Lire nicht überschreiten.

Das war eine Idee mit großer Propaganda-Wirkung, die von Hitler, als er an die Macht kam, bald kopierte, indem er Ferdinand Porsche beauftragte, einen "Volkswagen" zu bauen, der die Kosten von 1.000 Reichsmark nicht überschreiten sollte – die Geburt des legendären "Käfers"!  (Quelle: www.mein-italien.info).

Es war im Jahr 1990. Die Geschäfte mit der Autokunst liefen prächtig. Es stand eine Auslieferung in die benachbarte Schweiz an. Normalerweise war das ein Job für den Lieferwagen: Ein Buick Estate – selbstverständlich mit Big-Block! Natürlich war der für den Transport eines Kunstdruckes leicht unterfordert, aber das war der >Zeitgeist

Nun war aber just an diesem Tag herrlichstes Wetter. Deshalb die Entscheidung, den Transport des Editions-Prints zusammen mit der Gattin und deren Alfa-Spider vorzunehmen – war im Alfa-Kofferraum auch problemlos möglich.

Es ist alles prima gelaufen. Und weil’s so schön war, und weil’s auf der Strecke war, besuchten wir auf dem Heimweg ein Oldtimertreffen in Lörrach – und da stand er: ein Topolino-Belvedere. Immer wieder bin ich um den herumgeschlichen. Meiner Gattin fiel das natürlich auf, und sie meinte. "Also so was brauchen wir nun wirklich nicht". Natürlich hatte sie wie immer recht. Gleichwohl hab ich mir von dem Verkäufer, einem freundlichen älteren Herrn, die Telefon-Nummer geben lassen. Halt so.

Nach einer Woche hab ich dann doch angerufen. Nur so. Der Verkäufer war grad nicht da, aber seine Ehefrau gab mir die Auskunft, dass der Topo noch da wäre. Hab dann mit ihr einen Termin auf den kommenden Sonntag vereinbart. Halt so.

Und wieder schönstes Alfa-Wetter. Aber bei der Ankunft eine bittere Enttäuschung: "mein" Fiat Topolino Belvedere war weg! Ein Missverständnis beim Telefonat – es war ein anderer Topo gemeint. Und jetzt: Die ganze Überzeugungsarbeit bei der Gattin unter Berücksichtigung der Mondphasen und des Hormoinspiegels umsonst? Dem freundlichen älteren Herrn war das sichtlich unangenehm. Und nach einer Weile nahm er mich zu Seite: "Wenn Sie unbedingt einen brauchen, dann hätt ich vielleicht noch einen". Er führte mich hinter sein schmuckes Häus´le – und dort stand in einem Schuppen mein Traumwagen. Aber zunächst erinnerte mich die Szenerie eher an Dornröschen.

... eine Restauration war bitter nötig

"Den könnt ich Ihnen richten". Der Deal war perfekt. Ein fairer Preis war ausgehandelt, eine angemessene Anzahlung wurde geleistet. Als Zeitrahmen wurden zwei Jahre vereinbart. Er hat sich an´s Werk gemacht. Und von da an war es jedes Frühjahr ein schönes Ritual:
Der gute Mann wohnt im schönen Rheintal. Das ist eine herrliche Gegend. Und im Frühjahr gibt´s dort den besten Spargel – und den besten Wein. Also jedes Jahr im Frühling den Topo besuchen, die Fortschritte in Augenschein nehmen – und im Anschluß gut tafeln.

Zeitsprung. Im Herbst 2010 bekomme ich eine Mail vom Sohn, mit der frohen Botschaft: Der Topo ist fertig zum Abholen.
Doch wie abholen? Per Anhänger? Eher nicht. Wem wie mir schon zweimal ein Hänger von der Kugel gehüpft ist, der ist diesbezüglich ein bisschen traumatisiert.

Ein Freund hat die geniale Idee: Der müsste eigentlich in einen geschlossenen Sprinter reinpassen! Und das hat funktioniert!

Fiat Topolino im geschlossenen Sprinter

Die Heimreise war total easy und teilweise in Geschwindigkeits-Regionen, die ihm aus eigener Kraft versagt geblieben wären . . . Man muß nicht hinter Allem den tieferen Sinn suchen. Vielleicht war es die Suche nach der Langsamkeit? Also: Auf Nebensträßchen über die Schwäbische Alb in Richtung Oberschwaben. Und in einer Garten-Wirtschaft einkehren, was Herzhaftes essen, was trinken. Und dann zum Schlafen in´s Topole kriechen. Halt so.

dennenmoser@autokunst.de