Ein Phaeton! – VW 181

Ein Phaeton! – VW 181


Marktbeobachtung

Jaja. Richtig gelesen. Und noch nicht einmal ein Witz. Rekruten der Bundeswehr, die in den 70er und 80er Jahren gedient haben, dürfen sich rühmen, die ersten Phaeton gefahren zu haben. Natürlich von Volkswagen.

Es darf bezweifelt werden, dass sie sich dieser Ehre bewusst waren. Immerhin sollten noch 30 Jahre und ein eiserner Vorhang vergehen, bis [[Volkswagen]] seine gleichnamige Oberklassenlimousine auf dem ehemaligem Territorium eines Warschauer-Pakt-Teilnehmerstaates bauen sollte. Das ahnte damals, um 1970 herum, noch niemand.

Durchaus bekannt jedoch war die automobilhistorisch korrekte Bezeichnung für offene Tourenwagen mit Klappverdeck – eben Phaeton. Nur an die dachte niemand, denn längst hieß das Ding Kübelwagen – benannt nach ersten Ausführungen von kleinen Geländewagen ohne Türen, deren "bucket seats", also tief konturierte "Kübel"-Sitze, die Insassen vor dem Herausfallen schützten. Allerdings hätte Phaeton vor dem historischen Hintergrund des VW-Kübelwagens auch gepasst: Phaeton als Sohn des Helios lenkte unerfahren dessen Sonnenwagen, der die Erde verbrannte. Und genau das tat der Wehrmachtskübel. Man darf es nicht wegschreiben.

Wesentlich froher verlief die Karriere des VW 181. In den Krieg ziehen musste der glücklicherweise nie. Als Nachfolger des allradgetriebenen DKW Munga machte der "neue Kübel" seinerzeit das Rennen vor dem großartig geplanten, jedoch nie realisierten Europa-Jeep. Mit Käfer-Technik auf dem Rahmen des Karmann-Ghia wühlte sich der 181er Kübelwagen durch den Staatsdienst. Doch ebenso wie Bundeswehr und Katastrophenschutz fuhren ihn Zivilisten: Der 181 war der beliebte Jagdwagen, das vielleicht erste Fun-Cabriolet mit Geländegängigkeit. Einmal so richtig in Schwung, hatten die 44 PS mit den 1.000 Kilo Gewicht des Kübels leichtes Spiel. Der Kübel meisterte trotz fehlenden Allradantriebs selbst abenteurliches Gelände – quasi mit "No-Tech".

So er nicht arg vom Rost zerfressen ist, ist ein 181 noch heute ein ultimativer Spaßmacher. Umgehend nach dem Einstieg über die hohe Schwellerwand stellt sich das Dauergrinsen ein. Egal ob geschlossen, offen, oder gar offen mit umgelegter Frontscheibe – der Kübel ist dein Freund. Manchmal jedoch wird diese Freundschaft einer im Wortsinn harten Probe unterzogen: "To bucket about" bedeutet nämlich soviel wie "durchschütteln", eine Disziplin, die der Kübel bestens beherrscht. Da gefriert das Dauergrinsen schnell zur schmerzvoll erstarrten Maske.

Wer all das nicht mag, kann das aktuelle Schwestermodell des VW Kübel mit festem Dach, Ledersitzen, Allrad und Zwölfzylinder kaufen. Es hört auf die irreführende Bezeichnung Phaeton.

Die in dieser Rubrik enthaltenen Angebote sind aufgrund ihres Marktcharakters nur temporär aktuell. Die Beiträge bleiben wegen ihres allgemeinen Informationsgehalts jedoch dauerhaft abrufbar. Carsablanca übernimmt trotz sorgfältiger Prüfung keine Haftung für die Inhalte externer Links. Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um eine Kaufempfehlung bzw. eine Zertifizierung.