Die Waffe – Lamborghini Espada 400 GT

Die Waffe – Lamborghini Espada 400 GT


Marktbeobachtung

Wer sagt eigentlich, dass man zwingend zum Kombi greifen muss, sobald sich Nachwuchs einstellt? Lamborghini hatte früh begriffen, seine Autos an die sich verändernden Bedürfnisse der Kundschaft anzupassen. Das Ergebnis: ein echter 2+2 nach den Gesetzen der Mathematik. Der rassige wie praktische Espada hatte tatsächlich ehrlichen Platz für vier. Was nur dann von Nachteil war, wenn die Schwiegermutter noch lebte.

Echte Sportwagen vom Schlage eines GT haben seit jeher zwei Sitze, im Höchstfall noch eine kleine verschämt ausgepolsterte Luke hinter den Vordersitzen, die allerdings eher thromboseverdächtig denn nutzbar sind. So weit, so tradiert, nur – warum?  Wahrscheinlich, um Ehemännern plausible Kaufargumente an die Hand zu geben: "Schau, Schatz, wenn wir uns einen Miura kaufen, können wir immer standesgemäß bei Müllers vorfahren, müssen aber die doofen Schmidts auf dem Rückweg nicht mitnhemen." Diese Logik hat bis heute überlebt. Und sie scheint zuzutreffen. Wie sonst konnte der Smart Fourtwo über den wieder versenkten Fourfour triumphieren? Egal. Wenden wir uns wieder Automobilen zu. 

Für Ferruccio Lamborghini stellte die Idee eines viersitzigen Gran Tourismo keinen Frevel dar. Hatte er mit dem Miura schlicht das Supercar auf dem Markt der Schönen und Reichen lanciert, sollte Marcello Gandini von Bertone nunmehr das Aufsehen erregende Element in eine völlig neue Form und in ein neues Konzept gießen. Heraus kam nicht nur der erste edle GT mit vier gleich großen Einzelsitzen, sondern auch noch eine weitere hausinterne Stilerweiterung: Erstmals wurde ein Lamborghini nicht nach einer Stierart benannt, sondern nach dem Degen des Matadors. Übertragen auf den Espada bedeutete dies die Entstehung einer Art automobiler Allzweckwaffe: Sie besaß Platz, Prestige und Power gleichermaßen.

Die 2+2-Rechnung ging auf. Der Espada wurde zum erfolgreichsten Lamborghini-Modell. Die wunderschön anzufühlende Kombination von Vierliter-V 12 und dem Fahrwerk des Islero eröffnete neue Horizonte des luxuriösen, kraftvollen Reisens. Hinzu kam, dass während der elf Jahre währenden Produktionszeit des Espada die Regie Lamborghini dem Wagen zwar Modellpflege angedeihen ließ, den Grundcharakter des Fahrzeugs bewahrte. Die merklichste Revolution fand beim Übergang zur Serie 2 (1969 – 1972) statt, in deren Rahmen das Cockpit komplett verändert wurde und der Motor von 325 auf 350 PS erstarkte. Diese Leistungsspritze machte sich interessanter Weise nicht so sehr in der Endgeschwindigkeit von 245 bis 250 KM/H bemerkbar, sondern kam der eh schon mehr als souverän zu bezeichnenden Elastizität zugute. Im Laufe der Serie 3 (1972 – 1978) erhielt der Espada wulstige Gummihörner an der vorderen Stoßstange, um den US-Gesetzen zu genügen. Hieran scheiden sich die Geister. Die einen verteufeln die Hörner als stylistischen Frevel, nicht wenige jedoch empfinden sie als zusätzlich angenehme Streckung des eh schon 4,70 Meter langen und 1,80 Meter breiten, aber nur 1,18 Meter hohem Zweitürers.

Wie auch immer – bis heute ist der Espada so etwas wie der Bentley Arnage Red Label aus Italien. Ein komfortabler, großzügier Tourer mit Biss und unverwechselbarem Design, das sich übrigens gegen einen glücklosen klassischen Limousinen-Entwurf von Carozzeria Touring durchsetzte.

Wenn Sie also außer Ihrer absoluten Stilsicherheit und dem nötigen Kleingeld auch noch eine liebenswerte Schwiegermutter oder Kinder Ihr Eigen nennen dürfen – dann ist der Lamborghini Espada Ihr Automobil.

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