Der ganz normale Wahnsinn – Opel Kadett E

Der ganz normale Wahnsinn – Opel Kadett E


Marktbeobachtung

Aaaah! Da schnalzt der Netzfang-Autor mit der Zunge! Zur Exekution angetreten ist dieses Mal ein Opel Kadett E- Oder zumindest dessen unter dem Billo-Tuning noch erkennbarer Rest...

Wittenberg. Einen besonders grausigen Fund machten die automobilhistorischen SEK-Kräfte gestern im Internet. Ein seit Jahren nicht vermisster Gebrauchtwagen tauchte bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wieder auf. Aufgrund der schwerwiegenden Eingriffe konnte der Wagen bis zur Stunde nicht zweifelsfrei identifiziert werden. Dem Vernehmen nach soll es sich jedoch um einen ehemaligen Opel Kadett handeln. Ranghohe Vertreter des Managements werden für heute zur Identifizierung des Automorbids aus Rüsselsheim erwartet. Wie es zur der Tat kam, ist noch unklar. Laut einem der Internet-Fotos beiliegendem Bekennerschreiben ist jedoch zu vermuten, dass die Verursacher mit Vorsatz gehandelt haben. Sie müssen im Falle ihres Ergreifens mit der Höchststrafe, einem fabrikneuen Opel Insignia im OPC-Dress, rechnen.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, liegen eventuell sogar mehrere Straftatbestände vor. Bisher werde unter Experten noch diskutiert, ob nur die am Fahrzeug vorgenommenen Veränderungen geahndet werden sollen, oder bereits das Angebot eines serienmäßigen Opel Kadett E eine Straftat darstellt ("Anschlag auf den guten Geschmack").

Zu den einzelnen Veränderungen am Fahrzeug wurde ein Verkehrspsychologe konsultiert. In Zusammenarbeit mit dem Pannendienst des ADAC analysierte dieser die einzelnen Attentats-Elemente. So kamen die Experten einmütig zu dem Schluss, dass es sich um einen intelligenten Täter handeln müsse, da er die für einen E-Kadett typischen Pannendienst-Wartezeiten mittels eines selbst gebastelten Schachtischs auf dem Deckel der Autobatterie überbrückt habe. Die Polizei bittet daher jeden, der in den vergangenen Monaten auf Autobahnrasthöfen, Schrottplätzen oder vor Autozubehörshops zu einer Partie Schach aufgefordert wurde, sich dringend zu melden.

Wie einer der ermittelnden Beamten sagte, hätten weit reichende psychische Schäden an einer unkontrollierbar hohen Zahl ahnungsloser Käufer bisher vermieden werden können, da viele der verbauten Zubehörteile zum Glück limitiert seien. Dies treffe zum Beispiel auf das Lenkrad zu. Aufgrund seiner Materialität (Holz) und des rohen Stils der Metallarbeiten verhöre die Polizei zur Zeit ausgeschiedene Kandidaten des RTL-Dschungelcamps. Giulia Siegel habe bereits ausgesagt, dass weder sie noch eines ihrer Kinder das Lenkrad entworfen oder hergestellt hätten.

Berichten zu Folge hätten sich die lokalen Beamten der Ermittlungsgruppe Eingriffsversuchen von allerhöchster Stelle in das laufende Verfahren souverän erwehrt. So lehnten sie ein Gesuch des Außenministeriums ab, das Auto an Tom Cruise in die USA zu verschiffen. Dieser hätte nach wenigen Augenblicken geglaubt, beim besagten Opel Kadett müsse es sich zweifelsfrei um den ehemaligen Dienstwagen von Claus Graf Schenk von Stauffenberg handeln. „Der Rückspiegel hat genau die Form von einem der Orden, den Claus trug“, habe der US-Schauspieler als Begründung sichtlich erregt ausgerufen. Der zuständige Beamte des SEK, ein gelernter Kraftfahrzeugmeister, habe dies jedoch zurückgewiesen: Mit diesem Wagen wäre der Widerstand erst gar nicht in Fahrt gekommen.

Die Polizei nimmt das Verbrechen nach eigenen Aussagen sehr ernst. Inzwischen seien auch erste Forderungen der Attentäter eingegangen: Wenn das ausgewiesene Lösegeld nicht bezahlt werde, würden die Täter binnen kürzester Zeit ein weiteres, ähnliches Kadett-Exemplar wieder zulassen und im öffentlichen Strafenverkehr bewegen. Ausdrücklich von der Polizei gewarnt wurden besonders ahnungslose Autohändler, also alle. Diese seien laut SEK herausragend gefährdet, „weil die Täter, getarnt als Abwrackprämienjäger, sich mit solch einem Fahrzeug jederzeit ungehindert Zugang zu einem Autohaus verschaffen könnten“.