Facel Vega FV 2

Facel Vega FV 2


Marktbeobachtung

Leistung und Luxus im Überfluss, dazu ein Design, das unverwechselbar war und binnen weniger Jahre eine Marke zum Mythos werden ließ: Die Boliden mit Namen Facel Vega waren der ambitionierte und zunächst auch erfolgreiche Versuch, ein vollkommen französisches Automobil der Extraklasse zu schaffen. Gründer Jean Daninos hätte es dennoch bei den zugekauften V8-Motoren aus Detroit belassen sollen – seine Eigenentwicklung ruinierte das Unternehmen.

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Seine Fangemeinde schon gar nicht. Jean Daninos, dem Begründer der französischen Marke Facel, wird es angesichts von Namen wie Stirling Moss, Tony Curtis, Ava Gardner oder Ringo Starr aber wohl auch nicht gestört haben. Alles, was Mitte der 50er bis Mitte der 60er Rang und Namen hatte, fuhr seine atemberaubend schönen und kraftvollen Gran Turismo, die nach dem Stern Vega benannt waren.

In Handarbeit entstanden Facel-Wagen in Paris; auf selbst konstruierten Rohrrahmen ruhten die ebenfalls von eigener Hand gezeichneten und gebauten Coupés, Cabriolets und Limousinen. Den Antrieb kaufte Facel in den USA bei Chrysler ein. 5,4 Liter Hubraum und 250 SAE-PS trieben den Facel Vega der ersten Generation an die 200-Km/h-Marke. Trommelbremsen von bisher nicht dagewesenen Dimensionen verzögerten die Boliden wirkungsvoll, ab 1960 kam die erste Dunlop-Scheibenbremse zum Einsatz.

Facel-Automobile machen auch nach 50 Jahren noch immer sprachlos. Schier grenzenlos scheint die Kraft des hier für 69.000 Euro angebotenen Facel Vega FV 2 zu sein (auch die Facel-Preise sind sich treu geblieben ...), man meint, das handgearbeitete Interieur aus Connolly-Leder förmlich riechen zu können. Es gibt zwar ein Armaturenbrett, doch das sieht eher aus wie ein Cockpit. Diese Maschine umhüllt seine verchromten Schalter mit Leder und seine Insassen mit Luxus, Leistung und Salon-Feeling. Wie gewaltig der FV 2 dimensioniert ist, zeigt sich bei Fahrern mit einer Körpergröße von unter 1,80 Meter: Der obere Kranz des tief geschüsselten Lenkrads befindet sich dann direkt auf Augenhöhe. Die Lenksäule zielte sowieso immer direkt auf den Brustkorb. So war das damals – nicht nur bei Facel.

Verkaufsangebote wie unser aktuelles Beispiel sind selten, denn zumeist bleiben Facel-Automobile in fester Liebhaber-Hand. Es heißt, von einem Facel trenne man sich nur, wenn man bereits den nächsten im Visier habe. Und wer einmal in einem Facel gesessen und gleichzeitig dem flüsternden Blubberton der mächtigen Maschine gelauscht hat, wird dies verstehen. 

Neben der ersten Riege der Schauspieler, Rennfahrer und Musiker zählten auch gekrönte Häupter wie der Schah von Persien und Politker zu Daninos' erlauchtem Kundenkreis, und selbst für Existenzialist Albert Camus müssen die Facel-Wagen so etwas wie Sinn besessen haben: Immerhin fuhr er gern den Facel Vega seines Verlegers – buchstäblich bis zu seinem bis heute ungeklärten Unfalltod in jenem Facel.

Der Tod erreichte auch Facel, als die selbst konstruierten Vierzylinder-Motoren des neuen Einstiegsmodells Facellia reihenweise kollabierten. Die Kosten für auf Kulanz getauschte Triebwerke stiegen in astronomische Höhen, die Verkaufszahlen und der Ruf der Marke dagegen fielen ins Bodenlose. 1964 schlossen sich die Werkstore. Jean Daninos, der seine Marke einst anschickte, zur etablierten Edelkarosserieschmiede zu werden, starb 2001 im Alter von 94 Jahren – mitten in den Versuchen, seine Marke wiederzubeleben. Überlebt haben ihn viele seiner Facel Vega. Ein Stern braucht eben lange, um zu verglühen.

Dieser Artikel von Knut Simon erschien zuerst am 07.02.2008.