Der Gute, der Große und der Hässliche

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Schlau werden mit Carsablanca

Volvo-Designer Wilsgaard spielte lange mit dem Motiv des Haifischmauls. Es wanderte durch diverse Prototypen, bevor er es beim 164 schließlich unterbringen konnte.

Nachdem der luxuriöse Volvo Philip 1951 nicht übers Prototypenstadium hinausgekommen war, beschäftigte Volvo sich 1958 erneut mit dem Projekt eines Oberklasseautos. Ganz konkret ging es darum, die beliebte aber betagte 800er Serie abzulösen, deren Ursprünge in die Dreißiger reichen.

Gefragt war also ein großes, möglichst repräsentatives Auto, und genau ein solches zeichnete Chefdesigner Jan Wilsgaard für das Projekt P358: Radstand 2,85 Meter, Länge 5,08 Meter. Daraus hätte ein königlicher Prachtwagen werden können – wie das Staatswappen an der C-Säule demonstriert. Wilsgaard griff auf sein altes Lieblingsmotiv zurück, das Haifischmaul. Beim P358 kehrte es fast genau in seiner Konfiguration vom Prototype P179 zurück, nur dass ein zweites Scheinwerferpaar an den Kotflügelecken saß. Dieser P358 starb 1960 an denselben Ursachen wie der Philip neun Jahre zuvor: Der europäische Markt für große Autos schrumpfte; das Management schwenkte um auf kompaktere Wagen.

Der bizarrste aller Buckelvolvos

Parallel gestaltete Wilsgaard ein weiteres Haifischmaul, wahrscheinlich das seltsamste von allen. 1958 nämlich war der Buckelvolvo zum PV544 gewachsen. Er war nun zeitgemäßer als der Ur-Buckel PV444, aber viele Nachteile blieben ihm erhalten: schlechte Sicht rückwärts, kleiner Kofferraum, veraltetes Design. So entwarf Wilsgaard den PV644, der heute wie eine Cartoon-Version des Buckel anmutet: langgezogenes Heck, eingezogene Heckscheibe – und Haifischmaul. Der Entwurf war zum Glück schnell vom Tisch.

Um einen Wagen für gehobene Bedürfnisse anzubieten, der nicht so teuer in der Herstellung war wie der gekippte P358, erwog Volvo einen Kompromiss. Nachdem Jan Wilsgaard die Arbeit am 140 beendete, entdeckte er voll Freude, dass sich die Front des P358 wunderbar auf den 140 übertragen ließ. Hinter dem eindrucksvollen Kühlergrill war Platz für einen Reihensechszylinder, und 1968 durfte das Haifischmaul am Volvo 164 hinaus in die Welt.