Driven by Design – Volvo P-1800

Driven by Design – Volvo P-1800


Marktbeobachtung

Pelle Petterson? Nie gehört. Ein Charakter aus einem der vielen Bücher Astrid Lindgrens vielleicht? Ein Taxifahrer aus Malmö? Ein schwedischer Lehrling bei Ghia? Der eigentliche Designer des Volvo P-1800, der ja immer Frua zugeschrieben wird? Genau, die beiden letztgenannten Pettersons meinen wir.

Wie viele Automobildesigner existieren, die ihr Werk nie haben signieren dürfen? Abgesehen von Gerüchten, nach denen weder der Ro 80 von Claus Luthe noch der 911 von Butzi Porsche entworfen sei, existieren handfeste Beispiele dieses eher unschönen Kapitels Automobilgeschichte. Manchmal jedoch, wie im Falle des Volvo P-1800, tauchen sie doch noch auf: die Kreativen, die die Namen der etablierten Karosserieschmieden mit Inhalten füllen. 

Im Falle des Volvo P-1800 schuf Pelle Petterson (offiziell im Namen Ghia's) den endgültigen Entwurf. Eigentlich war es ein seltsames Auto. Die unverschämt hohe Gürtellinie in Kombination mit dem unverschämt niedrigen Dachaufbau schien so rein gar nicht zu dem verschwurbelten Heck mit seinem Walfischflossen zu passen. Waren am Ende doch unterschiedliche Entwürfe kombiniert worden? Oder war das Skurrile am P-1800 seinem Ahnen geschuldet – dem "Buckelvolvo", entworfen übrigens von Pelle Petterson's Vater Helmer, der seinen Sohn ins Spiel gebracht hatte, als man in Göteborg in Sachen P-1800-Design nicht mehr weiter wusste?

In jedem Fall hätte niemand Volvo ein Sportcoupé zugetraut. Doch das so fest wie ein späterer 244 einzementierte Volvo-Weltbild vermochte auch der P-1800 nicht zu erschüttern – er war zwar nicht lahm, aber dennoch kein Roadrunner wie der gleich teure (!) Jaguar E-Type, denn unter seiner attraktiven Hülle werkelte der gute alte Volvo Amazon vor sich hin. Verve plus Volvo – diese Kombination gelang. Immerhin rund 40.000 Exemplare konnte Volvo von 1961 bis 1973 vom P-1800 absetzen, in der Kultserie "The Saint" (Simon Templar) fuhr Roger Moore den P-1800 endgültig in den "Must-have-Orbit" aller Stilbewussten.

Neben der "Sportlichkeit" passte noch etwas nicht zu Volvo: die Qualität der bei Jensen in Großbritannien komplettierten Karossen, die Pressed Steel in Schottland fertigte. Nachdem die ursprüngliche Produktion bei Karmann in Osnabrück aufgrund eines Vetos von Volkswagen gescheitert war und damit fast das gesamte Projekt zum Kippen gebracht hatte, war man bei Jensen zunächst fündig geworden. Doch nicht nur der Lack der 1800er vermochte nicht zu überzeugen... Deshalb verlegte Volvo die P-1800-Produktion 1963 komplett nach Schweden, was sich im angehängten "S" (für "Schweden") der 1800er-Modelle ab diesem Zeitpunkt niederschlug. 

Der P-1800 und seine Derivate (1800 ES "Schneewittchensarg") waren einmalig in der Volvo-Designsprache. Nie zuvor und nie mehr danach gab es derartige gebaute Phantasie-Höhenflüge. Vielleicht lag es in der Natur des Schweden Petterson begründet: Er wurde 1969 bei den Olympischen Spielen Weltmeister in der Starboot-Klasse, sammelte auch danach eifrig Medaillen und vertreibt heute hochwertige Segler-Kleidung. Ob er P-1800 fährt, ist nicht bekannt, aber auch nicht undenkbar.

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