Elegant Touring – Studebaker GT Hawk

Elegant Touring – Studebaker GT Hawk


Marktbeobachtung

Wer nach dem Zweiten Weltkrieg einen kraftvollen Tourenwagen erstehen wollte, landete unweigerlich bei feinen Vertretern. ISO, Facel Vega, Talbot, Ferrari hießen die typischen Vertreter. Es ging aber auch preiswerter und nicht minder aufregend: Fast schon zum Dumpingpreis bot Studebaker seinen potenten und eleganten Hawk GT an. Leider hörte die amerikanischen Preisausrufer in Europa niemand.

Dabei hätte Studebaker einen klugen Schachzug gleich zwei Mal ausspielen sollen: In den USA übernahm Studebaker lange Zeit die Vertretung von Mercedes-Benz. Hätten die passionierten Fahrzeugbauer aus South Bend nur etwas hartnäckiger verhandelt – Studebaker hätte im Gegenzug in Europa Fuß gefasst.

Die formalen Voraussetzungen hierfür erfüllte der für amerikanische Verhältnisse auffallend europäisch gezeichnete GT Hawk. Brooks Stevens glättete die Flanken des bisherigen Hawk, zeichnete eine langgestreckte und harmonische Karosse, der endlich die schwerfällig wirkenden Heckflossen abfielen. Zugleich verlieh Stevens dem GT Hawk eine breite, aber sachlich wirkende C-Säule à la Ford Thunderbird. Unter der markanten Haube lauerten potente, im Falle des Super Hawk sogar fast überirdische Kräfte: Mit dem Fünfliter-Big-Block ausgestattet, rannte der Super Hawk ehrliche 246 KM/H. Er war ein wahrer Bolide im Smoking zum Preis eines C&A-Anzugs. 

Doch feine Kreise bevorzugen feinen Zwirn nur, wenn er auch aus feinem Hause stammt. Studebaker hatte zeitlebens zwar stilbildende und technisch teils brillante Fahrzeuge gebaut, diese jedoch immer am Bedarf der Durchschnittsamerikaner orientiert. Seit Jahrzehnten galt das Familenwort der deutschstämmigen Famlie Stutenbäcker: "Gib immer mehr, als Du versprichst." Dies einzuhalten wurde immer schwieriger, die finanzielle Situation in den 50er Jahren immer prekärer. In der Preisschlacht zwischen den Konkurrenten Ford und Chrysler bekam Studebaker Schrapnell um Schrapnell ab. 1954 fusionierte man mit Packard, doch auch dies brachte nichts. 1966 zog sich das Unternehmen, das in seinen vor-automobilen Glanzzeiten im 19. Jahrhundert ein Viertel aller Planwagen hergestellt und die gesamte Nordstaaten-Armee im Amerikanischen Bürgerkrieg mit Wagen aller Art ausgestattet hatte, aus dem Fahrzeugsektor zurück.

Wer heute einen Studebaker GT Hawk erwerben möchte, sieht sich mit zwei alten Studebaker-Traditionen konfrontiert: Erstens kostet solch ein feiner GT nicht die Welt. Und er hält mehr, als er verspricht. Zumindest Letzteres ist selten bei einem amerikanischen Automobil.

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