Der kleine Feind – Renault 5 Alpine Turbo

Der kleine Feind – Renault 5 Alpine Turbo


Marktbeobachtung

"Wrrroooaaaar– WrooooaaaarrrWwrmmmmmmm...!" Kinder! War das schön! Damals! Männer und Autos durften noch rauchen, werben durfte man für beides sowieso, ohne auf die moralische Mütze zu bekommen, und die Knautschzone Deines Renners war stark abhängig von der Länge Deiner Beine. Immer mit dabei: der Renault 5. Der kleine Feind.

Klein, chic, oho – nein, nicht von einem Yves-Saint-Laurent-Kleid ist die Rede, aber von einem blechernen Anverwandten des Meisters, der auschließlich für Frauen schneiderte. So wie Renault. Die schufen mit dem kleinen, pfiffigen R 5 dereinst das formvollendete Meisterstück der Reduktion – speziell die Frauen liebten ihn. Im Moment seines Erscheinens wirkten seine Kollegen vom Schlage eines Fiat 127 altbacken: Der R 5 verzichtete völlig auf Chromspielereien, lächelte mit seinem schmalen Kühlermund die Menschen an und schaute aus großen, treuen Breitbandscheinwerfern in die Welt, die ihn sofort in ihr Herz schloß. Bienvenue, mon ami!

Wie große bereifte Campino-Bonbons wirkten die ersten Vertreter der Gattung R 5, so grellbunt, knallig und poppig flitzten sie durch die Metropolen Europas. Schnörkellose Blechflächen gingen bündig über in robuste Kunststoff-Schutzschilde, eine Heckklappe und eine umklappbare Rücksitzbank machte den Flitzer im Nu zum Einkaufswagen, derweil unter der vorderen Haube niedliche, aber flotte Vierzylinder-Motörchen vor sich hin brummelten.

Und dann passierte es. Auf einmal konnte der R 5 noch ganz anders. Der Einkaufswagen zum Brötchen holen mutierte zur Rennsemmel. Unter der Bezeichnung Alpine Turbo räumte der R 5 bald auf allen Rennstrecken auf, die ihm unter die Sportfelgen kamen. "Die frechsten dreieinhalb Meter der Welt" titelte die sympathische Renault-Werbung zu Recht, denn 105 PS in solche einer rasenden Hutschachtel waren mehr als bemerkenswert. 

Heute ist es leichter, einen Alpine Turbo als ein gepflegtes Normalmodell vom Schlage eines R 5 GTL zu finden – zu oft wurde "der kleine Freund" (wieder die Werbung) zum "kleinen Feind", zu oft nagte zu viel Salz an der zu oft ungenügend geschützten kleinen, frechen Karosse. Zu oft resignierten R 5-Eigner zu schnell, zu schnell verschlangen daher die Hochöfen gierig die kleinen, putzigen Appetithäppchen R 5.

Wer noch nie einen R 5 der ersten Generation besessen hat, sollte ihn sich in jedem Fall kaufen. Er sollte aber gleichzeitig eines der gut erhaltenen oder restaurierten Exemplare wählen, um nicht die schicksalhaften Erfahrungen derer machen zu müssen, die einst einen R 5 besaßen. Jene, die bereits einen R 5 besaßen, sollten ebenfalls zuschlagen – so schnell wird sich die Gelegenheit, einmal gemachte R 5-Erfahrungen zu wiederholen, nicht mehr bieten. Und außerdem ist es doch langweilig, immer nur in dieses Internet hier zu starren, während andere schon wieder schrauben, hm?

Allez! Ab auf die Piste! Und vorher, währenddessen und danach: in die Werkstatt!

Dieser Artikel erschien am 04.06.2008