Die Stille – Bentley Type R Continental

Die Stille – Bentley Type R Continental


Marktbeobachtung

Sie raubt einem nicht den Atem, diese Skulptur aus Aluminium, Holz und Leder. Sie lässt einen nur verstummen. Die Luft anhalten. Meter für Meter liegt sie kauernd am Boden, diese Sänfte mit dem geflügelten "B" auf der Spitze der Kathedralen-gleichen Kühlermaske, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens das schnellste viersitzige Fahrzeug der Welt war. Oh. Nein. Jetzt beginnt dieser Text doch noch, ins Profane abzugleiten.

Wer den unglaublich kraftvoll und dennoch vollständig gelassen komponierten Bentley Type R Continental ohne Vorbild in der britischen Automobilhistorie empfindet, hat Recht. Niemand im Vereinigten Königreich und in den britischen Kolonien hatte jemals vorher solch ein kultiviertes Hochleistungs- und Luxuscoupé erschaffen, wie die Mannen von Mulliner. Diese jedoch hatten heimlich über den Atlantik gelugt, also quasi in die damals größte abtrünnige Kolonie, wo sie inzwischen auch Autos bauten. Annähernd jedenfalls.

1949 debütierten dort der neue Chevrolet Fleetline und der neue Buick Roadmaster. Beide trugen unverkennbar die formalen Spendergene, die Mulliner alsbald gekonnt und mit höchster Handwerkskunst zum Bentley Type R Continental formte. Und bis auf die Inspiration fand sich an diesem Automobil nichts, was man auch nur in etwa als "durchschnittlich" bezeichnen konnte. Der Type R Continental war das handgefertigte Denkmal feinsten britischen Automobilbaus. Er war mit 185 km/h zudem der schnellste Viersitzer seiner Zeit (1952), eine Eigenschaft, die auf die ursprüngliche Cricklewood-Bentley-Tradition verwies. Und er war der teuerste Wagen, den es zu kaufen gab – vergleichbar etwa mit einem heutigen Bugatti Veyron. Zu der brachialen Leistung gehörte jedoch auch die Sanftheit  und Laufruhe, die man von solch einem Fahrzeug, zumal damals noch aus dem Hause Rolls-Royce stammend, schlicht erwartete.

Seine charakteristischen Heckflossen verbrachten, wohl anders als im Falle der genannten amerikanischen Vorbilder, Stunden im Windkanal. Die Luft sollte gekonnt an den Rädern vorbei geleitet werden, die Aerodynamik des Type R Continental war seiner Zeit dadurch weit voraus – ein Umstand, den man diesem Monument auf Rädern nicht unbedingt ansieht. 4.5 und 4.8 Liter-Reihensechszylinder ließen den "Conti" binnen 14 Sekunden auf 100 km/h gleiten, im Ersten Gang wurden 80 km/h erreicht. Kraftvoll verzögert wurde mit Scheibenbremsen vorn und mit Trommelbremsen hinten. Erhebliche Gewichtsersparnis brachte der Ganzaluminium-Aufbau, weshalb sich auch die Trinkeigenschaften dieses gut situierten Tourers in aristokratisch verzeihbaren Dimensionen bewegte: 14,5 Liter waren ein guter, ein sehr guter Wert für damalige Verhältnisse und für den in nur 207 Exemplaren gebauten Type R Continental.

Viel zu früh, nämlich bereits 1955, endete die Herstellung dieses begeisternden Coupés aus Meisterhand – aber die wirklich guten Dinge im Leben sind nun einmal rar.

Rezitieren Sie deshalb heute Abend 207 Mal Friedrich Schillers "Ode an die Freude" vor dem zu Bett gehen. Alles andere, zum Beispiel die Zinsen für einen entsprechenden Kredit auszurechnen, wäre beim Träumen von einem Bentley Type R Continental auch unangemessen. Und schlafraubend zumal.

Der Rest ist Schweigen. 

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