Ferrari 400i

Ferrari 400i


Marktbeobachtung

BMW und Diesel? Jaguar und Kombi? Ferrari und Automatik? Niemals würde eines von diesen drei Szenarien eintreffen. Vorher würde James Bond Wodka statt Martini trinken, die Concorde aufgrund zu hoher Betriebskosten am Boden bleiben und Fidel Castro um politisches Asyl in den USA bitten. Heute sind wir schlauer als im Jahre 1976. Lediglich auf die Ankunft von Castro's Schlauchboot in Miami warten wir noch.

Dio mio: Ein letztes Mal jubelte das Gasgemisch den Atem der Siebziger, bevor auch bei Ferrari moderne Zeiten anbrachen. Die Baureihe 400 war die letzte Zwölfzylinder- Frontmotor-Art, die Commendatore Enzo mit Vergasern bestückte. Danach ging's ans Eingespritzte. Doch damit nicht genug: Der 400 war das Übergangsmodell zu endgültiger Verweichlichung – jedenfalls aus Sicht 120prozentiger Ferraristi. Die Sportwagenschmiede aus Maranello besaß die Unverfrorenheit, den 400 als ersten Ferrari mit Automatikgetriebe anzubieten. Madonna!

Doch damit nicht genug: Nur ein Viertel der Käufer wählte den 400, der in der Vergaserversion bis 1979 400 GT hieß, mit dem manuellen ZF-Fünfganggetriebe. Die Mehrheit griff zum Wählhebel der Dreigangautomatik, die aus den USA eingekauft wurde. Auch die Ferrari-Kundschaft schien nicht mehr die zu sein, die sie einmal war ...

Der aktuell angebote Pininfarina-Beau ist einer der ersten Vertreter der Einspritz-Generation mit Namen 400i. An statt der sechs Weber-Doppelvergaser (die Ferrari seitlich verbaute, um die Bauhöhe des Zwölfzylinders gering zu halten), schlingt eine Bosch K-Jetronic ihre Tentakeln um den immer wieder beeindruckenden Motorblock. Das muss einen aber nur bedingt grämen, denn durch den Einsatz bewährter Bosch-Technik wurde endlich auch ein Ferrari ein  halbwegs zuverlässiges Alltagsauto. Oops. Womit wir wieder beim Thema Verwässerung wären. Denn eigentlich soll ein Ferrari ja nicht zum Einkaufswagen mutieren. Andererseits hatte der Sportwagenbauer seine besten Erlöse ausgerechnet mit seinen klassischen 2+2-Varianten verdient, ein Marktsegment, das mit dem 400i vervollkommnet wurde.

Allerdings: Auch eine K-Jetronic aus Teutonien unterwirft solch ein stolzes Gesamtgebilde wie einen Ferrari 400i nicht. Entnervte Besitzer, die dann doch mit dem Zweitwagen Jaguar XJ 12 (ach, halt, die waren ja auch immer in der Werkstatt, dann also eher mit dem Mercedes SL der Gemahlin) zum Einkaufen fuhren, sind Legende. Für all diese leidgeprüften Skeptiker von damals ist wohl der Hinweis "Kein Wartungsstau!" im Inserat gedacht. Das lässt hoffen. Vor allem auf einen Käufer.

Preis und Zustand des offerierten 400i sprechen eine deutliche Sprache: Hier steht kein dubioser, unverzollter Import und kein seit zehn Jahren stillgelegtes Exemplar aus fünfter Hand zum Verkauf, sondern ein scheckheftgeplegter Gran Tourismo mit allerlei verbrieften Investitionen in dessen Bestzustand. Den kann man ruhig mal ins Auge fassen. Trotz Schaltgetriebe. Basta.

Autor: Knut Simon