Die flotten Fünfziger Teil II: Es läuft was!

Die flotten Fünfziger Teil II: Es läuft was!

Wie belebend sich eine weltweite Krise auf die Produktivität und Erfindungsreichtum der Industrie auswirken kann, zeigen exemplarisch die Fünfziger Jahre.

Die Ansprüche steigen


Ebenfalls in der Flugzeugfertigung verwurzelt war Saab, die mit dem 1950 vorgestellten 92 auf die jetzt einsetzende Belebung des regulären Automarktes setzten. Saab 92 Diese Belebung führte bei erfolgreichen Motorradproduzenten wie NSU zur Entwicklung von Automobilen, denn die Rolle der Mopeds und Motorräder als günstige Notlösungen ging zu Ende und deren Nachfrage sank.

Auch die günstigen Einstiegsofferten, die Kleinwagen, begannen langsam auf weniger Interesse zu stoßen, Borgward, der durch deren Produktion zu einem Industriemagnaten aufgestiegen war, verfügte nun eine Neuausrichtung seines Unternehmens (Borgward, Lloyd und Goliath) hin zu ernstzunehmenden Mittelklasse-Fahrzeugen (Lloyd Arabella, Goliath 1100, Borgward Hansa 1800 und Isabella). Ab 1954 nahm die Produktion von Automobilen in Europa sprunghaft zu, es setzte das berühmte Wirtschaftswunder ein und Wohlstand breitete sich aus.

Citroen DS Dem Gefühl, es geschafft zu haben, wurde auch mit größeren Automodellen entsprochen, die jetzt gerne auch ein paar Pferdestärken mehr haben durften und deren Äußeres gerne auch ein bisschen pfiffiger daher kommen konnte. Vielleicht schoß Citroen mit der Gestaltung der DS ein wenig über dieses Ziel hinaus, aber wichtiger war ohnehin die Botschaft einer verheißungsvollen Zukunft, unbeschränkten Wachstums und Wohlstand für Alle.  

Konkurrenz mit Hindernissen


Im weltweiten Wettbewerb um die schönsten Karossen und die stärksten Motoren sorgten die nicht unbeträchtlichen Zollschranken der teilnehmenden Länder für einigen Verdruss. Zumeist kamen für die Kunden nur heimische Produkte in Frage, da ausländische Fahrzeuge deswegen ein ungünstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis aufwiesen.Dies galt vor allem für die Klein- und Mittelklassewagen, für Sport und Luxusfahrzeuge entschied sich der Käufer ohnehin aus anderen als monetären Gründen. Lancia Appia Berlina

Ein Weg den Grenzen des heimischen Marktes zu entkommen und sich neue Absatzchancen zu eröffnen bestand in der Gründung einer Fabrikationsanlage im gewünschten Markt.  Lancia gründete eine Fabrik in Frankreich, Fiat ließ bei NSU in Lizenz fertigen und Citroen baute ein Werk in Großbritannien, um nur einige zu nennen.

Ein anderer Weg führte über sportliche Erfolge zu weltweiter Bekanntheit, Ferrari und Jaguar sind hierfür gute Beispiele. In der gehobenen Klasse der Luxusfahrzeuge setzen sich vor allem Hersteller mit langer Tradition und hohem qualitativen Anspruch wie Rolls-Royce und Mercedes-Benz durch. Für Expansionsbestrebungen mangelte es in diesem Segment an Nachfrage, größere Stückzahlen und damit größere Gewinne versprach dagegen die Mittleklasse.  

Standards


Die Automobilwirtschaft hatte ihren erzwungenen Neustart genutzt um rationelle Fertigungsverfahren in die Produktion einfließen zu lassen. Das von Ford (USA) eingeführte Fließband wurde ebenso zum Standard wie die selbsttragende Karosserie aus Stahlblech. Bei den Motoren setzte sich der Viertakt-Otto-Motor zunehmend gegen den Zweitaktmotor durch, in Europa wurde der Reihenvierzylinder mit wenigen Ausnahmen zur Standardkonfiguration in Klein- und Mittelklassewagen.

Volkswagen Käfer In Deutschland schaffte es einzig Volkswagen mit dem Käfer ein Auto mit einer davon deutlich abweichenden Konstruktion zum Erfolg zu führen, ja den nationalen Markt zu dominieren. Selbst in den USA konnte der Käfer erfolgreich vermarktet werden, zu nicht geringer Verwunderung der dortigen Anbieter. Doch der Käfer war zu dieser Zeit schon ein Atavismus, die Zukunft des Kleinwagens und bestimmender Wegweiser zur Konstruktion effizienter Fahrzeuge kam 1959 mit dem Mini in England auf den Markt.  In der nicht durch Effizienz bestimmten Mittel- und Oberklasse wurde die klassische Panhard-Anordnung aus den Anfängen des Automobilbaus mit Frontmotor und Heckantrieb zum überwiegend akzeptierten Konsens.

Autor: Frank Brendel

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