Ferrari Dino 308 GT4

Ferrari Dino 308 GT4


Marktbeobachtung

Eigentlich wäre es eine schöne Geschichte: Sportwagenkonstrukteur mit Benzin im Blut benennt Auto nach eigenem Sohn. Aber der Sohn ist längst tot, als der Wagen aus der Taufe gehoben wird.

Zehn Jahre war Alfredo Ferrari bereits tot, als 1966 der nach ihm benannte Dino 246 GT das Licht der Welt erblickte. Denn "Alfredino" war seit jeher von Vater Enzo Ferrari als der ersehnte Erbe auf dem Familienthron vorgesehen. "Dino", wie ihn der Vater liebevoll rief, besuchte nur die besten Schulen und Universitäten Europas, bevor er  – nach Lesart des Commendatore – die besten Sportwagen der Welt konstruieren sollte.

Das begann Dino dann auch mit Erfolg, dem jedoch ein Muskelschwund-bedingtes Nierenversagen im Alter von 24 Jahren ein jähes Ende bereitete. Vater Enzo trug seinen Sohn zu Grabe und Jahre lang eine schwarze Krawatte. Täglich fand man ihn am Grab des Sohnes, den er schließlich 1966 wieder auferstehen ließ – als Markenname.

Dino wurde zum Lebensretter. Mit dem ersten Ferrari-Achtzylinder unter der von Bertone entworfenen Karosserie legte der Dino 308 GT4 ab 1974 den Grundstein für die "Mittelklasse" von Ferrari, die das meiste Geld einbrachte und dem Unternehmen einen kalkulierbaren Gewinn verschuf. Die Geister stießen sich an den Kanten der Karosse, an der Ferrari sechs Jahre fest hielt. Unter dem kühlen Design jedoch tobte der Dreiliter-V8. Dies zwar auch nicht so kompromisslos, wie man es von einem Ferrari erwartete, aber das machte in diesem Fall nichts, war doch der 308 GT4 das Paradebeispiel für einen Kompromiss der besonders verzwickten Sorte. Denn Sportwagen, Mittelmotor und vier Sitzplätze – das ganze Auto wog schließlich 1.300 Kilo und war damit eher zum Tourer als zum Gran Sport geworden. Dennoch ließen einen die Leistungsdaten freudig mit dem Zündschlüssel klimpern:

Seine 256 PS katapultierten den Dino 308 GT4 in 6,4 Sekunden auf 100 Km/H, Vmax stand bei 247 Sachen an. Innen dominierte die neue Sachlichkeit in Form eines Jet-ähnlichen Cockpits und streng gezeichneter Ledersitze. Mit einer Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent befand sich der GT4 in einer deutlich angenehmen Lage, der querliegende Mittelmotor brach zwar los wie ein Tier, dem Eigner jedoch nicht das Genick. 

Der hier vorgestellte 308 GT4 von 1977 befindet sich mechanisch in einem perfekten Zustand. Man kann ihn, wie einen VW Golf V, problemlos im Alltag bewegen, und damit sei nicht auf die Elektronikprobleme des Wolfsburgers angespielt. Drei Lackschichten bedecken den blauen 308 GT4 mittlerweile, dessen Karosse hier und da der Beobachtung bedarf. Kleine Lackbläschen zeigen sich an der Haube und an weiteren Partien. Es sind keine Durchrostungen vorhanden.

Ebenso patiniert zeigt sich der Innenraum, der deutliche Gebrauchsspuren aufweist, aber trotz Kiez-Einsatz in Hamburg vor peinlichen Hi-Fi-Einbauorgien verschont geblieben ist. Dieser 308 erzählt lebhaft seine Geschichte, mit einer von Husten unterlegten rauhen Stimme, die unverkennbar ist.

1976 verschwand der Name "Dino" von den 308 GT4-Hauben, um dem Cavallo Rampante Platz zu machen. Der verlorene Sohn war heimgekehrt.