Discount-Dino – OSI 20m TS

Discount-Dino – OSI 20m TS


Marktbeobachtung

Sergio Sartorelli konnte was. Der Meister der italienischen Blechschneiderein griff Anfang 1965 beherzt zur Blechschere, als die Ghia-Tochtergesellschaft O.S.I. (Officine Stampaggi Industriali) gemeinsam mit der deutschen Ford Werke AG meinte, den männlichen Kundenstamm mal so richtig zu entsaften.

Nach dem „großen Karmann“, den Sartorelli ebenfalls couturierte, stemmte sich der Neuling OSI 20 TS breitbeinig gegen den Asphalt. Unter der lang gestreckten Haube wummerte das aus dem 20m P5 bekannte Sechszylinder-Herz (interne Bezeichnung „Tornado“), sackte man angesichts der pulsierenden Mischung aus kraftvollen Coupélinien danieder, erspähte man plötzlich eine aus Köln altbekannte Bodengruppe. Das Kalkül ging auf: Der nicht gerade preiswerte OSI 20m TS sorgte auf dem Genfer Messestand für verschwitzte Käuferhände, die noch vor Ort Kaufoptionen unterschreiben wollten.

Dabei konnten die 15.200 D-Mark Grundpreis locker in die Höhe getrieben werden: Heizbare Heckscheibe, Lederausstattung, getönte Scheiben und mehr verhießen die Fortsetzung italienischen Stils auch im Innenraum. Andere innere Werte indes blieben treudeutscher Kölner Herkunft, so neben Motor und Getriebe vor allem das Fahrwerk des P5.

„Eine hübsche Illusion aus Blech, Leder und Edelholz“ schrieb der „stern“ 1967, denn wirklich sportiv war der OSI 20m TS nicht. Allerdings war er auch kein lahmender neapolitanischer Bergesel, magische 180 km/h Spitze waren durchaus drin.

Zur Serienreife erschien der OSI leider ohne die seitlichen Luftschlitze, die noch die (verschweißten) Kotflügel des Genfer Ausstellungstücks geziert hatten. Auch Speichenfelgen gab es nicht, was nicht schlimm war, standen die 15-Loch-Scheibenräder mit damals gewaltigen 185er Pirelliwalzen dem OSI verdammt gut. Perfekt füllten die Räder ihre Radhäuser aus, der gestreckte Entwurf Sartorellis mit seinem leichten Wellenschlag über der Hinterachse mündete in einem sanft auslaufenden, keck abgeschnittenen Fastback. Das ganze Auto verzichtete auf sonst üblichen Kölner Chromschnickschnack. Es war reine Form und Fläche, auf denen wenige sorgsam gesetzte Details die nötigen Akzente setzten.

Bevor jedoch der OSI 20m TS richtig in Fahrt kommt, erstirbt der Motor von OSI in Italien: Konkursverwalter schwingen den Rotstift, nach rund 2.200 Exemplaren endet die Fertigung des OSI 20m TS. Gerade noch hatte Ford einen Turbo-erfahrenen Schweizer namens May an die OSI-Maschine gelassen, doch gelangte das Resultat dieses Engagements nicht mehr auf die Straße. Etwa 200 Exemplare des OSI 20m TS haben bis heute überlebt, der eingeschmolzene Rest fuhr danach als Ford Probe durch die Gegend. Zum Trost: Auch die Probes stapeln sich derzeit auf Halde. Bleibt abzuwarten, als was sie wiederauferstehen.

Autor: Knut Simon