Dodge Challenger 440 RT

Dodge Challenger 440 RT


Marktbeobachtung

Das Sir Irish Moos auf Deinem Körper hat schon lange vor diesem heißen Tag kapituliert. Aber es ist Dir egal. Dein leichtes Hemd ist geöffnet, Du spürst die noch immer wie Nadelstiche sengende Sonne auf Deinem Gesicht, während du auf knirschendem Kies näher kommst. Immer näher. Noch näher. 

Langsam streichen vier Deiner Fingerkuppen über die Unterseite der filigranen Chromklinke, eine leichte Schweißspur auf ihr hinterlassend. "Knack!" macht die Klinke beim Öffnen der Fahrertür, die ungefähr so viel wie ein Detroiter Walzwerk zu wiegen scheint. "Schrrk!" grummelt jetzt der Staub von Kowalski's letzter Wüstenetappe in den Scharnieren, aus den Kunstlederpolstern entweicht mit kurzem Zischen die Luft, während Du Platz nimmst in dieser Legende, die schon lange eine war, bevor dem deutschen Ami-Mainstream die Vokabel "Mopar" in die Ohrmuschel kroch.

Die fisseligen Zündschlüssel, deren Materialität immer an verflossene osteuropäische Währungen erinnert und die einem in amerikanischen Filmen ausnahmslos vom Dachhimmel entgegenfallen (weil hinter die Sonnnenblende geklemmt), jagen tatsächlich nur 12 Volt durch die Zündkabel, die sich hinter dem Steuer dieses Wagens jedoch anfühlen wie die letzten Sekunden im Stuhl von St. Quentin.

Dann feuert der Challenger 440 RT aus allen vier Endrohren, rotzt sich von ganz tief unten das Super in den Vergaser hoch und injiziiert es sich direkt in die  Einlassventile und Dir in Deine Blutbahn, bis der gelbliche Pegel langsam die Hälfte Deiner Pupille erreicht, oder ist das doch nur die Spiegelung der untergehenden Sonne? Und während Ihr nun mit Gebrüll und Getöse diese staubige Piste ins Nirgendwo entlangflammt, mit einem Verbrauch von mindestens 28 Litern allerfeinsten Herzbluts pro Umdrehung, Du langsam das siedende Pedal durch die Brandblasen deines Gasfußes zu spüren beginnst und der Fahrtwind des Dodge die Schweißperlen auf Deinem Gesicht zur Salzkruste trocknen lässt, während all dieses nur für Dich geschieht, vergisst Du das Autokino um Dich herum, ingnorierst Du in Deinem süßen Delirium aus Technicolor und Stereo die tiefergelegten Polo 6N, den Mondeo Stufenheck mit dem bösen Blick und sogar den Vectra-Alptraum in gold-metalflake mit Airflow-Spiegeln und Heckruder, denn Du bist selbst längst abgehoben in eine andere, eine bessere Welt. In ein Paralleluniversum, in dem Motoren unter acht Zylindern mit Fließbandarbeit in Wolfsburg nicht unter acht Monaten bestraft wird und Sonderkommandos den Ford-Verkäufern zwischen Harz und Houston ihre Oberlippenbärtchen abrasieren kommen.

Träum weiter, mein Freund. Du trägst den Namen Deines Autos. Zu Recht.

Das Angebot finden Sie hier.

Dieser Artikel erschien am 31.03.2008